Jedes Ohr ist anders

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Jedes Ohr ist anders

Die Form der Ohrmuschel ist kein Zufall. Mit ihren Windungen und kurvigen Verläufen ist sie weit mehr als nur ein einfacher Schalltrichter. Im sichtbaren und markanten Teil des sehr komplexen Hörorgans werden schon hier einige Weichen gestellt, was später als Hörergebnis wahrgenommen wird.

 

Dabei geht es nicht allein um das Hören und Unterscheiden von Tönen und Geräuschen oder den Gleichgewichtssinn. Die Ohren helfen auch dabei die Richtung zu erkennen, aus der das Gehörte kommt. Sie haben damit einen erheblichen Einfluss auf unser Orientierungsvermögen.

Das wird dadurch möglich, dass wir zwei Ohren haben, wobei die Ohrmuscheln so angeordnet sind, dass der Schall sie fast nie gleichzeitig erreicht. Diese minimalen zeitlichen Differenzen reichen aus, um zielsicher die Schallquelle zu verorten. Das Prinzip funktioniert aber nur in den horizontalen Richtungen. Wichtige Erkenntnisse, wie die Ohren dagegen Höhenunterschiede erkennen, haben kanadische Forscher in einer aktuellen Studie wichtige Erkenntnisse veröffentlicht.*)

Bei ihren Untersuchungen lag der Fokus auf der Ohrmuschel. Mit kleinen Silikoneinsätzen veränderten die Wissenschaftler bei Versuchspersonen die Form der Mulde vor der Öffnung zum Gehörgang. Die Probanden konnten daraufhin nicht mehr unterscheiden, ob sich eine Geräuschquelle über oder unter ihnen befand. Demzufolge wertet das Gehirn nicht nur die reinen Schallwellen aus, die auf das Ohr treffen, sondern auch die Art und Weise, wie sie von der Form der Ohrmuschel modifiziert werden.

Nachdem die Versuchspersonen die Silikoneinsätze eine Woche lang getragen hatten, wurde ihr Richtungshören ein weiteres Mal getestet. Jetzt hatte sich ihr Gehör offenbar an die veränderten Bedingungen gewöhnt und sie konnten die Position der Schallquellen wieder sicher heraushören. Damit wurde einmal mehr auch die Plastizität des Gehirns nachgewiesen, nämlich die Fähigkeit, sich auf neue Bedingungen einzustellen.

Diese Anpassungsfähigkeit des Gehirns hat im Zusammenhang mit nachlassender Hörleistung zwei Seiten: zum einen wird die Gewöhnung an das schlechtere Hören dadurch begünstigt, was nicht selten zu einer verspäteten Hörgeräteanpassung führt. Zum anderen kann sich das Gehör aber auch wieder auf gutes Hören mit Hörsystemen einstellen. Allerdings sollte die Zeit zwischen dem Auftreten von Hörminderungen und der Versorgung mit Hörsystemen nicht zu lang sein, um die damit einhergehende Beeinträchtigung der Lebensqualität zu vermeiden.

*) R. Trapeau, M. Schönwiesner: The encoding of sound source elevation in the human auditory cortex, Journal of Neuroscience 5 March 2018

 

 

 

 

 

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