Auf den Zahn gefühlt

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Gesund sollen die Zähne sein, denn Zahnschmerzen können unerträglich werden. Außerdem weiß und ebenmäßig, denn ein strahlendes Lächeln macht attraktiv. Und sie sollen möglichst ein Leben lang halten. Theoretisch kein Problem. Denn fast jeder könnte mit den eigenen Zähnen bis ins hohe Alter lächeln und zubeißen. Alter führt nicht unweigerlich zum Zahnverlust. Allerdings nur, wenn Mund und Zähne ein Leben lang gut gepflegt werden.

 

Zähne bestehen zum größten Teil aus Dentin oder Zahnbein. Obwohl härter als Knochengewebe, ist Dentin anfällig für Säuren und Bakterien. Deshalb besitzt jeder Zahn einen schützenden Mantel aus Zahnschmelz. Er ist das härteste Material im Körper, das zu 98 Prozent  Kalzium, Phosphat und Fluor besteht. Doch selbst diese widerstandsfähige Substanz ist nicht unverwundbar. Wie dem Dentin setzen ihr Säuren und Bakterien zu. Werden die Zähne nicht regelmäßig gereinigt, können sie kleine Löcher in den Schmelz ätzen, die nur der Zahnarzt reparieren kann. Erste Anzeichen für Undichtigkeiten im Schmelz sind empfindliche Zähne. Dann haben  beispielsweise Bakterien oder Wärme- und Kältereize Kontakt zu den feinen Dentinkanälchen. Sie durchziehen das Zahnbein und stehen mit dem Zahnnervengewebe (Pulpa) in Verbindung. Ebenso können freiliegende Zahnhälse und Zahnfleischentzündungen Zahnschmerzen verursachen. Zahnschutz ist Zahnpflege.

 

Pflege beginnt mit dem ersten Zahn

Sobald sich das erste Zähnchen zeigt, heißt es putzen. Dafür gibt es sogenannte Fingerhut-Zahnbürsten aus Silikon und – weil die Kleinen noch nicht ausspucken können – speziell zusammengesetzte Babyzahncremes. Wattestäbchen oder Läppchen eignen sich nicht zur  Babyzahnpflege, weil sie keine Plaque entfernen. Während früher die Milchzähne nicht sonderlich beachtet wurden – fallen ja eh aus! –, ist ihre wichtige Platzhalterfunktion heute bekannt. Ist der Milchzahn kariös,  erwischt es den nachfolgenden zweiten meist auch gleich. Frühe, regelmäßige Zahnpflege ist die Basis für ein  gesundes Gebiss.

Bei vielen Kindern ist Zähneputzen unbeliebt. Während die ganz Kleinen noch unbedingt selbst zur Bürste greifen wollen, nimmt ihr Enthusiasmus meistens ab, wenn sie älter werden. Ab drei Jahren darf man Kindern die Bürste in die Hand geben, sollte es sogar, damit sie selbstständig putzen üben und die Mundpflege irgendwann zur Routine wird. Zumindest theoretisch. Praktisch sollten Eltern so lange nachputzen, bis das Kind flüssig schreiben kann. Erst dann hat es die benötigten motorischen Fähigkeiten zum Zähneputzen. Damit sich Kinder an das selbstverständliche morgendliche und abendliche Putzen gewöhnen, können beispielsweise Rituale helfen, wie gemeinsames Putzen mit den Eltern oder hilfreiche spielerische Tricks. Auch wenn es mühsam ist und es manchmal Auseinandersetzungen gibt, sollten Eltern beharrlich dranbleiben. Denn von einer konsequenten Pflege im Kindes- und Jugendalter profitieren Erwachsene ein Leben lang.

 

Mundgesundheit ist mehr als Zähneputzen

Erwachsene sollten sich mindestens zweimal täglich die Zähne putzen, möglichst morgens und abends und mit einer nicht zu harten Bürste, um den Zahnschmelz nicht zu beschädigen. Zwischendurch oder nach dem Mittagessen kann ein zuckerfreier Zahnpflegekaugummi gekaut werden.

 

Apropos Kaugummi:

„Zuckerfrei“ heißt oft nur, dass kein Haushaltszucker enthalten ist, Fruchtzucker kann aber sehr wohl enthalten sein. Garantiert zuckerfreie Kaugummis erkennt man am Zahnmännchen mit Schirm auf der Verpackung. Es zeigt an, dass Zuckeraustauschstoffe enthalten sind, die den Schmelz nicht angreifen.

Aber das alleine reicht nicht aus. Deshalb gibt es für Zahnzwischenräume kleine Bürstchen, deren verwendete Größe sich nach dem Zahnabstand richtet. Diese Inter- dentalbürsten sollten nicht zu klein gewählt werden, damit sie auf beiden Seiten Kontakt zum Zahn haben. Es kann durchaus sein, dass man für sein Gebiss mehrere Größen braucht. An Stellen, die nicht mit der Minibürste erreichbar sind, wird Zahnseide verwendet. Zur Stärkung des Zahnschmelzes kann prophylaktisch einmal pro Woche ein fluoridhaltiges Gel aufgetragen werden. Von Fall zu Fall macht auch  die Verwendung einer Mundspülung Sinn – nicht zu verwechseln mit Mundwasser! – beispielsweise nach einer Parodontitis-Behandlung, bei freiliegenden Zahnhälsen, festsitzenden Zahnspangen oder bei Aphten. Manche Mundspüllösungen, etwa wenn sie natürliche Bestandteile enthalten, wie Teebaumöl, Thymian oder Kokosöl, können regelmäßig angewendet werden. Teebaumöl wirkt beispielsweise entzündungshemmed, eine Mundspülung mit Kokosöl hilft bei trockenem Mund. Mundspülungen mit Chlorhexidin sind nur für den kurzzeitigen Einsatz gedacht und sollten nur nach Empfehlung des Zahnarztes genutzt werden.

Da Bakterien nicht nur an den Zähnen haften,  sondern auch auf der Mundschleimhaut, kann die Anwendung eines Zungenschabers die Bakteriendichte im Mund senken. Werden Zähne gründlich von Anhaftungen befreit, beugt das nicht nur Karies und Zahnfleischentzündungen vor, sondern auch Erkrankungen des Zahnfleischs. Zahnbelag oder Plaque – er besteht aus Speiseresten und Bakterien sowie deren Stoffwechselprodukten – führt zu Zahnstein, der sich bis unter den Zahnfleischrand schiebt. An diesen Stellen können zu Reizungen und Entzündungen entstehen, die zur Rückbildung des Zahnfleischs führen. Damit verliert der Zahn seinen Halt. Auch gesunde Zähne können sich so lockern und ausfallen. Der jährliche Zahnarztbesuch sowie und eine jährliche professionelle Zahnreinigung, bei der Plaque auch an schwer erreichbaren Stellen entfernt wird, gehören ebenfalls zur guten Zahnpflege.

 

Putzschema

Erst Kauflächen – es darf  hin- und hergebürstet werden.

Dann Außenflächen – mit kreisenden Bewegungen bürsten. Zum Schluss  Innenflächen – sie werden ausgefegt.

Damit kein Zahn vergessen wird, sollte immer in der gleichen Reihenfolge geputzt werden.

 

Warum Mundgesundheit so wichtig ist

Ohne intaktes Gebiss wäre Essen ganz schön langweilig oder sehr schwierig. Zähne beißen, kauen und zerkleinern die Nahrung, sie sind natürliche Funktionswerkzeuge zum Schneiden und Mahlen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Ernährung und zur Verdauung. Gut gekaute Nahrung entlastet Magen und Darm. Zähne helfen beim Sprechen und Artikulieren. Gehen sie verloren und werden nicht ersetzt, kann das den gesamten Kauapparat ins Ungleichgewicht bringen, zu Fehlstellungen des Kiefers führen und sogar Migräne hervorrufen. Dauerhaft kranke Zähne und krankes Zahnfleisch verursachen nicht nur Schmerzen oder Probleme in Mund und Rachen. Sie können sich auf den gesamten Körper auswirken und das Immunsystem belasten, das Infarktrisiko steigern, Rheuma befeuern, zu Schwangerschaftskomplikationen führen sowie zu Diabetes. Und wer schon unter einem erhöhten Blutzuckerspiegel leidet, vergrößert mit schlechten Zähnen sein Problem. Mundgesundheit ist also ein wichtiger Faktor für einen guten körperlichen Gesundheitszustand.

 

 

Statussymbol Zahnersatz – das kann teuer werden

An den Zähnen lässt sich der Ernährungszustand erkennen, das Mundpflegeverhalten, das Alter oder der soziale Status. Wohlhabende lächeln in der Regel lückenlos, weiß und mit geraden Zähnen. Ob echt oder unecht, lässt sich bei einem guten Zahnersatz auf den ersten Blick meist nicht erkennen. Das kann allerdings so richtig ins Geld gehen kann. Die Kassen erstatten Festbeträge für Kronen, Brücken und Prothesen. Alles, was darüber hinausgeht, muss der Patient aus eigener Tasche bezahlen. Geld lässt sich sparen, wenn der Zahnarzt alljährlich aufgesucht wird. Wird das über zehn Jahre lückenlos im Bonusheft dokumentiert, gibt es einen Extrazuschuss zum Festzuschuss. Ohne Bonus übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Hälfte der Zahnersatzkosten. Bei regelmäßiger Kontrolle durch den Zahnarzt werden 65 Prozent der Kosten übernommen. Wem das zu wenig ist, der kann zusätzlich eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Dabei lohnt es sich, auf das Kleingedruckte zu achten. Dann kommt es nicht zu unerfreulichen Überraschungen, etwa weil Wartezeiten eingehalten werden müssen oder weil bestimmte Leistungen ausgeklammert sind. Zahnersatz oder Reparatur?

 

Das sind die Möglichkeiten:

Plombieren

Löcher im Zahn müssen verschlossen werden, damit die Zahnfäule nicht weiter um sich greift. Hat der Zahn ein kariöses Loch, muss der Zahnarzt zum Bohrer greifen. Denn bevor das Loch verschlossen werden kann, muss das kariöse Material entfernt werden. Dabei bemüht sich der Zahnarzt, so zahnerhaltend wie möglich zu arbeiten. Gefüllt wird das Loch mit einer Füllung. Sie kann aus Amalgam, Kunststoff oder Zahnzement bestehen.

Eine andere Möglichkeit ist ein sogenanntes Inlay, das dem Zahn nach seinem Abdruck exakt angepasst werden muss. Inlays werden aus Gold oder Keramik hergestellt oder einer Kombination daraus. Sie sind die teurere, aber langlebigere Variante. Denn Füllungen können mit der Zeit spröde und damit undicht werden. Bekommt der Zahn erneut Karies, muss weiter ausgebohrt werden. Das lässt sich allerdings nur so lange wiederholen, wie noch genug Zahnsubstanz vorhanden ist.

Überkronen

Ist das Loch zu groß für eine Füllung, kann der Zahn durch eine Überkronung erhalten werden. Dazu wird der Zahn bis auf einen gesunden Stumpf abgeschliffen. Anschließend wird ihm eine Kappe aus Metall oder Keramik übergestülpt, die ihn sicher verschließt. Es gibt auch die Möglichkeit der Teilkrone. Wird die Krone der Zahnfarbe angeglichen, sieht sie aus und fühlt sich an wie ein natürlicher Zahn. Aber: Je „echter“ sie aussehen soll, umso teurer ist sie in der Regel.

Wurzelkanalbehandlung

Entzündungen des Wurzelkanals machen sich im Allgemeinen durch starke Schmerzen bemerkbar, da sie das Nervengewebe des Zahnes betreffen. Bei der Behandlung wird der Wurzelkanal gereinigt, desinfiziert und gefüllt. Der Zahn ist dann tot, bleibt aber an Ort und Stelle. Nicht immer schmerzt das Absterben eines Zahns. Es kann auch ganz unbemerkt geschehen und wird nur durch Zufall entdeckt.

Eine Wurzelkanalbehandlung ist eine aufwendige Sache, vor allem wenn es sich um Backenzähne mit mehreren Wurzeln handelt. Die Kasse übernimmt die Behandlung nur dann, wenn es sich um einen „erhaltungswürdigen“ Zahn handelt. Ansonsten wird er gezogen.

Überbrücken

Wird ein Zahn gezogen oder geht anders verloren, entsteht eine Lücke. Diese kann überbrückt werden. Dazu wird der künstliche Zahn meistens mit einer festen Metallkonstruktion verbunden und an den Zähnen rechts und links der Lücke verankert. Sie müssen dazu beschliffen und überkront werden. Ob eine Brücke eingesetzt werden kann, hängt davon ab, wie belastbar die noch vorhandenen Pfeiler-Zähne sind. Insgesamt darf eine Lücke nicht zu groß sein, denn sonst würde die Brücke zu stark belastet. Bei drei bzw. vier fehlenden Zähnen (im Frontbereich) ist Schluss. Es gibt diverse Brückenvarianten – Endpfeilerbrücken, Klebebrücken oder Freiendbrücken –, die in der Regel aus Metall, Keramik oder einer Kombination beider Materialien hergestellt werden. 

Teilprothese

Kann die Lücke nicht mehr überbrückt werden, wird eine Teilprothese angepasst. Die künstlichen Zähne sitzen in den Lücken, die gesamte Konstruktion wird an verbliebenen, gesunden Zähnen aufgehängt. Auch hier spielt die Belastbarkeit der noch vorhandenen Zähne eine Rolle. Eine Teilprothese lässt sich meist herausnehmen, kann aber auch fest im Restgebiss verankert werden.

Vollprothese

Sind Ober- und Unterkiefer völlig zahnlos, wird eine Vollprothese angepasst, die komplett herausgenommen werden kann. Da die Oberkieferprothese meist den Gaumen abdeckt, können sich Geschmacksempfinden und Sprache verändern. Außerdem kann sich der Kieferknochen zurückbilden, wenn dort kein Zahn mehr verankert ist. Eine komfortablere Lösung sind in diesem Fall Implantate, an denen die Prothesen befestigt werden können.

Implantate

Sie sind im Grunde künstliche Zahnwurzeln aus Metall, die im Kieferknochen verankert werden und der Befestigung künstlicher Zähne dienen. Diese Zähne brauchen keinen weiteren Halt, sie wirken deshalb besonders natürlich und fühlen sich für den Träger auch wie ein normaler Zahn an. Vorteilhaft ist, dass keine benachbarten Zähne angeschliffen werden müssen, um als Aufhängung zu dienen. Im Gegenteil: Implantate eignen sich sogar als Pfeiler für Prothesen. Allerdings können sie nur eingesetzt werden, wenn der Kieferknochen noch die nötige Stabilität aufweist beziehungsweise vorher entsprechend aufgebaut werden kann. Sogenannte Mini-Implantate sind kleiner als normale Implantate und können oft auch noch bei zurückgebildetem Kieferknochen eingesetzt werden. Mit ihnen werden keine Zähne befestigt, sondern Voll- und Teilprothesen stabilisiert. Implantate sind übrigens reines Privatvergnügen – die Kasse zahlt nichts dazu.

 

Auf Mund- und Zahngesundheit zu achten ist im eigenen Interesse. Nicht nur im Hinblick auf das Portemonnaie. Mit guten Zähnen bleibt man gesünder und kann selbstbewusster lächeln. Und das Essen bleibt auch ein Vergnügen.

 

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