Teufelskreis Hörverlust und Demenz

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Eine Hörsystemversorgung ist auch bei Demenz möglich und sinnvoll.

 

Die Ergebnisse von aktuellen Studien zum Thema Hörminderung und Kognition zeigen: Hörsysteme sorgen dafür, dass Menschen am sozialen Leben teilhaben und sich der Abbau der kognitiven Fähigkeiten genauso verhält wie bei Normalhörenden. Bei Menschen mit einem unversorgten Hörverlust erfolgt der kognitive Abbau bis zu 40 Prozent schneller als bei der Vergleichsgruppe ohne Hörverlust bzw. bei Hörsystemträgern.

Was aber bislang kaum Beachtung fand: wie sich eine Hörsystemversorgung von Menschen mit einer beginnenden Demenz ganz konkret gestalten kann. Für Hörakustiker ist die Versorgung eine Herausforderung, die sich lohnt, weil der Demente dadurch mehr Lebensqualität hat, besser hört und Sicherheit gewinnt. Der Akutgeriater Dr. Michael Lerch dazu: „In den nächsten zehn Jahren werden wir beim derzeitigen Stand der Forschung mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Mittel haben, eine Demenz aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen. Daher stellt, vor dem Hintergrund der sich negativ beeinflussenden Co-Morbidität zwischen Demenz und Schwerhörigkeit, eine frühzeitige beidseitige Behandlung mit Hörsystemen die beste anti-dementive Therapie dar.“  Für Hörakustiker eine weitere Chance, Menschen mit Wahrnehmungsdefiziten aktiv zu helfen.

Das Gehirn verlernt durch einen schleichenden Hörverlust, Wörter und Töne richtig zuzuordnen, der Mensch wird unsicher, zieht sich zurück und trainiert sein Gehirn dadurch weniger. Gleichzeitig nimmt er die Welt als  bedrohlich und unübersichtlich wahr, seine räumliche Orientierung lässt nach, und das kann zu einem unsicheren Gangbild führen. Auch die Tatsache, dass mit Schwerhörigen oft lauter gesprochen wird als mit anderen, kann bei Dementen das Gefühl hervorrufen: „Da will mir  jemand etwas Böses.“ Körperkontakt, ein freundliches Lächeln, Ruhe und Wertschätzung können Situationen entschärfen, in denen sich Menschen mit Demenz unsicher fühlen.

Es gibt spezielle Kommunikationsstrategien (die sogenannte Validation/integrative Validation), mit der Demente weniger auf der geistigen Ebene als vielmehr auf wertschätzend-emotionaler Ebene erreicht werden. Menschen, die Kontakt mit Dementen haben, können mit diesen ganzheitlich-empathischen Methoden eine neue Beziehungsebene finden.

Bei einer beginnenden Demenz sind die Aussichten gut, mit regelmäßigem Training Neues anzunehmen. In dieser Phase ist eine Hörsystemanpassung ideal. Je früher eine Hörsystemversorgung begonnen wird, desto schneller und angenehmer gewöhnt sich der Träger daran. Martin Blecker, Präsident der Europäische Union der Hörakustiker e.V., dazu: „Wenn eine Demenzdiagnostik gemacht wird, muss auch immer der Hörsinn mit bedacht werden. Idealerweise sollten alle Menschen ihren Hörstatus kennen. Ab 60 Jahren wird empfohlen, einmal im Jahr einen Hörtest beim Akustiker zu machen und die auditiven  Leistungen mit geeigneten Hörtests überprüfen zu lassen.“

 

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