Kann eine Stoßwellentherapie die Operation verhindern?

© patriciahofmeester2014–AdobeStock

 

Kann eine Stoßwellentherapie die Operation verhindern?

Fersensporn, Tennisarm oder Kalkschulter sind die Erkrankungen in der orthopädischen Praxis, für die eine Stoßwellentherapie infrage kommt. Dr. Matthias Fischer, Orthopaedicum Frankfurt, wendet das Verfahren in seiner Praxis an. Wir wollten wissen, wie es funktioniert.

 

Was muss man sich unter „Stoßwellen“ vorstellen?
Stoßwellen werden elektrisch erzeugt, indem bestimmte Quarzkristalle in mechanische Schwingungen versetzt werden. Durch die Formveränderung der Kristalle entsteht die Stoßwelle, eigentlich ist es eher eine Druckwelle. Bei welchen Erkrankungen kann eine Stoßwellentherapie angewandt werden? Sie kann bei allen chronischen Sehnenerkrankungen eingesetzt werden. Die Klassiker sind Tennisellbogen und Fersensporn sowie die Kalkschulter.

Lässt sich damit eine Operation ersetzen oder wird sie nur verzögert?
Ziel ist die Vermeidung der Operation. Ohnehin sollten bei den genannten Indikationen zunächst alle konservativen Maßnahmen ausgereizt werden, bevor operiert wird. In 60 bis 70 Prozent der Fälle gelingt es, eine Operation zu verhindern. Aber eben nicht immer.

Beispiel Tennisellenbogen – wie geht man vor?
Der sogenannte Tennisellbogen ist eine Sehnenansatzentzündung. Die Strecksehnen des Unterarms setzen am oberen Oberarmknochen an. Die Stelle, an der diese Sehnen in den Knochen einstrahlen, ist beim Tennisellbogen überlastet und chronisch gereizt. An dieser Stelle wird ein Ultraschallgel aufgetragen, dann wird der Schallkopf aufgesetzt und die Stoßwellen werden übertragen.

 

Wie fühlt sich das an?
Wie kleine Schläge mit einem Hämmerchen. Die Stoßwelle ist als Ton hörbar. Pro Minute sind es etwa 300 – 500 Stöße, pro Sitzung insgesamt etwa 2000 – 2500. Die Behandlung wird drei bis fünfmal im Abstand von jeweils einer Woche wiederholt.

 

Bei einem Tennisellbogen liegt ja bereits eine Reizung vor. Wieso lässt sich eine chronisch-entzündliche Erkrankung durch die Anwendung zusätzlicher Reize therapieren?
Man würde doch vermuten, dass es schlimmer wird. Zunächst können die Schmerzen durchaus stärker werden. Der Effekt der Stoßwelle führt lokal zu einer Durchblutungssteigerung und regt den zellulären Stoffwechsel an. Es kommt zum Abbau von Entzündungshormonen und das wirkt sich entzündungshemmend aus.

 

Gibt es Nebenwirkungen?
Wie gesagt, kann es zu einer Schmerzverstärkung kommen oder kleinen Blutergüssen.

 

Ist eine Begleittherapie erforderlich?
Nein, abgesehen von regelmäßigen Dehnungsübungen, die zunächst physiotherapeutisch begleitet werden können, dann aber möglichst täglich vom Patienten eigenständig durchgeführt werden sollten. Bei sehr ausgeprägten Beschwerden kann auch noch ein lokal wirksames Kortison gespritzt werden.

 

Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Stoßwellentherapie?
In der Regel nicht. Man kann aber bei einzelnen Kassen über einen Kostenvoranschlag versuchen, eine Kostenübernahme zu erwirken. Aber man sollte davon ausgehen, dass man das selbst bezahlen muss.

 

Dr. med. Fischer
Facharzt für Orthopädie im Orthopaedicum Frankfurt. Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Orthopädie, Physikalische und rehabilitative Medizin sowie Sportmedizin, Akupunktur und Chirotherapie

 

 

 

Startseite