Cannabis: Von falschen Vorstellungen …

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Cannabis: Von falschen Vorstellungen und Schulmedizinischem Potenzial

Angelika Wäschle ist eine anerkannte Heilpraktikerin mit langjähriger Berufserfahrung. Die therapeutischen Möglichkeiten von Cannabis erkannte sie bereits sehr früh. Seitdem setzt sie sich für einen vorurteilsfreien Umgang mit Cannabis in medizinischer Anwendung ein.

 

Frau Wäschle, Sie sind anerkannte Heilpraktikerin und kämpfen bereits seit vielen Jahren für die Anerkennung von Cannabis als Medikament. Haben Sie persönlich schon Erfahrung mit Cannabis-Produkten gemacht?

Ich persönlich nehme seit ungefähr zwei Jahren Cannabis-Öl ein. Meine bisherigen Erfahrungen damit sind weitgehend positiv. Ich kann beispielsweise viel besser ein- und durchschlafen. Angefangen hat aber alles mit meinem Mann. Er war schwer krebskrank und litt unter starken Schmerzen. Da die Schulmedizin schließlich an ihre Grenzen stieß, probierte er hochdosiertes THC-haltiges CBDÖl, um seinen Lebensabend schmerzfrei verbringen zu können. Bis zu seinem Tod war er weitestgehend schmerzfrei. Das war uns beiden sehr wichtig.

Wie häufig verschreiben Sie Cannabis-Medikamente und bei welcher Indikation?

Ich verschreibe kein CBD-Öl. In Fällen, in denen ich die Einnahme aufgrund meiner Erfahrung für richtig halte, spreche ich lediglich eine Empfehlung aus. Der Patient muss sich dann selbst schlau machen, mit seinem Arzt sprechen und dann entscheiden, ob er CBD-Öl nehmen will. Beschwerden, bei denen CBD-Öl Linderung verschaffen kann, sind beispielsweise Angststörungen, Epilepsie, Nervenerkrankungen wie M. Parkinson, Multiple Sklerose, Belastungsstörungen, rheumatische Beschwerden und natürlich starke Schmerzen bei Krebserkrankungen.

Das in Cannabis enthaltene THC sorgt für dessen berauschende Wirkung. In frei verkäuflichen Produkten mit Cannabidiol ist der THC-Gehalt jedoch sehr gering, um eine solche Rauschwirkung zu vermeiden. Was sind also die wirksamen Stoffe in CBD-Produkten?

CBD-Öl gibt es in zweierlei Formen, dem Vollspektrum und dem Isolat. Beim Isolat handelt es sich um ein reines Öl aus Hanf, das auch synthetisch hergestellt werden kann. Das Vollspektrum enthält CBD, CBDa, CBG, CBGa sowie CBC, CBCa und noch viele weite Cannabinoide, durch die die Bioverfügbarkeit, also die Möglichkeit des Organismus, die Inhaltsstoffe zu verarbeiten, um das Zweifache erhöht wird.

Gibt es auch CBD-Öle mit einem THC-Gehalt, der über dem gesetzlich festgelegten Grenzwert von 0,2 % liegt? Wenn ja, welchen gesundheitlichen Nutzen haben solche hochpotenten Öle? Oder handelt es sich dabei um Produkte, die eher dem „Recreational“-Bereich zuzuordnen sind?

Natürlich gibt es CBD-Öle mit einem sehr hohen Anteil an THC. Diese müssen aber in Apotheken, auf Rezept vom Arzt und mit Genehmigung der Krankenkasse hergestellt werden. Sie werden zum Beispiel bei Krebserkrankungen und schweren, unheilbaren Erkrankungen eingesetzt. Dem „Recreational“-Bereich sollten sie daher nicht zugeordnet werden.

Welchen gesellschaftlichen Umgang mit Cannabis-Produkten wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wenn die Menschen das Wort „Cannabis“ hören, denken sie an Drogensucht und Abhängigkeit. Hier ist eine gute und sorgfältige Aufklärung nötig, um über die medizinischen Vorteile der Pf lanze zu informieren. Glücklicherweise gibt es immer mehr Ärzte, die diese Vorteile kennen. Hier wünsche ich mir, dass diese Ärzte alleine über Sinn und Nutzen einer Cannabis-Therapie entscheiden dürfen und nicht über Hürden springen müssen, die sie unnötig viel Zeit und Nerven kosten. Die Schulmedizin würde davon profitieren – und somit natürlich die Patienten.

 

 

 

 

 

 

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