Olympiasieger trotz(t) Diabetes

©FRANK-LOTHAR-LANGE

  

 

 

Matthias Steiner hat die Diagnose Diabetes Typ 1 nicht aus der Bahn geworfen: Er wird 2008 in Peking Olympiasieger im Gewichtheben, außerdem Welt- und Europameister.
Nach Karriereende nimmt der Superschwergewichtler 45 Kilogramm ab, kommt bei der RTL-Tanzshow Let’s Dance ins Finale. Aktuell startet er als Sänger durch (Album „Zurückgeliebt“). Der einstmals „Stärkste Mann der Welt“ ist zudem Diabetes-Botschafter.

 

Herr Steiner, wann wurde bei Ihnen die Diagnose Typ-1-Diabetes gestellt?
Im Sommer 2000 fühlte ich mich abgeschlagen, hatte ständig Durst und sah plötzlich alles verschwommen. Es folgten Untersuchungen mit dem Resultat Diabetes. Schuld daran ist ein nicht auskurierter Grippevirus.

Und dann folgte Titel um Titel im Gewichtheben. Wie geht das?
Nur mit viel Disziplin und Alltagsroutine, gesunder Ernährung und einer möglichst optimalen Therapie. Mitunter waren die Blutzuckerwerte trotzdem nicht ideal, aber es ging dennoch.

Lautete Ihr Motto deshalb „Immer weiterkämpfen“?
Ja. Heute würde ich allerdings eher sagen: „Immer nach vorne schauen.“

Und was liegt Ihnen als Diabetes-Botschafter besonders am Herzen?
Vor allem für Diabetiker gleich welchen Typs erreichbar zu sein. Viele Betroffene wenden sich an mich, da nehme ich mir entsprechend Zeit. Allerdings nicht, wenn es um Ernährung geht, das würde den Rahmen sprengen.

Das war das Stichwort. Sie haben ja 2 Bücher über Bewegung und Ernährung geschrieben, auch Diabetes spielt hier eine Rolle. Sie selbst haben 45 Kilogramm abgenommen?
Ja. Das stimmt, nach meinem Karriereende habe ich etwa 20 Kilogramm abgenommen, hauptsächlich Muskelmasse. Die restlichen rund 25 Kilogramm purzelten, weil ich mich gefragt habe: Wie funktioniert der persönliche Stoffwechsel, wie wirken Lebensmittel auf meinen Körper? Kurzum: So entstand das „Steiner-Prinzip“. Dabei habe ich über ein ideales Bewegungsprogramm und eine Ernährungsanalyse nachgedacht. Mit anderen Worten, kein Verzicht, einseitige Diät oder sogar Hungerkur. Stattdessen beobachten, was besonders gut anschlägt, welche Nahrungsmittel man gut verträgt, wo genau Fehler und Sünden liegen.

Seit einiger Zeit haben Sie von Insulinspritzen auf die Insulinpumpe umgestellt. Bleiben Sie dabei?
Unbedingt. Ich wollte schon nach der ersten Nacht meine Insulinpumpe nicht mehr ablegen. Denn meine Werte sind seitdem nicht nur stabiler, auch mein nächtlicher Blutzuckerverlauf ist jetzt wesentlich besser. Zudem beschert mir die Pumpe auch bei meinem nicht sonderlich gut vorhersehbaren Tagesablauf mit Terminen, Sport und so weiter mehr Flexibilität.

Was raten Sie Diabetikern für ein besseres Leben?
Generell würde ich sagen: mit Motivation und Spaß sich den Themen Ernährung und Bewegung widmen – was unter dem Strich heißt: sich wohlfühlen.

 

 

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