ENDOKARDITIS – Entzündung des Herzens

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ENDOKARDITIS

Entzündung des Herzens

 

Die Endokarditis ist eine schwere Erkrankung der Herzinnenhaut, fachsprachlich Endokard genannt, bei der sich diese entzündet. Verursacht wird sie meist durch Bakterien, in sehr seltenen Fällen auch durch Pilze oder Viren. Leider ist es letztlich häufig jedoch nicht möglich, den krankmachenden Keim auch nachzuweisen – was wiederum eine gezielte Behandlung mit Medikamenten schwierig macht.

 

„Besonders gefährdet, an einer Endokarditis zu erkranken, sind ältere Menschen“, sagt Dr Jörg Hoffmann, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie an der Uniklinik Würzburg. „Risikofaktoren sind vor allem schon vorhandene Verkalkungen und Erkrankungen einzelner Herzklappen, ein Diabetes mellitus, rheumatisches Fieber, angeborene Herzklappenveränderungen und frühere Endokarditiden.“ Auch eine altersbedingte oder durch Krebs oder andere Erkrankungen verursachte allgemeine Abwehrschwäche spiele eine große Rolle. Zudem habe bei ca. 8 Prozent der Patienten im Vorfeld eine zahnärztliche Behandlung stattgefunden, bei weiteren 20 Prozent andere medizinische Eingriffe, wie beispielsweise ein Gelenkersatz oder eine Spritzenbehandlung an der Wirbelsäule, um chronische Schmerzen zu behandeln. Auch eine banale Mandelentzündung, eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung könnten eine Endokarditis begünstigen, warnt Dr. Hoffmann.

AUF EINEN ERSTEN VERDACHT FOLGEN MEHRERE UNTERSUCHUNGEN
Erste Indizien einer Endokarditis sind wiederkehrendes Fieber, Schüttelfrost, allgemeine Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche. Auch ein beschleunigter Herzschlag und Gewichtsverlust können auf eine Entzündung der Herzinnenhaut hindeuten. Um einen ersten Verdacht verwerfen oder bestätigen zu können, sollte der Patient umgehend gründlich untersucht und vor allem sein Herz auf ein neues Geräusch abgehört werden. Neben allgemeinen Blutuntersuchungen müssen auch mehrfach Blutproben zum Bakteriennachweis entnommen werden. „Häufig bestätigt sich der Verdacht auch durch eine Ultraschalluntersuchung oder auch eine Computertomographie des Herzens“, sagt Dr. Hoffmann. „Dabei kann man dann die befallene Herzklappe identifizieren, das Ausmaß eines Klappenfehlers sowie die Größe der an der Herzklappe anhaftenden Gewächse messen.“ Dies ist auch wichtig, um das Risiko für ernste Folgeerkrankungen bestimmen zu können. Denn vom Herzen losgelöster Bakterienrasen, die sogenannten Vegetationen, können Blutgefäße verschließen und dadurch beispielsweise Schlaganfälle, Herzinfarkte, schwarze Zehen oder Milzinfarkte auslösen.

MANCHMAL IST EINE OP LEIDER UNAUSWEICHLICH
Hat sich die Diagnose bestätigt oder besteht zumindest weiterhin ein hochgradiger Verdacht auf eine Endokarditis, muss umgehend eine meist stationär erfolgende Antibiotikatherapie eingeleitet werden. Leider reicht eine solche Therapie in rund 50 Prozent der Fälle nicht aus, insbesondere wenn die Endokarditis erst spät entdeckt wurde. Dann kann eine Herzoperation für die Betroffenen unausweichlich werden, um auch Gewebeschäden in tiefer liegenden Herzschichten zu behandeln. Zusätzlich wird das weggeschnittene Gewebe umgehend ins Labor geschickt, wo dann die Keime der Blutkulturen bestätigt werden können. Allein im Zentrum an der Würzburger Universitätsklinik findet mindestens einmal in der Woche eine solche Operation statt. „Das wahre Ausmaß der Entzündung entdeckt der Chirurg dann erst am OP-Tisch“, räumt Dr. Hoffmann ein. „Dann ist es entscheidend, das befallene Gewebe im Herzen komplett zu entfernen. Teilweise müssen wir dafür Abszesse spalten oder Herzklappen komplett herausschneiden, um keine Reste zurückzulassen. Natürlich müssen wir dabei aber immer auch eine normale Herzfunktion gewährleisten.“ Dafür müssen fehlende Teile des Herzens wieder rekonstruiert werden, am besten mithilfe von körpereigenem Material wie Flicken aus menschlichem Klappengewebe. „Nach Möglichkeit vermeiden wir das Einbringen von Fremdmaterial, da sich dieses schnell wieder entzünden und dies die Erkrankung zusätzlich verschlimmern könnte. Trotzdem ist der Einsatz von künstlichen Herzklappenprothesen manchmal unumgänglich“, erklärt Dr. Hoffmann und räumt ein, dass eine Endokarditisoperation meist das ganze Können des Chirurgen fordert, da er nicht selten in irgendeiner unvorhergesehenen Weise improvisieren müsse.

METHODEN DER PROPHYLAXE UND BEHANDLUNG DÜRFEN UND MÜSSEN AUSGESCHÖPFT WERDEN
Aufgrund seiner täglichen Praxis kann Dr. Hoffmann aus ärztlicher Sicht nur ausdrücklich davor warnen, die bestehenden Richtlinien zur Endokarditisprophylaxe auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch der an sich zu begrüßende Wille zur Antibiotikumvermeidung müsse diesbezüglich hinterfragt werden, um nicht einen falschen Behandlungs- oder Vorbeugungsansatz zu wählen, der das Leben Betroffener gefährde. „Eine Endokarditis ist zwar behandelbar“, mahnt Dr. Hoffmann, „doch manche Patienten haben auch nach einer erfolgreichen Therapie noch einen langen Genesungsweg vor sich.“

Dr. med. Jörg Hoffmann,
Oberarzt, leitender Konsiliararzt und Facharzt für Herzchirurgie der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Würzburg

 

 

 

 

 

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