Auf gesunden Füßen stehen

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Erich Kästner beschreibt es so: Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt/ behaart und mit böser Visage./Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt … Spätestens zu diesem Zeitpunkt mussten sich die Greifhände der menschlichen Vorfahren zu Füßen weiterentwickeln, mit denen der aufrechte Gang möglich wurde. Rückblickend lässt sich sagen: erfolgreich! 

 

Zwar ist der Mensch heute nicht mehr so behände in den Bäumen unterwegs, dafür kann er weite Strecken mühelos und aufrecht zurücklegen. Immerhin 180.000 Kilometer legt homo sapiens im Laufe seines Lebens zu Fuß zurück. Das entspricht einer viereinhalbfachen Umrundung des Äquators.  

Möglich wurde das, weil sich die Fußzehen seiner Vorfahren nach vorn ausrichteten, ihr „Plattfuß“ sich wölbte und sie sich außerdem eine stabile Ferse zulegten. Menschenaffen besitzen dagegen heute noch flexible Füße und einen sehr großen, beweglichen „Klammerzeh“, mit dem sie sich an Ästen festhalten können.  

 

Eine beeindruckende Konstruktion

Das Fußgewölbe hat eine sehr komplexe und filigrane Struktur. Durch die besondere Anordnung der Fußwurzelknochen entsteht an der Fußinnenseite zwischen Zehen und Fersen ein Längsgewölbe und im Bereich der Mittelfußknochen, zwischen innerem und äußerem Fußrand, ein Quergewölbe. Durch diese besondere Konstruktion ist der Fuß in der Lage, den Druck, der beim Laufen entsteht, elastisch abzufedern und das auf ihm lastende Körpergewicht zu verteilen.

Beim Auftreten liegt etwa ein Drittel des Druckgewichts auf der Ferse, etwa 40 Prozent auf dem Ballen, 15 Prozent auf dem äußeren Rand und der Rest verteilt sich auf die Fußzehen. Zusätzlich wirkt die natürliche Fettpolsterung der Fußsohle wie ein Stoßdämpfer. So beherrscht der Mensch sämtliche Gangarten, kommt auf jedem Untergrund klar und behält auch in schwierigem Terrain das Gleichgewicht.  

Füße sind wahre Wunderwerke der Evolution. Leider schenkt der Mensch ihnen erst dann die angemessene Aufmerksamkeit, wenn sie plötzlich schmerzen. Wer  einmal eine Wanderung mit drückenden Schuhen und walnussgroßen Blasen überstehen musste, weiß, wie schlimm es sein kann, wenn die Füße plötzlich nicht mehr mitspielen.  

 

Strukturprobleme

Fußprobleme häufen sich im Laufe des Lebens, denn Füße sind Zivilisationsopfer. Obwohl fast jeder Mensch mit gesunden Füßen zur Welt kommt, haben zwischen 60 und 75 Prozent aller Erwachsenen Fußprobleme. Viele dieser Erkrankungen oder Fehlstellungen sind auf das Tragen ungeeigneter Schuhe zurückzuführen. Diese behindern oft schon früh die natürliche Bewegung der Füße und damit ihre normale Entwicklung. Zu hohe Absätze, zu enge oder zu kleine Schuhe wirken sich auf die Funktion des Fußgewölbes aus. Sie fördern die häufigsten Fußprobleme: Senk-, Knick- und Spreizfuß.  

Senkfüße entstehen, wenn sich das Fußlängsgewölbe absenkt. Der Fuß wird flacher, deshalb wird das Problem im fortgeschrittenen Stadium auch Plattfuß genannt. Seine Ursache kann Überlastung sein – etwa durch häufiges und langes Stehen. Auch eine veranlagte Bindegewebsschwäche kann dazu beitragen. Zunächst spürt man wenig, dann treten Ermüdungserscheinungen auf und später Belastungsschmerzen oder sogar Ruheschmerzen. Beim Spreizfuß senkt sich das vordere Fußgewölbe sich ab und der Vorfuß verbreitert sich. Besonders Frauen sind davon betroffen.  

Erstes Anzeichen sind ermüdete, brennende Füße. Später kommen dann Belastungs- oder Ruheschmerzen dazu. Ein Knick-Senkfuß ist eine bei Kindern häufige, entwicklungsbedingte Fehlstellung. Mit Barfußlaufen auf natürlichem Untergrund, spielerischer Fußgymnastik und guten Schuhen wächst er sich in der Regel aus.  

 

Formfehler

Neben den Problemen im Fußgewölbe geraten Füße auch anders aus der Form. Häufig ist der sogenannte Hallux valgus. Darunter versteht man eine von der natürlichen Position nach außen abweichende große Zehe, meist in leicht rotierter Position. Sie kann durch Schleimbeutelentzündungen und Verknöcherungen am Zehengrundgelenk sehr schmerzhaft sein. Frauen, die ihre Füße viele Jahre durch zu enge oder zu hohe Schuhe fehlbelastet haben, sind besonders häufig betroffen. Schmerzen kann auch der sogenannte Fersensporn verursachen, der durch eine Verknöcherung am Achillessehnenansatz oder unter dem Fersenbein entsteht. Letzterer ist besonders quälend und verantwortlich für Schmerzen beim Gehen und  Stehen. Betroffene können oft nur noch offene Schuhe tragen.  

 

Fußprobleme vermeiden

• Den Füßen viel Abwechslung bieten und oft auf verschiedenen Untergründen barfuß laufen

• Zu hohe Absätze, zu enge Schuhe vermeiden

•  Zu starre und zu dicke Sohlen vermeiden, damit der Fuß besser abrollen kann

•  Tagsüber mal die Schuhe wechseln

•  Einlagen tragen, um das Fußgewölbe   zu unterstützen

•  Bequeme, passende Schuhe kaufen, die die Zehen nicht stauchen

• Fußgymnastik  

 

Nagelprobe

Im Laufe der Evolution haben sich auch die Fußnägel verändert. Aus stabilen Krallen wurden adrette kleine Keratinplatten. Sie schützen die Oberseite der Zehen und sind im Schnitt etwa einen halben Millimeter dick. Normalerweise sind sie pflegeleicht, sofern sie regelmäßig und richtig geschnitten werden. Aber leider können sie auch ganz schön Ärger machen, wenn sie ihre Form oder Struktur verändern.  

Wenn der Schuh im wahrsten Sinne des Wortes drückt, kann es passieren, dass die Nagelplatte in das Gewebe einwächst, oft am großen Zeh. Die dabei entstehende Schwellung ist äußerst schmerzhaft und kann zu einer Entzündung führen. Eingewachsene Nägel entstehen meistens durch falschen Nagelschnitt, manchmal liegt es aber auch an der Anatomie, weil die Nagelplatte zu stark gewölbt ist. Zu enge Schuhe oder stark schwitzende Füße verschärfen das Problem. Ein eingewachsener Zehennagel gehört in die Hände eines Fachmanns. Lässt sich das Problem nicht durch verschiedene Behandlungsmethoden beseitigen, muss der Nagel gezogen werden – in der Hoffnung, dass er gerade nachwächst. Nicht minder schmerzhaft kann eine Nagelbettentzündung sein. Verschwindet sie nicht von selbst nach einigen Tagen, sollte man den Arzt aufsuchen. Ein Fall für den Fachmann sind auch die sogenannten Holznägel, die durch eine Verdickung der Nagelplatte entstehen. Holznägel können verschiedene Ursachen haben: durch Unfälle mit Verletzung der Nagelplatte, durch altersbedingte Strukturveränderung oder sogar rheumatische Erkrankungen. Sehr häufig ist es jedoch ein Nagelpilz.  

 

Pilze lieben Füße

Kaum verschwinden die Füße im Dunkel von Strümpfen und Schuhen herrscht ideales Pilzwetter. Warm, dunkel, feucht – Pilze lieben dieses Milieu und so ist es nicht erstaunlich, dass Fuß- und Nagelpilze zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland gehören. Unerträglicher Juckreiz, Rötungen oder Schuppungen an den Füßen sind erste Anzeichen für Fußpilze. Verfärbungen und Verdickungen der Nägel weisen auf Nagelpilze hin. Oft macht der Fußpilz den Anfang und geht dann auf die Nägel über. Gegen Fuß- und Nagelpilze gibt es zwar eine Reihe von Therapeutika, mit denen sie sich erfolgreich behandeln lassen. Aber gerade Nagelpilze erfordern ziemlich viel Geduld und eine konsequente Anwendung der Medikamente, bis sie endlich wieder verschwinden. Deshalb ist Prophylaxe die beste Behandlung. Dazu gehören beispielsweise Badelatschen. Die sollten konsequent in Schwimmbädern, Saunen, Duschen, Sporthallen, aber auch in Hotelzimmern getragen werden. Denn Pilzsporen kann man sie sich grundsätzlich überall dort einfangen, wo infizierte Menschen barfuß laufen. Ob ein aufgegabelter Pilz dann auch wirklich heimisch wird, hängt von den Lebensumständen ab, die er vorfindet. Ideal sind enge und feuchtwarme Schuhe und Strümpfe aus Synthetik, weil sie die Luftzirkulation behindern und damit ein optimales Pilzklima produzieren. Menschen, die oft Schutzschuhe tragen müssen, oder Sportler, die vermehrt Turnschuhe tragen, leiden häufiger unter Fuß- oder Nagelpilz.  

 

Fuß- und NAGELPILZ-PROPHYLAXE

• Füße täglich mit warmem Wasser und milder Seife waschen

• Wechselwarme Fußbäder fördern die Durchblutung der Füße

• Nach dem Waschen gut abtrocknen

• Eincremen schützt die Haut vor Rissen und verhindert, dass Pilze oder Bakterien eindringen

• Handtücher immer bei mindestens 60°C  waschen und regelmäßig wechseln

•  Badelatschen tragen, wo Pilzsporen übertragen werden

• Nur atmungsaktive Strümpfe tragen, möglichst aus Baumwolle und bei mindestens 60°C waschbar

• Strümpfe täglich wechseln

• Gut sitzende Schuhe kaufen, am besten aus Leder

• Im Sommer möglichst offene Schuhe tragen

• Füßen viel frische Luft gönnen  

 

Hornhaut, Hühneraugen & Co

Füße haben gerne frische Luft. Der Sommer ist eine gute Jahreszeit, ihnen das zu ermöglichen. Allerdings sollten die Füße dabei so aussehen, dass es andere Menschen nicht gruselt. Schrundige Fersen, dicke Hornhautpolster, knotige Hühneraugen oder schlecht geschnittene Fußnägel sind nicht nur unschön, sie sind auch ungesund für den Fuß!  

Hornhaut soll die Füße schützen, deshalb entsteht sie dort, wo die größte Belastung herrscht. Bildet sich an einer Stelle des Fußes immer wieder verstärkt Hornhaut, drückt möglicherweise genau dort der Schuh. Bei mangelnder Pflege wird sie immer dicker und manchmal so ausgeprägt, dass sie hart, empfindungslos, spröde und rissig wird. Risse sind perfekte Eintrittspforten für Krankheitserreger. Die Folge können unangenehme Entzündungen sein. Besonders bei Diabetikern ist das gefährlich, weil ihre Sensibilität eingeschränkt ist. Hornhaut sollte deshalb regelmäßig entfernt werden. Mit einem Bimsstein oder Peelings gelingt das recht einfach, solange die Schicht noch nicht zu dick ist. Sonst muss man zur Feile greifen. Einen Hornhauthobel sollte man allerdings nur anwenden, wenn man das Instrument beherrscht. Sonst ist die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. In ganz hartnäckigen Fällen sucht man am besten eine Fußpflege auf. Diabetiker sollten immer zur medizinischen Fußpflege gehen.  

Hühneraugen entstehen ebenfalls dort, wo der Schuh drückt, und zwar an Stellen, wo direkt unter der Haut Knochen liegen, vor allem an den Zehen. Dadurch wird das Laufen in geschlossenen Schuhen zunehmend unangenehm. Hühneraugen mit einem hornhautauflösenden Salycylsäurepflaster selbst zu entfernen ist möglich, solange das Hühnerauge flach und klein ist. Kommt es aber immer wieder, muss der Arzt aufgesucht werden. Diabetiker sollten es gar nicht selbst versuchen, sondern gleich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wurde das Hühnerauge erfolgreich entfernt und waren zu enge Schuhe für seine Entstehung verantwortlich, ist es besser, diese Schuhe künftig zu meiden. Sonst kommt das Hühnerauge immer wieder.  

Unangenehm – auch für andere – sind Schweißfüße. Sie entstehen, wenn Füße stark schwitzen, die Feuchtigkeit nicht verdunsten kann und Bakterien den Schweiß zersetzen. Übrigens ähnliche, die auch bei der Käseherstellung aktiv sind, weshalb die Bezeichnung „Käsefüße“ gar nicht so falsch ist. Als wirkungsvolle Hausmittel gelten Fußbäder mit schweißhemmenden Kräutern wie Salbei, Eichenrinde, Thymian, Weidenrinde oder Walnussblättern. Aber es gibt auch Fußpuder oder Cremes für diesen Zweck Dünne Einlegesohlen mit Zimt oder Aktivkohle können den Schweiß aufsaugen und Gerüche binden. Wenn Füße stark schwitzen sollten immer Socken aus atmungsaktiven Materialien getragen werden, idealerweise solche, die bei mindestens 60 Grad waschbar sind. Und sie müssen täglich gewechselt werden. Es gibt übrigens auch Strümpfe mit Silberfäden, die antibakteriell wirken sollen. Entstehen keine Bakterien, entsteht auch kein Geruch. lm Sommer sind offene Schuhe eine gute Wahl, bei geschlossenen Schuhen solche aus Leder bevorzugen. Und natürlich hilft auch Wasser – morgens und abends ein Fußbad, erfrischt die Füße und entfernt den Schweiß.  

Es wird viel darüber gesprochen, wie man auch im Alter mobil bleiben kann. Treppenlifte, Rollatoren, Gehstöcke – über die Füße spricht niemand. Aber genau sie sind es, die diese Mobilität überhaupt ermöglichen. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Pflege kann deshalb nicht schaden.

 

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