„Risse in der Rotatorenmanschette sind meist verschleißbedingt“

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„Risse in der Rotatorenmanschette sind meist verschleißbedingt“

Die Rotatorenmanschette ist eine Muskel-Sehnen-Kombination und sozusagen der „innere Motor“ der Schulter. Sie sorgt dafür, dass der Arm in alle Richtungen bewegbar ist und dabei im Schultergelenk zentriert wird. Wegen ihrer beengten Lage zwischen Oberarmkopf und dem über ihr liegenden Schulterdach, ist die Rotatorenmanschette recht anfällig. Es können feine Risse in ihr entstehen, weil die Sehnen ständig aufgerieben werden. Wen das betrifft und wie therapiert wird, erklärt Prof. Patric Raiss.

 

Wer ist von Rissen in der Rotatorenmanschette betroffen?
Bei Menschen, die viel über Kopf arbeiten, treten vermehrt Risse auf. Beispielsweise haben Maler und Gerüstbauer um ein vielfaches erhöhtes Risiko für Schäden als Bürotätige. Studien zeigen, dass mit zunehmendem Alter die Häuf igkeit von Sehneneinrissen häuf iger wird. Ab dem 50-60jährigen beginnt das Risiko zu steigen, bei den 80-90jährigen ist ca. jeder Zweite betroffen.

Welche Symptome treten auf?
Die meisten Älteren kommen mit einem Sehneneinriss gut zurecht, weil sie nicht mehr so aktiv sind, und die Arme nicht mehr so viel über Kopf benutzen. Manche Betroffene merken nichts, andere haben große Schmerzen. Klassisch ist der Nachtschmerz, mit Problemen beim Liegen. Außerdem treten Bewegungseinschränkungen und ein Kraftverlust bei Überkopftätigkeiten auf.

Wie wird behandelt?
Das kommt darauf an. Bei einem unfallbedingten Sehnenriss beim jungen Patienten muss sofort operiert werden, denn ein Sehnenabriss heilt niemals von selbst aus. Wenn beispielsweise ein 65jähriger mit einem kleinen Sehneneinriss ab und an nachts oder in bestimmten Positionen Schmerzen hat, würde man zunächst konservativ mit Physiotherapie sowie Spritzen mit Cortison und Schmerzmitteln behandeln. Funktioniert das, spricht nichts gegen diese symptom-orientierte Therapie, der Riss heilt jedoch nicht. Es empfiehlt sich den Patienten zu beobachten, falls die Symptome stärker werden und der Riss größer wird. Deshalb muss von Anfang an genau erwogen werden, ob eine konservative Behandlung ausreicht oder bereits ein Eingriff nötig ist. Bei jüngeren Patienten tendiert man eher zu frühzeitigen Eingriffen.

Wie erfolgt ein Eingriff?
Man repariert die Sehne und näht sie wieder in den Knochen ein. Wir machen das in der Regel minimalinvasiv (arthroskopisch). Über einen kleinen Einschnitt bringen wir eine Kamera in das Gelenk und können von außen an der geschlossenen Schulter über den Monitor die Rekonstruktion der Sehne durchführen.

Wann ist die Schulter wieder voll belastbar?
Werden Sehnen wieder in den Knochen eingenäht, gibt es ein sechswöchiges Nachbehandlungsprotokoll, in dem Patient und Physiotherapeut genaue Anleitungen zur Beübung finden. Eine zu aggressive Nachbehandlung kann zu einem erneuten Ausreißen der Sehnen führen, dementsprechend ist eine gezielte Nachbehandlung durch einen erfahrenen Therapueten notwendig. Nach sechs Wochen kontrollieren wir alle Patienten in unserer Ambulanz und leiten hier das aktive Training der Schulter ein. Die biologische Sehnenheilung zwischen Knochen und Sehne und damit die volle Belastbarkeit dauert drei Monate.

Prof. Dr. med. Patric Raiss ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am OCM München, Er ist zertifizierter Schulter- und Ellenbogenchirurg, Ausbilder und Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE)

 

 

 

 

 

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