Jung Bleiben

©emeraldphoto/©Zugspitz Region, Foto: Wolfgang Ehn

 

So alt wie die Menschheit ist vermutlich der Traum von der ewigen Jugend. Als Greis in einen Jungbrunnen hinein- und als Adonis oder Aphrodite wieder heraussteigen – schön, straff und im Vollbesitz geistiger und körperlicher Kraft. Und so lange wie diese Sehnsucht schon existiert, bemühen sich Wissenschaftler jeder Epoche, das Geheimnis des Alterns zu entschlüsseln und es aufzuhalten. Doch die Hoffnung, dem Tod damit den Stachel zu ziehen, blieb bislang erfolglos.

Trotzdem wurde schon eine Menge erreicht. Bessere Ernährung und medizinischer Fortschritt verlängern die Lebensdauer. Die Menschen werden messbar älter. In Deutschland haben neugeborene Jungen heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78, Mädchen sogar von 83 Jahren. Und der Aufwärtstrend scheint sich fortzusetzen. Über Hundertjährige sind zwar weiterhin eine Ausnahme, aber es werden zunehmend mehr. Warum altern Lebewesen? Und warum haben einige eine kurze und andere eine lange Lebensspanne? Immer wieder scheint Forschern ein Durchbruch bei der Beantwortung dieser Frage zu gelingen. Doch viele Theorien und vielversprechende Erklärungen für den Alterungsprozess wurden schon wieder verworfen. Die Telomere beispielsweise, Endstücke der Chromosomen, deren Verkürzung für den Alterungsprozess verantwortlich sein sollte. Auch alternde Proteine und oxidativer Stress konnten sich als Altersursache nicht halten, sie scheinen eher die Folge zu sein. Das neueste Forschungsthema sind Jugendfaktoren im Blutplasma. Die Idee: diese verjüngenden Bestandteile aus dem Blutplasma junger Individuen zu gewinnen und älteren zu injizieren. Könnten damit alternde Organe oder Körper wieder „verjüngt“ werden? Ob sich die theoretische Überlegung als der richtige Weg im Kampf gegen das Alter erweist oder ob er in einer Sackgasse endet, muss sich erst noch zeigen. 

Bislang wurden Experimente mit verjüngendem Blutplasma im Tiermodell erprobt. Forscher der Stanford- Universität beispielsweise spritzten alten Mäusen Nabelschnurplasma menschlicher Babys. Anschließend waren die Mäusegreise geistig fitter und fanden sich in ihren Versuchslabyrinthen besser zurecht. Ein dafür verantwortliches Protein haben die Forscher entdeckt, aber sie mussten auch erkennen, dass bereits verloren gegangene Gehirnzellen sich damit nicht regenerieren ließen. Bislang sind ewige Jugend und ein beliebig verlängerbares Leben ein (noch?) unerfüllter Traum. Wissenschaftler rätseln nach wie vor, warum bei Menschen bei rund 120 Jahren Schluss zu sein scheint (der bislang nachweislich älteste Mensch, eine Französin, wurde 122 Jahre alt), während beispielsweise Landschildkröten 200 Jahre und Grönlandhaie sogar 400 Jahre schaffen. Solange noch kein echter Jungbrunnen gefunden wurde, können Menschen also nur versuchen, ihrem Leben möglichst lange die besten Seiten abzugewinnen. 

 

Forever Young? 

Wie bleibt man jung? Dazu gibt es vor allen Dingen in Frauenzeitschriften und Lifestyle-Magazinen unzählige Tipps, die von Kosmetikprodukten über Ernährungsempfehlungen und Trendsportarten bis hin zu Styling-Tipps reichen. Jedes Jahr kommen neue unglaublich vielversprechende „Anti-ageing Super-foods“ auf den Markt, deren kometenhafter Marketing-Aufstieg meist ebenso schnell wieder vergessen ist. Für die Hoffnung auf den Erhalt der Jugend sind Menschen bereit, tief in die Tasche zu greifen – auch wenn der Blick in den Spiegel oft eine ganz andere Realität zeigt. Weltweit beträgt beispielsweise das Marktvolumen von Hautpflegeprodukten derzeit ca. 128 Milliarden USD, laut Prognose sollen es in sechs Jahren 172 Milliarden sein. Die Schönheitschirurgie boomt. Rund um den Globus wurden im Jahr 2015 über 21 Millionen Schönheitsoperationen durchgeführt. Am häufigsten legen sich Frauen unters Messer. Brust, Nase, Po, Oberschenkel, Bauch – es gibt kaum eine Körperregion, die sich nicht verschönern, straffen oder glätten ließe. Aber ist das die ewige Jugend? Der Körper altert, egal wie straff seine Haut gezogen wird. Viel wichtiger als äußerliche „Anpassungen“ im Kampf gegen das Altern ist Gesundheit. Wer länger leben will, möchte das hohe Alter möglichst ohne körperliche Einschränkungen erleben. Was nutzt ein altersloses Gesicht, wenn die Knie nicht mehr mitmachen? Leider geht ein höheres Lebensalter nicht unbedingt mit einer besseren Gesundheit einher, im Gegenteil. Je älter der Mensch, umso gebrechlicher ist er in der Regel. Was bleibt, ist der Versuch, sich so lange wie möglich so gut zu halten, wie es geht. Und glaubt man den unzähligen Ratschlägen, müssen die Weichen möglichst früh gestellt werden. Viele Schäden, die dem Körper zugefügt werden, zeigen sich erst im mittleren bis höheren Lebensalter. Es gibt nach Meinung der Anti-Aging-Forscher viele Komponenten, die Einfluss auf die Lebensuhr haben: Einige lassen sich aktiv beeinflussen, andere sind schon in die Wiege gelegt. Zu den altersbeeinflussenden Faktoren gehören beispielsweise Gene, oxidativer Stress, freie Radikale, Hormone, Energiestoffwechsel, Ernährung, Bewegung …  

 

Du bist nicht, was Du isst – Du bist, was Du weglässt 

Anti-Aging-Forscher sehen in einer gezielten Nahrungseinschränkung eine wirkungsvolle Waffe gegen das Altern. Nahrungseinschränkung bedeutet, dass insgesamt weniger Kalorien aufgenommen werden, und nicht, dass nur ungesunde Nahrungsmittel weggelassen werden. Die geringere Nahrungsmenge muss dann umso hochwertiger sein, damit der Körper trotzdem alle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bekommt, die er braucht. Denn diese Vitalstoffe sind an unzähligen Stoffwechselvorgängen des Körpers beteiligt und beeinflussen den Energiestoffwechsel der Zellen. Eine gesunde Ernährung, bei der weniger mehr ist, scheint einen positiven Effekt auf den Alterungsprozess zu haben. Wer weniger und gesünder isst, neigt nicht zu Übergewicht und mindert sein Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkprobleme etc. Damit das Gehirn möglichst lange fit bleibt, sollten hochwertige, ungesättigte Fette häufig auf dem Tisch stehen, beispielsweise in Form von Meeresfischen oder Walnüssen. Möglicherweise spielt auch der Zeitpunkt des Abendessens eine Rolle – einige Wissenschaftler empfehlen, spätestens bis 19:00 Uhr die letzte Mahlzeit einzunehmen. Weil Wassermangel den Körper alt aussehen lässt – in jeder Beziehung, denn der Mensch besteht zu einem großen Teil aus Wasser –, sollte über den Tag verteilt eine ausreichende Menge Flüssigkeit getrunken werden. Das hilft, über den Urin Schadstoffe auszuscheiden, und verhindert das Austrocknen von Körperzellen.

 

Nach dem Essen ruhen? Lieber 1.000 Schritte tun!

Bewegung hat einen positiven Einfluss auf den Organismus. In jedem Alter. Allerdings verändern sich die Leistungsfähigkeit und das Verhältnis von Fett zu Muskelmasse im Laufe des Lebensalters. Ab der Mitte des Lebens nimmt die Kraft von Jahr zu Jahr ab. Umso mehr, je passiver der oder die Betreffende lebt. Regelmäßige Bewegung ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Alter. Der gesamte muskuläre Halteapparat wird durch sportliche Betätigung beziehungsweise Bewegung gekräftigt, die Knochen werden gestärkt und das Gleichgewichtsgefühl wird trainiert. Zusammengenommen eine wichtige Prophylaxe gegen Stürze und Knochenbrüche. Eine trainierte Skelettmuskulatur verhindert gebeugtes Gehen, eine aufrechte Haltung verjüngt bekanntlich die Erscheinung. Viele ältere Menschen rutschen in die Pflegebedürftigkeit, weil es ihnen an Kraft mangelt und sie deshalb ihren Haushalt nicht mehr selbstständig führen können. Krafttraining kann hier Wunder wirken. Denn anders als früher angenommen, können auch hochbetagte Menschen noch ihren Kraftzuwachs steigern, wenn sie gezielt ihre Muskeln trainieren. Bewegung ist eine wirksame Waffe im Kampf gegen das Alter. 

 

Mit den Hühnern ins Bett 

Schlafforscher sind sich einig: Durchschnittlich sieben Stunden Schlaf pro Nacht sollten es sein. Weniger Schlaf belastet das Immunsystem, steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen wie etwa Diabetes Typ 2. Und man wird möglicherweise nicht so alt, wie es biologisch möglich wäre, denn bei Schlafmangel steigt auch die Sterblichkeit. Im Schlaf lädt der Körper seine Akkus auf. Im Gehirn wird aufgeräumt und das Tagesgeschehen verarbeitet, Unwichtiges wird gelöscht und Wichtiges im Erinnerungsspeicher verankert. Am interessantesten für die Altersforscher sind aber die Hormone, die im Schlaf verstärkt gebildet werden, und verschiedene Stoffwechselprozesse, die nachts beschleunigt ablaufen. Melatonin wird von der Zirbeldrüse ausgeschüttet. Es gilt wegen seiner Fähigkeit, freie Radikale zu fangen, als Anti-Aging-Hormon, auch wenn diese Erkenntnisse bislang noch nicht eindeutig belegt sind. Im Schlaf regulieren verschiedene Hormone das Hungergefühl und beeinflussen damit das Körpergewicht. Wer weniger schläft, isst mehr – und wiegt mehr. Dopamin, das Glückshormon, das unter anderem Antriebskraft und Aktivität steuert, wird ebenfalls im Schlaf produziert. Von einem guten Schlaf hängt auch die natürliche Bildung der Sexualhormone ab. Je länger ihr Spiegel im Blut ausreichend hoch ist, um so langsamer läuft der Alterungsprozess ab. Wachstumshormone, die ebenfalls im Schlaf ausgeschüttet werden, sorgen für den Muskelaufbau und regen das Wachstum der Knochen an. Und sie wirken positiv auf das Aussehen: Wachstumshormone fördern die Spannkraft und Elastizität der Haut. 

 

Spaß und Fitness für die grauen Zellen

Geistig rege bleiben schützt vorm Altern und beugt sowohl Altersstarrsinn als auch einer gewissen Weltfremdheit vor. Beides führt dazu, dass alte Menschen oft das Gefühl haben, nicht mehr mitreden zu können, weil sie die Welt nicht mehr verstehen – und umgekehrt. Rückzug aus dem sozialen Leben ist die Folge, Isolation führt zu weniger geistiger Anregung – ein Teufelskreis! Alles, was das Gehirn in Bewegung bringt, ist gut: Fremdsprachen lernen, Musizieren, Lesen, Kopfrechnen, neugierig sein, informiert bleiben, Hobbys betreiben. Soziale Kontakte zu anderen Menschen, anregende Unterhaltungen oder Diskussionen fördern das Denken und nicht zuletzt die gute Laune. Lachen ist ein Jungbrunnen. Wer jeden Tag mindestens einmal von Herzen lacht, stärkt sein Immunsystem, hält seine Organe fit und ist glücklich. Ein harmonisches Familien- und Liebesleben  trägt ebenfalls zu einem guten Lebensgefühl  bei – und schützt damit vor vorzeitigem Altern.

 

Vermeidungsstrategien

Viele Dinge, die den Alltag bestimmen, wirken sich negativ auf das Wohlgefühl und damit auf den Organismus aus. Umweltbelastung, Stress, Ärger, Lärm oder Menschen, die ständig eine negative Stimmung erzeugen. Diesen Dingen oder Situationen sollte man sich, so gut es geht, entziehen. Oder, wo das nicht möglich ist, regelmäßig ganz bewusst Auszeiten einbauen. Nikotin, Alkohol und viel Zucker haben ebenfalls einen schlechten Einfluss auf die Gesundheit. Hier ist Verzicht angesagt oder wenigstens Reduktion. Weil UV-Licht zwar einerseits die Vitamin D Produktion ankurbelt, anderseits aber auch die Haut altern lässt, sind stundenlange Sonnenbäder nicht ratsam, regelmäßige Bewegung im Freien aber durchaus. Ein Sonnenbrand sollte aber nicht auftreten. Im Sommer schützt eine Sonnenbrille nicht nur das Auge vor schädlicher Strahlung und damit die Sehkraft, sondern auch die empfindliche Haut der Augenpartie. Das verhindert Krähenfüße. Das verjüngt das Aussehen.

Niemand lebt ewig. Aber jeder kann sich bemühen, den Alterserscheinungen so gut wie möglich und ohne Verbissenheit entgegen zu wirken – und das Beste zu hoffen. Positives Denken garantiert in jedem Alter Lebenszufriedenheit.

 

 

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