Tabuthema Stuhlinkontinenz

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Tabuthema Stuhlinkontinenz

Über Blasenschwäche wird ungern gesprochen, noch seltener wird Stuhlinkontinenz thematisiert. In Deutschland gibt es etwa 800.000 Betroffene. Drei Fragen an Dr. Charvalakis. Er ist Chefarzt der Urologischen Klinik des Brüderkrankenhauses in Montabaur

 

Wie kommt es zu einer Stuhlinkontinenz?
Stuhlinkontinenz entsteht beispielsweise durch eine Verletzung des Schließmuskels, zum Beispiel beim operativen Entfernen von Fisteln oder Hämorrhoiden in der Nähe des Darmausgangs. Ebenso können ein Dammriss bei der Geburt oder Tumore dazu führen, dass der Schließmuskel seine Funktion einbüßt. Dann gibt es neurologische Ursachen, bei denen der Patient nicht mehr fühlt, wann er zur Toilette muss. Ferner entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder schwere Diarrhö. Auch bei einer Senkung des Beckenbodens im Alter kann es dazu kommen. Gerade Ältere mit Demenz sind oft von Stuhlinkontinenz betroffen.

Hat die Ernährungsweise einen Einfluss?
Man kann die Beschwerden etwas beeinflussen, etwa indem man Kaffee und Tee vermeidet, weil sie den Schließmuskel entspannen. Oder Lebensmittel mit erhöhtem Ballaststoffgehalt verzehrt, die den Stuhl fester machen.

Was lässt sich tun?
Die Therapie richtet sich nach Ursache und Grad der Stuhlinkontinenz. Es gibt Hilfsmittel, zum Beispiel Analtampons oder Vorlagen. Die Beschaffenheit des Stuhls lässt sich mit Medikamenten beeinf lussen. Bei neurologischen Ursachen kann eine sakrale Nervenstimulation die Kontinenz erhöhen. Ist ein erschlaffter Beckenboden verantwortlich, hilft möglicherweise Krankengymnastik. Eine weitere Option ist ein Toilettentraining, bei dem der Darm an feste Uhrzeiten gewöhnt wird. Es lässt sich also eine Menge tun, wenn die Betroffenen sich vertrauensvoll an einen Facharzt wenden.

 

 

 

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