Ein modernes Innenohr-Implantat …

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Ein modernes Innenohr-Implantat (Cochlea-Implantat)kann bei einem Tinnitus Helfen

Vier Fragen an Professorin Heidi Olz – Direktorin der HNO-Klinik der Berliner Universitätsklinik Charité, Campus Virchow-Klinikum

Um Wieso ist gutes Hören eigentlich so wichtig?

Unsere Ohren übernehmen vermutlich eine viel größere Aufgabe, als allein Informationen aufzunehmen. Neueste Untersuchungen bestätigen erstaunlich klar das alte Sprichwort: Wer nichts sieht, ist getrennt von den Dingen. Wer nichts hört, von den Menschen. Gutes Hören sorgt für eine gewisse soziale Einbettung. Schlechtes Hören ist verbunden mit psychischen Belastungen wie Stress, Ängstlichkeit, Depressionen. Inzwischen gibt es sogar Studien, die nachweisen, dass Menschen, die schlecht hören, ein höheres Risiko haben, im Alter an Demenz zu erkranken.

 

Was führt dazu, dass wir schlecht hören?

Die häufigste Ursache für Taubheit ist der Untergang von Sinneszellen im Innenohr:  Die sogenannten Haarzellen wandeln  die Schallwellen in der Schnecke – lat. Cochlea – in elektrische Nervenreize um, die von dort an das Gehirn geschickt werden. Durch eine unfallbedingte Schädigung des Innenohrs, Lärm, Durchblutungsstörungen oder genetische Ursachen können diese Haarzellen komplett ihre Funktion verlieren. Hier kann seit Mitte der 1980er-Jahre das Cochlea-Implantat gut helfen.

 

Wie funktioniert das Implantat?

Das künstliche Innenohr besteht aus zwei Komponenten: dem sogenannten Sprachprozessor, der außerhalb des Körpers Geräusche aufzeichnet und in digitale Impulse umsetzt, und dem Impulswandler, der unter der Haut hinter der Ohrmuschel eingepflanzt wird. An dieser Stelle werden die „Außensignale“ von der Sendespule durch die Haut empfangen, umgewandelt und über feine Drähte bis an die Elektroden weitergeleitet, die im Innenohr liegen.

 

Wer übernimmt die Kosten für eine Implantation?

Für eine Implantation übernehmen in der Regel bei entsprechender medizinischer Indikationsstellung sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen die Kosten. Für eine Versorgung der zweiten Seite muss evtl. ein entsprechender Antrag gemäß Behindertenausgleichsgesetz gestellt werden.

 

Hintergrund Tinnitus

Volksleiden Ohrgeräusche. Es brummt, klingelt oder piept. Meist nur auf einem Ohr, manchmal auch auf beiden. Vier von zehn Bundesbürgern erkranken im Laufe ihres Lebens an akutem Tinnitus. Rund drei Millionen leiden chronisch an den lästigen Ohrgeräuschen  – so die Schätzung von Experten.

Wie es tatsächlich zu den lästigen Geräuschen kommt, unter denen vom Musikgenie Ludwig van Beethoven bis zu Frauke Ludowig von RTL litten, ist nicht endgültig geklärt. Neben Lärm und akutem Hörsturz ist schlechtes Hören ein wichtiger Auslöser.

Einerseits vermutete man, dass die Hörzellen selbst anfangen verrückt zu spielen und Signale ans Gehirn senden, obwohl sie gar nichts empfangen. Andererseits geht man davon aus, dass auch das Gehirn selbst anfängt, sich aus Langeweile Geräusche „vorzustellen“.

Ein wichtiges Mittel gegen Tinnitus ist die Verbesserung des Hörens. Entweder durch ein Hörgerät oder, wenn das nicht mehr ausreicht, jetzt auch durch ein Cochlea-Implantat.

 

 

 

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