Immer in Sichtweite der nächsten Toilette …

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Immer in Sichtweite der nächsten Toilette …

Häufiger Harndrang ist belastend. Jutta Heine, Fachärztin für Urologie, erklärt, was es damit auf sich hat.

 

Was sind die Gründe für häufigen Harndrang?
Hohe Trinkmengen, manche Getränke (z. B. Cola, Alkohol), aber auch Medikamente erhöhen den Harndrang. Bestimmte Erkrankungen, die mit neurologischen Beschwerden einhergehen, wirken sich ebenfalls auf die Blase aus. Dann kommt es zu Kommunikationsstörungen zwischen den Blasennerven, denen des Rückenmarks und des Gehirns und die willkürliche Blasenentleerung entzieht sich der Kontrolle. Das kann entweder zu einer Blasenentleerungsstörung oder zu häufigem Harndrang führen.

Oder bei Herzinsuffizienz wird tagsüber Wasser im Gewebe eingelagert – Nachts entleeren sich diese Wasseransammlungen, die Blase füllt sich und man muss häufiger raus. Kälte und kalte Füße können übrigens auch Harndrang auslösen.

Ist der Harndrang nachts stärker ausgeprägt oder nur lästig?
Wenn man nachts nicht mehr durchschlafen kann, weil man häufiger zur Toilette muss, dann ist der Leidensdruck hoch.

Manche Patienten jedoch sind nervös, wenn sie im Bett liegen. Sie gehen vor dem Einschlafen mehrmals zur Toilette, damit sie später nicht wegen der vollen Blase aufwachen. Misst man die Ausscheidungen, sind es oft nur geringe Mengen. Aber die Angst, nicht durchschlafen zu können, treibt sie vier- bis fünfmal raus.

Wie lässt sich vorbeugen?
Man sollte versuchen, in den ersten zwei Dritteln des Tages zwei Drittel der gesamten Tagesflüssigkeitsmenge von zwei bis drei Litern zu trinken. Und möglichst nicht immer sofort dem Harndrang nachgeben, sondern den Toilettengang hinauszögern. Das ist trainiert die Blasenmuskulatur.

Welche Therapieoptionen gibt es?
Gegen den nächtlichen Harndrang gibt es pflanzliche Medikamente, beispielsweise Kürbissamenpräparate oder Weidenröschentee. Außerdem empfehle ich, die Füße warm zu halten. Bei häufigem Harndrang sollte abgeklärt werden, ob eine Erkrankung der Beinvenen, des Herzens, ein orthopädisches Problem oder eine neurologische Störung dahintersteckt. Oder ob der Harndrang die Nebenwirkung eines eingenommenen Medikaments ist. Eine vergrößerte Prostata kann ebenfalls Ursache sein. Bei Harndrang ohne Obstruktion können sogenannte Anticholinergika die Blasenmuskulatur entspannen und den Harndrang etwas unterdrücken. Bei fehlender Wirkung kann Botox injiziert werden.

 

 

 

 

 

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