Hörprobleme betreffen auch die Mitmenschen

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Hörprobleme betreffen auch die Mitmenschen

Gutes Hören und Verstehen hat immer mehr als eine Seite. Wenn nämlich in Gesprächen häufiger mit „wie bitte?“ oder „verstanden?“ nachgefragt werden muss, scheint etwas mit der Verständigung nicht zu klappen. Gründe dafür gibt es viele, da Hören und Verstehen in jeder Hinsicht ein komplexer Vorgang ist, der durch äußere Einflüsse schnell gestört werden kann. Es wird aber auch deutlich, dass Kommunikation immer mehr als eine Seite hat und keine Sackgasse ist. Dabei gibt es sowohl die Perspektive derjenigen, die schlecht verstehen, als auch die der Gesprächspartner, die sich fragen, ob und warum sie nicht verstanden werden.

 

Hinzu kommt, dass sich Hörminderungen zumeist nur ganz allmählich und unauffällig ins Leben einschleichen. Die Betroffenen bemerken die Veränderungen in ihrem Alltag erst nach und nach. Die Schwierigkeiten mit den Ohren und dadurch entstehende Missverständnisse sind den Betroffenen häufig unangenehm. Deshalb schweigen sie zunächst über ihre Sorgen und Probleme. Auch Angehörige und Freunde bemerken mit der Zeit die Verständigungsschwierigkeiten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wären ein offenes Gespräch und Unterstützung für schwerhörige Menschen sehr wichtig. Denn gerade die Mitmenschen können Unsicherheiten ausräumen und den Besuch beim Hörexperten zu einer gemeinsamen Sache machen, die zur Problemlösung für alle Beteiligten beiträgt.

 

Wie Hördefizite auf Partner, Angehörige und Freunde wirken, das haben Wissenschaftler der University of Nottingham untersucht. Während gelegentliche Kommunikationsstörungen meistens schnell geklärt und nicht weiter beachtet werden, sieht es ganz anders aus, wenn sich die Missverständnisse häufen. Dann beginnt das soziale Umfeld, sein eigenes Verhalten und den Umgang mit den Betroffenen auf die neue Situation anzupassen. Dazu zählt lautes und deutliches Sprechen, um ständiges Nachfragen zu vermeiden. Vorsorglich wird auf Telefon- oder Türklingeln hingewiesen und Radio, Fernsehen und Musik werden aus Solidarität viel lauter eingestellt als nötig.

 

Die Mitmenschen stellen sich darauf ein, für die schwerhörigen Angehörigen mitzuhören. Das ist gut gemeint, hilft allen Beteiligten aber nicht weiter. Denn die Hörprobleme werden dadurch nicht behoben. Stattdessen geraten die unterstützenden Mitmenschen selbst in stressige Situationen, während für die Betroffenen die Kommunikationshindernisse abgefedert und verharmlost werden. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, warum viele Menschen länger als nötig mit einer Hörgeräteversorgung warten.

 

Die britischen Forscher raten deshalb auch dazu, die Angehörigen in die Behandlung miteinzubeziehen, da sie den Hörakustiker mit wertvollen Informationen unterstützen können. Außerdem werden so Akzeptanz, Rehabilitation und Gewöhnung an die Hörtechnologie teilweise erheblich erleichtert und verbessert. Die Initiative für den Besuch beim Hörexperten sollte dabei frühzeitig von den Betroffenen wie auch von Partnern, Angehörigen und Freunden bzw. idealerweise allen zusammen ausgehen, denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als das harmonische Miteinander und den Erhalt der gewohnten Lebensqualität.

 

 

 

 

 

 

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