Reisefieber

 © styleuneed-AdobeStock

Reisefieber:
(Ver)reisen und Gesundheit im Urlaub

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er viel erzählen. Niemand kennt diesen Spruch so gut wie die Deutschen. Denn seit Jahren sind wir und unsere Landsleute regelrechte Reiseweltmeister. Dabei sind die Zeiten, in denen die Bundesdeutschen nur ins eigene oder die Nachbarländer reisen, schon lange vorbei. Die Zahl der „Globetrotter“, die vor allem in der kalten Winterzeit Fernweh haben, wird stets größer. Immer weiter, immer exotischer und vor allem immer wärmer, sind die Devisen, die jedes Jahr Tausende von Deutschen nach Asien, Amerika, Australien oder Afrika ziehen. Da ist die gute Vorbereitung des Reisegepäcks umso wichtiger – auch und vor allem für die Gesundheit. Dass eine Reiseapotheke hineingehört, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Was aber muss sie enthalten, um im Falle des Falles richtig bestückt zu sein?

 

Alle regelmäßig einzunehmenden Medikamente müssen mit!

Reiselustige, die an chronischen Krankheiten leiden und deshalb regelmäßig Arzneimittel einnehmen müssen, sollten diese immer in ausreichender Menge dabeihaben. Dies gilt natürlich auch für Frauen, die mit der Pille verhüten. Auf die Versorgung im Urlaubsland sollte man sich nicht verlassen. Denn auch wenn in manchen Ländern Medikamente billiger sind als bei uns, kann sich der Weg zur nächsten Apotheke schnell als kaum lösbares Hindernis erweisen. Zudem gelten gerade in fernen Urlaubszielen nicht immer die gleichen Qualitätsansprüche wie in Deutschland. Auch Fälschungen sind in einigen Urlaubszielen selbst in Apotheken ein großes Problem. Auf den Medikamentenkauf auf der Straße sollte ohnehin verzichtet werden.

Generell sollte man etwas mehr als die genau Menge für die Urlaubsdauer mitnehmen und stets auch gerade täglich  benötigte Arzneimittel im Handgepäck dabei haben. Zum einen können die Koffer bei einer Flugreise verloren gehen. Dann werden sie erst – teilweise sehr – verspätet ins Hotel oder bei Kreuzfahrten aufs Schiff gebracht. Zum anderen kann auch nie ausgeschlossen werden dass zum Beispiel der Heimflug wegen Streiks oder aus technischen Gründen gecancelt wird. Wenn man dann länger als geplant im Urlaubsland verbringen muss, sollten zumindest die  wichtigsten Medikamente dabei sein.

Gerade bei Reisen in ferne Länder mit anderen Zeitzonen sollte man sich zusätzlich beraten lassen. Was ist beispielsweise zu tun, wenn man sein Medikament immer morgens um acht Uhr einnimmt, es dann aber zum Beispiel in den USA erst mitten in der Nacht ist? Sind die Arzneimittel bei einer Verschiebung des Einnahmezeitraums dann immer noch ausreichend wirksam? Solche Fragen können Arzt oder Apotheker beantworten. Sie wissen auch, was zusätzlich in die Reiseapotheke gehört.

 

Auf bewährte Medikamente setzen

Deren Inhalt hängt immer auch sowohl vom Reiseziel als auch der Reisedauer und Reiseart ab. Grundsätzlich empfehlen Reisemediziner, auf Präparate zurückzugreifen, mit denen man bereits positive Erfahrungen gemacht hat, und dabei auch an Beschwerden zu denken, die gerade auf Reisen häufiger aufgetreten sind. Hierzu gehören Arzneimittel gegen Allergien, Sodbrennen, Pilzinfektionen an den Füßen oder bei Frauen im Scheidenbereich sowie Mittel gegen Lippenherpes. Sind diese bereits in der Hausapotheke vorhanden, sollte man vor dem Einpacken noch einmal das Verfallsdatum kontrollieren. Denn ist dieses überschritten, wirken die Medikamente nicht mehr so gut oder gar nicht mehr.

 Auf keinen Fall vergessen sollte man für den fast in je dem Reiseland notwendigen Sonnenschutz, der in tropischen Gebieten natürlich wirksamer sein muss als in eher verregneten Destinationen. Nicht nur, wer sich um Urlaub aktiv bewegen will, sollte zudem an Desinfektionsmittel, Verbandmaterial sowie Pflaster denken. Denn Stürze sind auch am Hotelpool möglich. Auch eine Schere, eine Pinzette oder ein Dreieckstuck können gute Hilfe leisten. Letzteres findet man unter anderem in jedem Verbandkasten. Dann sollte man allerdings nicht vergessen, es nach dem Urlaub wieder dorthin zurück zu packen.

 Tut es dann weh, helfen Schmerzgele oder Schmerztabletten, mit denen man Erfahrungen hat – auch gegen Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Die Tabletten senken oft auch Fieber, sodass sie bei Erkältungen oder anderen Infektionskrankheiten eingesetzt werden können. Letztere können übrigens nicht nur bei nasskaltem Wetter auftreten. Gerade in heißen Ländern mit klimatisierten Gebäuden und Bussen lauert die Gefahr, auch bei schönstem Wetter urplötzlich unter Husten, Schnupfen und Heiserkeit zu leiden.

 Vor allem Reisende, die mit dem Rucksack unterwegs sind, sollten ein nicht zerbrechliches Fieberthermometer mitnehmen. Denn eine erhöhte Temperatur ist auch ein Hinweis darauf, dass der Körper mit einer Infektion zu kämpfen hat. Unverzichtbar ist dieses Instrument in allen Ländern, in denen beispielsweise Malaria auftreten kann. Hier gehört zur guten Reisevorbereitung auch die Mitnahme von Malaria-Medikamenten für den Notfall.

 

Andere Länder, andere Krankheiten

Andere Länder haben nicht nur andere Sitten, sondern auch andere Krankheiten. Wer eine Wanderung durch das Voralpenland plant, benötigt eine völlig andere Erste-Hilfe-Ausrüstung als Abenteurer, die eine Fernreise durchführen. Nicht nur an nordischen Seen, auch in Gebieten, in denen z. B. Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber oder die Japanische Enzephalitis verbreitet sind, ist zum Beispiel ein guter Mückenschutz unverzichtbar. Hier sind spezielle Präparate für tropische Gebiete verfügbar. Denn wenn die Plagegeister erst gar nicht stechen, können nicht nur allergische Reaktionen vermieden werden – die gefährlichen Infektionskrankheiten haben dann zusätzlich weniger Chancen.

 Auch die Gefahr, an der sogenannten „Montezumas Rache“, also an Durchfall zu erkranken, ist in Österreich viel geringer als in Ägypten. Am besten ist es natürlich, wenn man diesen erst gar nicht bekommt. Hier hilft die Weltenbummler-Regel, nach der man nur das isst, was gekocht oder gebraten ist, und bei Früchten nur diejenigen genießt, die man schälen kann. Leitungswasser ist auf jeden Fall zu meiden. Ist dies nicht möglich, sollte man das Wasser einmal gut abkochen, um Krankheitserreger abzutöten. Besser sind allerdings gekaufte Mineralwasserflaschen. Allerdings muss man hier darauf achten, dass der Verschluss noch nicht geöffnet wurde. Gerade in Schwellenländern werden auf der Straße nämlich leider auch bereits gebrauchte Flaschen verkauft, die vorher mit Leitungswasser gefüllt wurden.  Im Falle des Falles helfen mitgebrachte moderne Durchfallmittel. Zudem sollte man dann auch viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die verlorenen Mineralstoffe können gut durch Elektrolyt-Tabletten oder -pulvern ersetzt werden.

Kommt es dagegen zur Verstopfung, helfen viel trinken und eine ballaststoffreiche Ernährung. Zudem können auch Trockenfrüchte die Verdauung anregen. Reisende, die unterwegs zur Verstopfung neigen, können im Zweifel für eine kurze Zeit auch auf ein mild wirkendes Abführmittel zurückgreifen.

 

Rechtzeitig an Impfschutz denken

Zwar nicht in der Reiseapotheke, dafür aber bei manchen Urlaubszielen genauso wichtig ist ein ausreichender Impfschutz. Und weil manche Impfungen erst nach einiger Zeit wirken oder noch einmal wiederholt werden, empfehlen Reisemediziner, sich spätestens sechs Wochen vor Reiseantritt bei einem Arzt oder in einer speziell dafür qualifizierten Apotheke beraten zu lassen. Ein früherer Termin ist natürlich noch besser. Dazu sollte man dann auch seinen Impfausweis mitnehmen. Denn manche Impfungen, die man als Kind erhalten hat, sollten später regelmäßig aufgefrischt werden. Zu den in Deutschland gängigen Standardimpfungen für Kinder und Jugendliche, die auch für einen Auslandsaufenthalt nötig sind, zählen nach Angaben der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) unter anderem Impfungen zum Schutz vor Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Masern-Mumps-Röteln sowie gegen humane Papillomviren bei Mädchen. Gegen Influenza (Grippe) sollten zudem alle Menschen ab 60 einmal jährlich geimpft werden.

 

Impfungen an das Reiseziel anpassen

Darüber hinaus können bei Reisen weitere Impfungen  erforderlich sein. Das Centrum für Reisemedizin, (CRM) zählt zu diesen Reiseimpfungen sogar Vorsorgemaßnahmen in Deutschland. So kann es bei Wanderungen z.B. in Baden-Württemberg, Bayern oder Thüringen zu Infektionen mit der von Zecken übertragenen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) kommen, gegen die ein wirksam mer Impfschutz verfügbar ist. Dieses Risiko ist auch bei Natur-Urlauben in der Schweiz, in Österreich, Skandinavien oder Osteuropa vorhanden. Reisenden ans Mittelmeer empfiehlt das CRM eine Impfung gegen Hepatitis A. Das Risiko, durch verunreinigte Nahrungsmittel an dieser Form der Gelbsucht zu erkranken, sei in Süditalien etwa 8- mal höher als bei uns und in der Türkei sogar bis zu 50-mal so hoch. Bei Reisen in ländliche Gebiete der Türkei könne zudem eine Impfung gegen Typhus, eine schwere fieberhafte Erkrankung, sinnvoll sein. Für Ost- und Südosteuropa wird wegen der Vielzahl streunender Tiere außerdem eine Tollwut-Impfung empfohlen.

 

Fernreisen wollen gesundheitlich vorbereitet sein

Bei Fernreisen sind nicht selten zusätzliche Impfungen erforderlich. So sollte man bei Touren nach Asien, Afrika oder Lateinamerika generell gegen Hepatitis A geimpft sein. Empfohlen werden zudem Impfungen  gegen Polio und Typhus. Sind diese bereits früher erfolgt, kann man durch den Arzt prüfen lassen, ob eine Auffrischung erforderlich ist. 

Gerade bei Naturreisen kann auch hier die Tollwut-Impfung wichtig sein. Ist ein längerer Aufenthalt geplant, empfehlen Experten zusätzlich eine Impfung gegen Hepatitis B. Impfpflicht besteht schließlich in einigen Ländern gegen das durch Mücken übertragene Gelbfieber. Ebenfalls durch Mücken wird die sogenannte Japanische Enzephalitis  übertragen. Dabei handelt es sich um eine meist lebensbedrohliche Erkrankung, gegen die bei uns ebenfalls eine Impfung zugelassen ist. Das CRM empfiehlt diese für Reisen in ländliche Gebiete Süd- und Südostasiens. Unter bestimmten Reisebedingungen könne auch eine Cholera-Schluckimpfung für Südasien und Afrika sinnvoll sein. International wichtig sei zudem der Schutz gegen Meningokokken. Hier sei das Infektionsrisiko im tropischen Afrika besonders hoch. Wer zum Beispiel als Austauschschüler oder -student nach Nordamerika, Australien, Neuseeland oder in einige europäische Länder gehen möchte, sollte sich schließlich rechtzeitig über die dort erforderten Pflichtimpfungen informieren, ohne die ein längerer Aufenthalt nicht möglich ist. Eine Informationsbroschüre zum Thema Reiseimpfungen, in der auch die Frage nach der Finanzierung durch die Krankenkassen angesprochen wird, steht auf der Internetseite des CRM zum Download bereit.

 

Gut vorbereitet ist der Urlaub sicherer

Bei der Vorbereitung des Urlaubs geht es eben nicht nur um das Wälzen von Reiseführern. Auch die gut gefüllte Reiseapotheke will geplant sein. Denn sie schützt vor manch unangenehmer Erfahrung. Dazu gehört schließlich auch die Reise- oder Seekrankheit, unter der einige Urlauber zum Beispiel in Bussen oder auf Schiffen leiden. Weiß man dies bereits im Voraus, gehören entsprechende Medikamente ebenfalls in das Urlaubsgepäck.

  

Hat man dies alles beachtet, kann man auch weite Reisen unbeschwerter, mit einem deutlich geringeren Risiko und nicht zuletzt gesünder unternehmen.

 

Startseite