Hat die Insulinspritze bald ausgedient?

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Hat die Insulinspritze bald ausgedient?

Die täglichen Insulininjektionen empfinden viele Diabetiker als belastend und schmerzhaft. Ein wichtiges Ziel der Diabetes-Forschung ist es deshalb, künftig eine einfachere und angenehmere Insulingabe zu ermöglichen.

 

Das Hormon Insulin kann jedoch bislang nicht als Tablette oder Flüssigkeit geschluckt werden, da die Magensäure das Insulin zerstören würde. Deshalb wird es in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Es wird aber daran gearbeitet, Methoden zu entwickeln, um den blutzuckerregulierenden Wirkstoff trotz dieser Hürden oral verabreichen zu können.

Menschen mit Typ-1-Diabetes sowie in schweren Fällen von Typ-2-Diabetes, wenn eine Therapie mit blutzuckersenkenden Tabletten nicht mehr ausreicht, müssen mehrmals täglich Insulin injizieren. In Tablettenform kann das Hormon nämlich nicht bis ins Blut gelangen, da Magensäure und Verdauungsenzyme den Stoff zersetzen. Das bedeutet, dass das empfindliche Hormon die saure Umgebung des Magens quasi nicht überlebt – es wird vom sauren Magensaft einfach verdaut. Der Grund: Insulin ist ein Protein-Hormon und gegenüber Magensäure sehr instabil. Außerdem stellt die Darmwand eine Barriere dar, sodass das Insulin vom Dünndarm aus nicht in ausreichender Menge in die Blutbahn gelangt.

TABLETTE STATT INJEKTION?
Derzeit arbeiten Wissenschaftler an einer Insulin-Tablette, die mit einer säurefesten, d. h. magensaftresistenten Schutzschicht ummantelt ist, damit das Insulin den Magen unverdaut passieren kann. Die Tablette löst sich erst in der alkalischen Umgebung des Dünndarms auf und kann dann über den Darm in den Blutkreislauf gelangen. Erste Tests zeigten bereits gute Erfolge: Der Blutzuckerspiegel konnte mit der Tablette ähnlich gut kontrolliert werden wie mit einer Insulininjektion. Die Insulin-Tablette kann Studienergebnissen zufolge einfach hergestellt und bei Raumtemperatur etwa zwei Monate lang gelagert werden – länger als verschiedene Insulininjektionen. Noch befindet sich das Medikament in der vorklinischen Forschung und wird weiterhin auf Langzeitverträglichkeit und Bioverfügbarkeit hin untersucht.

Es werden auch spezielle Kapseln erforscht, die ebenfalls aus einem Material bestehen, welches das Insulin vor dem Abbau schützt, indem es erst freigesetzt wird, wenn die Kapsel die saure Umgebung des Magens verlässt.

FAZIT: Noch gehört es zum Alltag von vielen Diabetikern, Insulin zu spritzen. Es wird jedoch schon seit Längerem nach alternativen Darreichungsformen geforscht; so wurde u. a. auch ein Insulin-Pflaster vorgestellt. Bislang gibt es allerdings noch keinen Ersatz für Insulinspritzen.

Strategien, um die Insulinspritze in naher Zukunft durch andere Anwendungsarten zu ersetzen, werden aber stetig weiterentwickelt. Bis eine Insulin-Tablette auf dem Markt ist, wird es vermutlich aber noch einige Zeit dauern, da umfangreiche Studien und Zulassungsverfahren bis zur Marktreife erforderlich sind.

 

 

 

 

 

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