Winterfest?

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Winterfest?

Dämmerlicht, knirschender Schnee unter den Sohlen, vor dem Mund ein kleines Atemwölkchen – am Winter scheiden sich die Geister. Während er für die einen der Inbegriff von Gemütlichkeit, Ruhe und geselliger Harmonie ist, bedeutet er für die anderen vor  allem schlechte Laune, noch schlechteres Wetter und lästigen Festtagsstress.

 

Gerade für die Gruppe der Wintermuffel ist es schwer, der kalten Jahreszeit etwas abzugewinnen. Statt Winterlust verspüren sie bloß Winterfrust. Dabei kann der Winter so schön sein – wenn man sich denn auf ihn einlässt!

 

Wären die vier Jahreszeiten vier Geschwister, dann wäre der Winter das hässliche Entlein. Das legt zumindest eine repräsentative Umfrage des Splendid Research Meinungsforschungsinstituts aus dem Jahr 2016 nahe. Dabei wurden 1.024 Personen nach ihrer Lieblingsjahreszeit gefragt. Das Ergebnis: Während der Sommer mit 50 Prozent der Stimmen den Spitzenplatz belegte, kam der Frühling immerhin noch auf 36 Prozent. Deutlich weniger beliebt ist der Herbst. Für ihn entschieden sich 9 Prozent. Das sind allerdings immer noch mehr Stimmen, als der Winter einheimsen konnte. Mit gerade einmal 5 Prozent bildet die dunkle Jahreszeit das einsame Schlusslicht dieser Gruppe. Viele Menschen empfinden den Winter einfach nur als grau und kalt. Bei manchen reicht die Abneigung aber noch tiefer.

 

Am Jahresende der Abgrund

Wenn die Tage kürzer werden, fühlen sich diese Menschen regelrecht niedergeschlagen und schwermütig, erdrückt von einer Trostlosigkeit, die sie sich kaum erklären können. Sie leiden unter Antriebslosigkeit und Müdigkeit, sind mal melancholisch, mal gereizt und empfinden kaum oder gar keine Freude mehr. Auch ein gesteigertes Bedürfnis nach Süßigkeiten kann Teil der Symptomatik sein. Hält dieser Zustand mindestens  14 Tage lang an, sprechen Mediziner nicht mehr vom „normalen“ Winter-Blues, sondern von einer Saisonal Abhängigen Depression (SAD), im Volksmund auch „Winterdepression“ genannt.

 

Deutschlandweit liegt die Zahl der Betroffenen bei rund 80.000 Menschen. Aber es gibt eine gute Nachricht: Eine Winterdepression kann, etwas Zeit vorausgesetzt, gut behandelt werden. Denn der Grund für die Beschwerden ist ein Melatonin-Überschuss, der durch einen Mangel an Tageslicht hervorgerufen wird. Grundlegendes Element einer jeden Therapie ist daher ein tägliches Sport- bzw. Bewegungsprogramm an der frischen Luft. Gute Erfolge wurden zudem mit der Lichttherapie erzielt, bei der Patienten täglich für eine halbe Stunde dem Licht einer speziellen Lampe ausgesetzt werden, die Tageslicht imitiert und so die Melatonin-Produktion drosselt. Selbst bei nasskaltem Wetter ist es also ratsam, die Stiefel zu schnüren, den Schal umzubinden und zumindest für ein halbes Stündchen raus ins Freie zu gehen, um dort etwas kostbares Tageslicht einzufangen.

 

Winterstress für Lunge und Herz

Neben diesen psychischen Beschwerden kann die kalte Jahreszeit aber auch dem Körper zusetzen. Beschwerlich und eventuell sogar gefährlich kann der Winter vor allem für Menschen mit Herzproblemen und/oder Bluthochdruck sein. Der Grund: Bei kälteren Temperaturen verengen sich die Gefäße, beispielsweise in der Haut, um dadurch Wärme einzusparen.

 

Hierdurch steigt jedoch der Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss – und die Gefahr einer Überlastung. Wer an entsprechenden Beschwerden leidet, sollte daher allzu große Anstrengungen in kalter Umgebung meiden und beim Gefühl von Enge oder Druck in der Brust nicht zögern, den Notarzt zu rufen. In jedem Fall sollten Sie sich vor körperlicher Aktivität im Freien aufwärmen. Das wird Ihnen nicht nur Ihr Herz danken, sondern auch Ihre Muskeln und Bänder – und Ihre Lunge!

 

Denn auch die Lunge muss im Winter wegen der eiskalten, häufig trockenen Luft Schwerstarbeit verrichten. Das kann besonders für Personen mit Asthma ernste Folgen haben. Denn ihre Bronchien krampfen sich beim plötzlichen Übergang von trockener, warmer Raumluft zu kalter Außenluft regelrecht zusammen, wodurch das Atmen erschwert wird. Eine Möglichkeit, den Kälteschock für die Lungen abzumildern oder sogar ganz zu verhindern, ist das regelmäßige Lüften von Räumen und ein Blick auf die Luftfeuchtigkeit – denn feuchte Luft hält die Schleimhäute der Bronchien geschmeidig. Außerdem sollten Asthmatiker nach Möglichkeit durch die Nase atmen, um die Luft vorzuwärmen, bevor sie in die Lunge gelangt. Ein Tuch oder Schal vor dem Mund hat einen ähnlichen Effekt. Zusätzlich sind die verschleimten Bronchien aber auch ideale Einfallstore für allerlei Krankheitserreger, weshalb Asthmatiker im Winter häufiger an Atemwegsinfekten leiden. Hier hilft dann eine gut sortierte Hausapotheke.

 

Allzeit bereit!

Im Grunde unterscheidet sich der Inhalt der winterlichen Hausapotheke nicht wesentlich von dem des restlichen Jahres. Allerdings tun Sie sich selbst und Ihren Lieben einen großen Gefallen, wenn Sie auf einen ausreichenden Vorrat an Erkältungsmedikamenten achten. Schließlich vergeht kaum ein Winter, in dem nicht mindestens ein Familienmitglied am Schniefen, Husten und Schnäuzen ist. Vorrätig sollten daher neben reichlich Taschentüchern beispielsweise Halsschmerztabletten, Hustenstiller, Schleimlöser, abschwellende Nasensprays sowie fiebersenkende Mittel sein. Heilkräuter wie Kamille, Salbei, Rosmarin, Thymian und Pfefferminze runden das Sortiment ab. Sie können nicht nur zum Aufgießen als Tee oder zum Inhalieren verwendet werden, sondern auch als entspannendes Wellnessbad, zum Beispiel nachdem Sie vom Winterspaziergang durch den nahen Wald heimgekommen sind und sich Ihr Hund, zufrieden und erschöpft, vor der Badezimmertür abgelegt hat, während Sie im neuen Krimi schmökern.

 

Wie Äpfel und Birnen

Wenn die Menschen von einer Grippe reden, meinen sie meist einen grippalen Infekt – zum Glück! Denn ein grippaler Infekt ist nichts anderes als eine durch Viren verursachte akute Infektion der oberen Atemwege. Durchschnittlich zwei- bis viermal pro Jahr fangen wir uns eine solche Erkältung ein. Häufig ereilt sie uns während der kalten Jahreszeit, wenn unsere Schleimhäute gestresst sind und unser Immunsystem bereits angeschlagen ist. Zusätzlich schwappt im Winter und Frühjahr aber auch die Grippewelle über Deutschland hinweg. Anders als ein gewöhnlicher grippaler Infekt kann eine echte Grippe jedoch sehr ernst verlaufen – manchmal sogar tödlich. Da die Symptome einer Grippe zu Beginn denen eines harmlosen grippalen Infekts sehr ähnlich sind – typisch für eine einsetzende Grippe sind neben Husten, Schnupfen und Halsschmerzen vor allem plötzlich einsetzendes Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen, ist es wichtig, beide Erkrankungen so bald wie möglich voneinander abzugrenzen. Ein bisschen ist es wie mit Äpfeln und Birnen: Sie sind ähnlich, aber doch völlig verschieden.

 

Vor der Behandlung kommt die Diagnose

Abhängig von der Art des Erregers und des bisherigen Verlaufs helfen manchmal bereits Hausmittel wie Inhalieren, Wickel, Tees oder Bäder, um eine Infektion einzudämmen und Linderung zu verschaffen. In anderen Fällen müssen spezielle Medikamente wie Antibiotika oder Virostatika verabreicht werden, um eine Besserung herbeizuführen. Ein Arzt kann alle nötigen Tests durchführen, um zunächst den Erreger zu bestimmen und anschließend eine erfolgsversprechende Therapie zu verordnen. Besonders wenn die Beschwerden länger als eine Woche andauern, sollten Sie unbedingt einen Besuch in der Praxis in Erwägung ziehen.

 

Eine Selbsttherapie mit der angebrochenen Antibiotika-Packung aus dem Arzneischränkchen ist hingegen nicht empfehlenswert: Während Viren gar nicht auf Antibiotika ansprechen, hängt die Wirksamkeit bei Bakterien vom Bakterienstamm und dem verwendeten Medikament ab. Letztlich fördert man durch den falschen Gebrauch von Antibiotika sogar gefährliche Resistenzen, die eine zukünftige Behandlung erschweren oder gar unmöglich machen können.

 

Kein Problem mit der Winterdiät

Während des Winters wird gerne fett und kalorienreich gegessen. Gerade in Verbindung mit gemütlichen Abenden auf der heimischen Couch kann sich das in zusätzlichen Kilos, Verdauungsbeschwerden und Einbußen bei der Fitness niederschlagen. Abhilfe schaffen hier frische Lebensmittel, vor allem Obst und Gemüse – natürlich möglichst aus heimischem Anbau. Doch gerade was Regionalität und Saisonalität angeht, gilt der Winter vielen Menschen eher als eine Zeit der Entbehrungen: Außer rustikaler Hausmannskost, der Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt und allerlei schokoladigen Verführungen gibt es ja nichts, oder? Das stimmt so nicht ganz. Natürlich ist das Angebot an saisonalem Obst und Gemüse im Winter etwas eingeschränkt. Dennoch bietet selbst die kalte Jahreszeit eine ganze Reihe von frischen Lebensmitteln, mit denen sich der Nährstoff- und Vitaminbedarf problemlos decken lässt – und die darüber  hinaus wunderbar zum Festtagsbraten passen.

 

Blätterwerk frisch vom Feld

Unangefochten an erster Stelle der saisonalen Lebensmittel steht zweifellos der Kohl. Grünkohl, Rotkohl oder Wirsing wandern nun direkt vom Feld ins Verkaufsregal. Das bedeutet nicht nur kurze Wege und einen kleinen CO²-Fußabdruck, sondern auch absolute Frische und praktisch keinen Verlust an Nährstoffen. Und die sind in den kräftigen Blättern reichlich vorhanden: Neben Kalium, Magnesium und Eiweiß liefert Kohl dem Körper viele wichtige Vitamine, darunter reichlich Vitamin C. Leider steht Kohl vor allem bei Kindern meist nicht sehr hoch im Kurs. Hier ist etwas Experimentierfreude gefragt. Manche Kohlsorten, beispielsweise der leicht bittere Rosenkohl, produzieren nach dem ersten Frost verstärkt Zucker, wodurch die bittere Note etwas abgemildert werden kann – und die Überzeugungsarbeit erleichtert wird.

 

Die Wurzel alles Guten

Im Winter ebenfalls Saison haben Wurzelgemüse wie Steckrüben, Möhren, Pastinaken, Rote Bete und Topinambur. Einst als Viehfutter verschrien, haben sich diese Gemüsesorten mittlerweile zum echten Sterne-Gemüse gemausert. Kein Wunder, denn neben einer ebenfalls sehr hohen Nährstoffdichte warten sie mit einem hervorragenden, leicht süßlichen Geschmack auf. Und vielfältig sind sie obendrein: Ob Püree, Suppe, Auflauf, Eintopf oder sogar Pommes – wer Rüben langweilig schimpft, tut ihnen unrecht! Auch als Rohkost in einem Wintersalat sind sie ein wahrer Genuss. Apropos Salat: Im Winter wird der knackige Feldsalat geerntet, der als der gesündeste Salat von allen gilt. Mit ein paar Apfelschnitzen und Nüssen ein köstlicher Gaumentraum.

 

Eingemachtes macht an

Was das Obst angeht, ist die Auswahl zugegebenermaßen etwas weniger üppig. Für eine reiche winterliche Obsternte ist unser heimisches Klima einfach zu kalt und zu dunkel. Eine gute Alternative ist Obst, das im Herbst geerntet und anschließend kühl und dunkel gelagert wurde. Die beiden heimischen Obstsorten, die sich aufgrund ihrer Robustheit am besten für diese Vorratshaltung eignen, sind Äpfel und Birnen. Auch saisonal erhältlich, wegen der enthaltenen Bitterstoffe aber nicht zum Rohverzehr geeignet, sind Quitten. Dafür lassen sich aus ihnen – wie auch aus den allermeisten anderen Obstsorten – wunderbar Marmeladen, Kompott, Mus oder Säfte herstellen. Gleiches gilt übrigens für viele einheimische Beeren, beispielsweise Schlehen-, Wacholder- und Vogelbeeren. Nach den ersten Frostnächten verfliegen deren unangenehme Inhaltsstoffe, sodass die kleinen „Eisbeeren“ nun eingekocht und werden können. Das ist, nebenbei gesagt, auch ein schöner Zeitvertreib an einem verregneten Nachmittag, wenn es draußen schon dunkel ist und auf den Wegen mehr Matsch als Schnee liegt. Und wenn Sie fertig mit dem Einmachen sind, ist der Sommer immer nur eine Deckeldrehung entfernt.

 

Allzu streng sollte man bei allem Gesundheitsbewusstsein aber nicht mit sich sein. Was wäre der Winter ohne ein paar duftende Mandarinen. Oder eine Handvoll Mandelplätzchen. Oder einen Schokoladennikolaus. Schließlich geht es nicht nur darum, gesund durchs Leben zu gehen, sondern es dabei auch ausgiebig zu genießen – auch und gerade jetzt im Winter!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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