Hörvorsorge genauso wichtig wie Zähneputzen

Dr. Jan Löhler

 

Fragen an Dr. Jan Löhler Facharzt für HNO-Heilkunde, Audiologe und Neurootologe

Hörvorsorge genauso wichtig wie Zähneputzen

Eine aktuelle Studie anlässlich des Welttags des Hörens ergab, dass Hörvorsorge immer noch unterschätzt wird. Demnach kennen sechs von zehn Befragten Personen mit Hörminderung in ihrem Umfeld, aber nicht einmal einem Drittel ist bekannt, dass eine unbehandelte Hörminderung weitere gesundheitliche Risiken birgt. Dabei kann man jeden Tag etwas tun, um seine Ohren langfristig zu schützen, erklärt Dr. Jan Löhler, Facharzt für HNO-Heilkunde, Audiologe und Neurootologe (BVHNO – Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V.) im Interview.

 

Herr Löhler, welchen Stellenwert besitzt das Thema Hörvorsorge bei Ihren Patienten und was sind Gründe, weshalb man den HNO-Arzt aufsucht?
Die meisten Patienten kommen naturgemäß erst dann, wenn sie Beschwerden haben. Entweder es stellt sich ein spontaner Hörverlust ein oder er kommt schleichend, dann hängt es sehr davon ab, wie sensibel die Patienten sich selbst gegenüber sind, wie ihre Umwelt reagiert und wie sehr ihnen bekannt ist, dass gutes Hören für viele Dinge unerlässlich bzw. schlechtes Hören zu einer Vielzahl von Problemen führt. Eine weitere Gruppe von Patienten mit bekannter, leichter Schwerhörigkeit oder bei denen eine Ohroperation durchgeführt worden ist, stellt sich regelmäßig bei uns vor, um das Hörvermögen von sich aus überprüfen zu lassen. Wir weisen diese Patienten auf die Notwendigkeit einer jährlichen Vorsorgekontrolle hin. Zudem betreuen wir auch eine große Anzahl von Hörgeräteträgern und überprüfen natürlich auch bei diesen, ob sich das Hören verschlechtert.

Sollte Hörvorsorge Ihrer Meinung nach früher ansetzen? Könnten Eltern und Großeltern, gerade in Bezug auf ihre Kinder, noch mehr tun?
Eltern, Großeltern, aber auch Lehrer und Betreuer sollten Kinder dafür sensibilisieren, dass Lärm gehörschädigend ist. Dazu gehört nicht nur laute Musik – ohne oder mit Kopfhörern – sondern auch sog. Spielzeugpistolen, deren Knall bis zu 160 dB Schalldruckpegel erreichen kann, was zu erheblichen Hörschäden führen kann. Auf solche Knallmunition sollte deswegen komplett verzichtet werden. Ferner wäre es wichtig, eine im Rahmen eines Infektes verursachte Schwerhörigkeit bei Kindern, welche mehr als nur wenige Tage anhält, unbedingt weiter abklären zu lassen. Ohne Nachsorge kann es zu chronischen Mittelohrergüssen kommen, welche die Sprachentwicklung und intellektuelle Reifung negativ beeinf lussen können.

Herr Dr. Löhler, Sie hatten bereits erwähnt, dass viele erst mit Beschwerden zu Ihnen kommen. Was können denn Folgen von vernachlässigter Hörvorsorge sein?
Ein schleichender Hörverlust führt zu einem immer mehr auf Raten fokussierten Hören. Leider gewöhnt man sich an diesen Zustand und empf indet ihn dann als vollkommen normal. Daher dauert es oftmals, bis eine Beeinträchtigung des Hörvermögens beim Betroffenen tatsächlich erkannt wird. Man weiß mittlerweile, dass eine unversorgte Schwerhörigkeit das Risiko erhöht, an einer Depression zu erkranken oder einen kognitiven Leistungsverlust, bis hin zur Demenz, zu erleiden. Ferner erhöht sich das Risiko zu stürzen, weil der Gleichgewichtssinn gestört ist. Außerdem gibt es auch sehr ernsthafte Erkrankungen, wie Tumore am Hörnerven oder chronische, schmerzfreie Entzündungen des Mittelohres, die sich teilweise nur durch eine Schwerhörigkeit äußern.

Wenn Sie als HNO-Arzt einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen oder verändern?
Mir liegt am Herzen, dass wir unser Gehör besser schützen, vor allem vor Lärm. Wünschenswert wäre auch, dass jeder, der zuhause eine Bohrmaschine oder ähnlich laute Werkzeuge gebraucht, auch an einen Gehörschutz denkt und natürlich einen zweiten für den Assistenten, der den Staubsaugerschlauch hält. Außerdem wäre es schön, wenn wirklich niemand mehr Wattestäbchen oder andere Gegenstände zur Gehörgangsreinigung verwendet.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch im Internet: www.hno-aerzte-im-netz.de, www.ihr-hörgerät.de

 

 

 

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