Vom besten Freund im Stich gelassen

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Erektionsstörungen sind ein großes Problem für Männer. Es kratzt nicht nur an ihrem Selbstwertgefühl, sondern schränkt auch ihre Lebensqualität enorm ein. Sex gehört nun mal zum Leben. Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen. An Medikamente denken jedoch die wenigsten.

 

Ein Gespräch mit Martin Kessel*.

 

Wann liegt eine Impotenz vor?

Generell unterscheident man zwischen einer vorüber- gehenden und einer dauerhaften Impotenz. Auch jüngere Männer können unter Stress oft keine Erektion bekommen, das geht aber vorbei. Impotenz liegt dann vor, wenn der Mann über einen längeren Zeitraum durch keinerlei Stimulation mehr eine Erektion aufbauen kann und er auch keine spontanen nächtlichen Erektionen mehr hat.

 

In welchen Fällen könnten Erkrankungen oder die dafür eingenommenen Medikamente die Ursache sein?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Impotenz, sie kann sogar auf einen drohenden Herzinfarkt hinweisen. Diabetes ist ein weiteres Beispiel. Sie führt rasch zu Impotenz, weil der Penis nicht mehr genug durchblutet wird. Bei Bluthochdruck haben die dafür notwendigen Medikamente in der Regel ebenfalls Auswirkungen auf die Potenz und führen zu Erektionsstörungen. Auch nach einer Prostataentfernung kommt es häufig zu Impotenz, denn durch die Operation verringert sich die Zahl der Blutbahnen zum Penis, was den Aufbau einer Erektion verhindern kann.

 

Wann kann ein Arzneimittelwechsel möglicherweise helfen?

Wer Blutdrucksenker einnehmen muss, sollte im Falle von Erektionsstörungen mit seinem Arzt sprechen, ob es Alternativen gibt, die nicht so stark auf die Potenz wirken. Der Arzt muss einfach schauen, welches Medikament am besten zu seinem Patienten und dessen Blutdruckproblem passt. Bei Altersdiabetikern, die sowohl Medikamente gegen Diabetes als auch Bluthochdruck nehmen müssen, wirkt sich die Kombination stark auf die Potenz aus. Hier gibt es keine medikamentösen Alternativen.

 

Was lässt sich tun, wenn eine Umstellung der Medikamente nicht möglich ist? Muß ein Mann sich dann mit seiner Impotenz abfinden?

Nein, er kann dann auf andere Hilfsmittel umsteigen. Entweder auf eine Vakuumerektionshilfe, auf Injektionen in den Schwellkörper oder auf Zäpfchen, die in die Harnröhre eingeführt werden und so eine Erektion herbeiführen. Die einfachste, sicherste Methode, die nicht in den Körper eingreift, ist die Vakuumpumpe. Mit ihr kann äußerlich Unterdruck geschaffen werden, damit der Penis erigiert. Die Erektion wird dann mit einem Stauring gehalten.

Ein Mann muss nicht auf Sexualität verzichten, sondern kann sie mit Hilfsmitteln, wie z. B. mit einer Vakuumpumpe, bis ins hohe Alter erleben. Er muss sich nur darauf einstellen, die Erektion mit einer Vakuumerektionshilfe herzustellen. Das ist anders als in jungen Jahren. Weder Mann noch Frau müssen oder sollten auf Sexualität verzichten. Zärtliche, körperliche Begegnung ist für die Paarbeziehung wichtig.

 

*Martin Kessel ist seit über 30 Jahren  Sexualpädagoge und Geschäftsführer  der KESSEL medintim GmbH

 

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