Den Winter genießen …

©emeraldphoto/©Zugspitz Region, Foto: Wolfgang Ehn

 

Den Winter genießen …

… und dem Winter widerstehen

 

Eigentlich ist es ja ganz erholsam, dass die Abende wieder früher beginnen und man es sich in der warmen Stube gemütlich machen kann. Wären da nur nicht Erkältungen, spröde Haut, trockene Augen und anderes Ungemach. Wer sich entsprechend pflegt, hat aber gute Chancen auf einen entspannten Winter.

 

Zwei bis viermal pro Jahr werden Erwachsene im Durchschnitt von Husten und Schnupfen geplagt, Kinder sogar acht bis zehnmal – meistens im Herbst oder Winter. Dafür ist gar nicht mal die Kälte selbst verantwortlich, erläutert Dr. Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte: „Frieren allein führt nicht zur Erkältung. Aber die Schleimhäute sind dann weniger durchblutet und deshalb in ihrer Abwehrbereitschaft geschwächt. Krankheitserreger haben dann leichteres Spiel.“

 

Husten als „Ersatzmotor“

Husten an sich ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, erklärt Deeg. „Er ist in erster Linie ein Schutzreflex, der Fremdkörper oder eben auch Schleim aus dem Körper herauspustet.“ Er zeigt also, dass mit den Atemwegen etwas nicht in Ordnung ist. Sind Nase, Mund und Rachen – die sogenannten oberen Atemwege – sowie Luftröhre und Bronchien – die sogenannten tiefen Atemwege – durch eine Viren- oder Bakterieninfektion entzündet, sind die Schleimhäute und Flimmerhärchen nicht mehr in der Lage, die Atemwege freizuhalten. Der Husten pustet sie quasi als „Ersatzmotor“ frei.

Wer solch einen akuten Husten hat, braucht nicht sofort den nächsten Arzt aufzusuchen, erläutert Dr. Frank Herfurth, Leiter des Vorstandsbüros des Verbandes Unabhängiger Heilpraktiker. „Zunächst einmal sollten Sie jetzt viel trinken: Vitamin-C-haltige Säfte, Kräutertee oder Mineralwasser, ruhig auch Gemüse- oder Hühnerbrühe. Auch beim Essen wählen Sie möglichst leichte, vitaminreiche Kost.“ Um den Husten zu lindern und die Atemwege feucht zu halten, empfiehlt Herfurth Inhalieren mit Kamillendampf, Kochsalzlösung oder auch mit ätherischen Ölen. Als Salbe auf Brust und Rücken gerieben, können diese auch nachts den Husten lindern. Mindestens ebenso wichtig für die Schleimhäute ist aber eine hohe Luftfeuchtigkeit, möglichst zwischen 40 und 60 Prozent. Hier können Zimmerpflanzen, Verdunster auf der Heizung oder auch ein Wäscheständer im Wohnzimmer helfen.

Wer zu Hustensaft greift, sollte genau überlegen, welchen er braucht, betont Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Deeg: „Unproduktiver, d.h. trockener Reizhusten kann unterdrückt werden. Wer aber Schleim hustet (produktiver Husten), braucht einen schleimlösenden Hustensaft.“ Als Schleimlöser haben sich auch Tees und Aufgüsse mit Anis, Fenchel und auch Zwiebelsaft bewährt. Reizlindernd dagegen sind Thymianblätter, Spitzwegerichkraut, Süßholzwurzel, Malvenblätter und Schlüsselblumenblüten. Gegen zusätzliche Heiserkeit hilft auch Gurgeln mit Salzwasser (z.B. mit Emser Salz: 1 Teelöffel auf ein großes Glas warmes Wasser) oder Salbeitee. Ein kalter Halswickel fördert die Durchblutung und wirkt oft innerhalb von Sekunden schmerzableitend und abschwellend.

„Außerdem unerlässlich: kürzer treten und möglichst viel Schlaf“, betont Deeg. „Lagern Sie den Oberkörper beim Schlafen durch mehrere Kissen höher, das hilft Ihrer Atmung. Auch leichtere Sportarten wie Wandern, Radfahren oder Spazierengehen an der frischen Luft werden Ihnen guttun, sofern kein Fieber besteht.“

 

Bei Schwäche oder Schmerzen zum Arzt

Wem allerdings so gar nicht nach Spazieren und Gehen zumute ist, sondern wer Fieber bekommt und sich sehr schwach fühlt, der sollte sich auf alle Fälle ärztlich untersuchen lassen, warnt Deeg. „Es könnte eine Bronchitis oder Lungenentzündung dahinter stecken.“ Weitere Alarmsignale sind Schmerzen beim Atmen, die auf eine fortschreitende Entzündung hindeuten. Ohrenschmerzen weisen möglicherweise auf eine begleitende Mittelohrentzündung hin, Stirn- und Wangenschmerzen darauf, dass die Nasennebenhöhlen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Auch wer nichts von all dem hat, aber nach zwei Wochen immer noch hustet oder schnupft, sollte ärztlichen Rat einholen, um die Ursache zu klären. „Egal, was es ist – je früher die Krankheit entdeckt wird, desto besser die Heilungschancen.“

 

Was die Abwehr stärkt

Am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zum Infekt kommt. Damit Ihr Immunsystem Viren und Bakterien von Anfang an besser abwehren kann, sollten Sie es stärken: vor allem  mit vitaminreichem Essen – möglichst wenig Fast Food, möglichst viel frisches Obst, Gemüse und idealerweise auch Seefisch. Auch Wechselduschen oder regelmäßige Saunabesuche (einmal pro Woche) kräftigen Ihre Abwehr. Doch Vorsicht: Für jemanden, der bereits erkrankt ist, ist die Kreislaufbelastung zu groß. Sind Ihre Füße warm, z.B. dank dicker Socken oder auch nach einem warmen Fußbad, werden im Übrigen auch die Schleimhäute besser durchblutet. Halten Sie diese zudem immer schön feucht, damit sie Viren besser bekämpfen können: Regelmäßig stoßlüften, viel trinken, mit heißem Wasserdampf inhalieren.

Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen sollten Sie in der Erkältungszeit dagegen ebenso meiden wie Stress. Wenn Sie doch welchen haben, versuchen Sie, durch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga oder Tai Chi zur Ruhe zu kommen. Und wenn Sie merken, dass eine Erkältung im Anmarsch ist: Gehen Sie an die frische Luft. „Im Infektfall ist der sogenannte Gasaustausch eingeschränkt. Sauerstoffreiche Frischluft reduziert die Atemarbeit“, erklärt Erkältungsexperte Deeg.

 

Magen-Darm und Vitamine

In der kalten Jahreszeit, wenn der Körper vom Kampf gegen Bakterien und Viren geschwächt ist, haben auch Magen-Darm-Erkrankungen leichteres Spiel. Für gesunde Menschen sind sie harmlos und können im wahrsten Sinne des Wortes „ausgesessen“ werden. Abwehrgeschwächte Menschen sollten aber besonders darauf achten, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch Elektrolyte wie Kalium, Kochsalz und Glucose sind jetzt wichtig für den Körper. Und natürlich ganz allgemein Vitamine: Vor allem Zink, Selen, Vitamin C, Vitamin E, essenzielle Fettsäuren und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe tun dem Körper gut. In traditionellen Wintergemüsen wie Kohl, Kraut, Kürbis, Lauch und Zwiebeln sind sie reichlich vorhanden, aber auch in Nüssen und Vollkornprodukten.  Eine besondere Rolle spielt in den Wintermonaten auch Vitamin D. Die Haut stellt es selbst her, braucht dazu aber Sonnenlicht. Das Sonnenvitamin ist vor allem für Knochen und Immunsystem wichtig, aber auch fürs Gemüt: Ein Mangel kann die Ursache für gedrückte Stimmung in der Winterzeit sein.

 

Gelenke

Auch die Gelenke schmerzen im Winter eher als im Sommer – nicht nur bei Menschen mit Rheuma. Denn bei Kälte nimmt der Gelenkknorpel weniger Nährstoffe auf. Umso wichtiger ist es , auf die Ernährung zu achten: zum Beispiel weniger tierische Fette – vor allem weniger rotes Fleisch – zu sich zu nehmen. Das enthält nämlich Arachidonsäure, und die steht in Verdacht, Entzündungen zu begünstigen. Stattdessen lieber mal zu Fisch greifen – am besten fetten Seefisch wie Lachs oder Makrele. Die liefern Omega-3-Fettsäuren, die Arthrose entgegenwirken. Außerdem wichtig: Warme Kleidung und Bewegung!

 

Raumluft: möglichst feucht und frisch

Kalte, trockene Luft draußen, ebenso trockene Heizungsluft drinnen – das ist nicht nur für die Schleimhäute, sondern auch für Haut und Augen die anstrengendste Jahreszeit. Da ist es besonders wichtig, auf eine angemessene Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu achten. So sollte der Wohnbereich tagsüber um die 20 Grad Celsius warm sein, nicht wärmer. Die empfohlene Schlaftemperatur liegt zwischen 16 und 18 Grad Celsius, aber sie darf auch niedriger sein, meint Heilpraktiker Herfurth: „Ich selbst wähle lieber einen dicken Schlafanzug und eine warme Decke, und schlafe bei frischer Luft.“ Während es kaum einen Haushalt ohne Thermometer gibt, sieht es in puncto Luftfeuchtigkeit anders aus: Ein Hygrometer, das den Feuchtigkeitsgehalt der Luft misst, besitzen nur wenige Menschen. Dabei ist das Gerät mindestens ebenso wichtig wie das Thermometer und auch kaum teurer. Die optimale Luftfeuchtigkeit im Raum liegt zwischen  40 und 60 Prozent.

Wichtig im Winter: Kalte Luft enthält weniger Feuchtigkeit als warme. Daher ist Winterluft trockener als Sommerluft. Frische Luft von draußen ist dennoch wichtig, bringt aber mehr Trockenheit in die Räume. Da zusätzlich dann auch die Heizung der Luft Feuchtigkeit entzieht, ist es in der Heizperiode ratsam, die Raumluft zusätzlich zu befeuchten. „Das kann durch Pflanzen mit vielen Blättern oder auch feuchte Lappen und Wasserschälchen auf der Heizung geschehen, aber auch mit handelsüblichen Luftbefeuchtern“, erläutert Frank Herfurth vom Verband Unabhängiger Heilpraktiker in Köln.

 

Extrapflege für die Haut

Nicht nur den Schleimhäuten tun in der Kälte- und Heizperiode Feuchtigkeit und Pflege besonders gut. Auch Haut, Lippen und Augen können jetzt eine Extraportion Pflege gut gebrauchen. Denn bei Kälte zieht der Körper die Blutgefäße zusammen, um seine Wärme zu speichern, erläutert der Münchener Hautarzt Dr. Christoph Liebich. „In der Folge wird die Haut weniger durchblutet und stellt bei niedrigen Temperaturen ihre Fettproduktion ein. Deshalb ist spezielle Hautpflege – neben dem Schutz durch Handschuhe, Mütze und Co. – im Winter besonders wichtig.“ Die einzige Haut, die im Winter nicht unbedingt einer Extra-Pflege bedarf, ist fettige Haut.

Da Nachtcremes reichhaltiger sind beziehungsweise mehr Fett enthalten als Tagescremes, kann es schon reichen, die Nachtcreme auch tagsüber zu benutzen. Eine Alternative stellen reichhaltige Kälteschutzcremes dar, welche Haut und Nägel vor dem Austrocknen schützen. Ansonsten sollte man auf wässrige Cremes verzichten und auf eine fettere Konsistenz achten. Gele, die Lipide beinhalten, sind leicht und trotzdem rückfettend und stellen damit eine optimale Winterpflege für die Haut dar. „Denken Sie dabei auch an oft vernachlässigte Stellen wie beispielsweise die Unterschenkel“, betont der Vertreter des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen.

Aber auch für die Lippen ist Pflege jetzt besonders wichtig, denn sie verfügen ohnehin von Natur aus über weniger Talgdrüsen als die übrige Haut. Wer sich dann ständig mit der Zunge über die Lippen fährt in der irrtümlichen Annahme, sie dadurch von außen zu „befeuchten“,  fördert paradoxerweise noch das Austrocknen. Denn dabei wird die schützende Fettschicht zusätzlich abgeleckt, die Lippenränder können sich entzünden und „ausfransen“. Für die Lippenpflege empfiehlt Christoph Liebich Präparate mit natürlichen Feuchthaltefaktoren wie beispielsweise Jojoba – auch für Männer und Kinder. Nicht nur die Haut ist im Winter einer höheren Belastung ausgesetzt, auch die Augen leiden häufig unter den kalten Temperaturen und der trockenen Heizungsluft. Wer jetzt Probleme mit roten, juckenden oder brennenden Augen hat, sollte besonders auf ein ausgeglichenes Raumklima achten und bei Bedarf Augentropfen verwenden, die die fehlende Tränenflüssigkeit ersetzen.

 

Keimschutz im Wartezimmer

Wer in der Erkältungssaison zum Arzt geht, muss das Wartezimmer möglicherweise mit schniefenden, hüstelnden oder gar fieberglühenden Sitznachbarn teilen. Da die meisten Infektionskrankheiten über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen werden, sind Abstand und Hygiene beim Praxisbesuch besonders wichtig.

 

Hände sauber halten ist das A und das O

Wer die Toilette benutzt, sollte sich hinterher mit warmem Wasser und mit Seife die Hände waschen. Apropos Hände: „Auch wenn es für manche noch immer zum guten Ton gehört. Schütteln Sie weder der Ärztin oder dem Arzt noch Ihrem Bekannten, den Sie zufällig im Wartezimmer treffen, zur Begrüßung die Hand – das Übertragungsrisiko ist einfach zu groß“, rät Simone Weikert-Asbeck, Ärztin für Mikrobiologie am Universitätsklinikum Lübeck. Leseratten rät die Immunologin überdies, sich Zeitschriften oder Bücher möglichst von zu Hause mitzunehmen, „dann haben wenigstens nicht alle sie vorher angefasst.“ Dasselbe gelte für den Kugelschreiber, mit dem Patienten zuweilen noch das eine oder andere Formular ausfüllen müssten: „Wenn’s geht, benutzen Sie lieber den eigenen als den von der Rezeption.“

 

Lieber noch eine Runde laufen als im Zimmer warten

Wer nur zu einer Routineuntersuchung kommt oder keine akuten Beschwerden hat, der sollte während der Wartezeit lieber noch eine Runde um den Block zu spazieren oder noch die eine oder andere Besorgung zu machen. „In der Regel können die Sprechstundenhilfen abschätzen, wie lange es ungefähr noch dauert, und eine Zeit nennen, zu der die Patienten zurück sein sollten.“ Ist das nicht möglich oder nicht gewünscht, ist das aber auch nicht allzu dramatisch. „Das Risiko, sich eine ansteckende Krankheit einzufangen, ist im Wartezimmer trotz allem immer noch geringer als bei einer Fahrt in der voll besetzten U-Bahn.“ Schließlich ist die Mehrheit der Krankheiten, die die Menschen zum Arzt treiben – etwa Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen – überhaupt nicht ansteckend.

 

 

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