Leben mit einer Insulinpumpe

Susanne Löw, Typ-1-Diabetikerin  © Anke Bewert

 

Leben mit einer Insulinpumpe

Einmal Pumpe, immer Pumpe. Susanne Löw (38) – Typ-1-Diabetikerin seit dem Jahr 2002 – trägt seit 15 Jahren eine Insulinpumpe. Für die Journalistin steht schon lange fest: Ihre Pumpe gibt sie nicht mehr her!

 

Eine Insulinpumpe? Also die Versorgung mit Insulin über einen Katheter, der rund um die Uhr unter der Haut liegt? Auch nachts, wenn man der Technik die komplette Kontrolle überlassen muss? Und was, wenn der Katheterschlauch unbemerkt kaputtgeht und eine lebensbedrohliche Überzuckerung droht? Ich erinnere mich noch ganz genau an meine Vorbehalte, als mich mein Diabetologe nach drei Jahren intensivierter Therapie mit Insulinspritzen im Jahr 2005 davon überzeugen wollte, auf eine Insulinpumpe umzusteigen. Als grundsätzlich neugieriger Mensch und damals 24-jährige Studentin habe ich mich trotzdem darauf eingelassen. Zumal mir mein Diabetologe deutlich gemacht hat, dass eine Insulinpumpe die „Königsdisziplin“ in der Diabetestherapie sei, da man mit ihr die natürliche Insulinabgabe einer Bauchspeicheldrüse am besten nachahmen könne. Und schon am Ende meiner stationären Schulungszeit in einem Krankenhaus, in der ich nicht nur viel Theorie gelernt habe, sondern auch die Pumpe erstmals „angeschlossen“ wurde, war mir klar: In Zukunft nie mehr ohne!

TECHNISCHE FORTSCHRITTE
Bis heute trage ich seither durchgängig eine Insulinpumpe. Zweimal habe ich seither den Hersteller gewechselt, wobei der Schritt hin zu einer (schlauchlosen) Patchpumpe im Jahr 2013 bisher der größte Sprung und ein echter Meilenstein für mich war: Statt eines Katheterschlauchs einer Pumpe, die man am Hosenbund, in der Hosentasche oder sonst wo am Körper verstauen muss, klebt seither eine Patchpumpe als Einmalsystem wie ein größeres Pflaster komplett am Körper und wird über eine Fernbedienung gesteuert. Alle paar Tage wird die Pumpe am Körper ersetzt.

Von einem Tag auf den anderen konnte ich damals einfach in die Dusche gehen, ohne „das Kästchen“ wie sonst immer bis dahin abzukoppeln. Auch beim An- oder Umziehen störten auf einmal keine Kabel oder Kästchen mehr – toll! Mit der Patchpumpe ist die Insulinpumpe im wahrsten Wortsinn tatsächlich ein echter Teil von mir geworden.

Die Pumpe ist so sehr Teil von mir, dass ich mich nicht scheue, sie in der Öffentlichkeit zu zeigen. Manchmal klebe ich die Patchpumpe an den Oberarm, im Sommer sieht man sie im Bade-Outfit ohnehin, ebenso in der Sauna. Manchmal erlebt man als halber „Cyborg“ nette Anekdoten: Für ein Nikotinpflaster, eine aufwendige Impfung oder sogar einen WLAN-Hotspot wurden meine technischen Geräte schon gehalten …

FLEXIBLE THERAPIE
Aber nein: Meine Pumpe ist weder Nikotinpflaster noch WLAN-Hotspot, sondern für mich die perfekte Lösung, um flexibel und einfach meine Diabetestherapie an meinen Alltag anpassen zu können. Ich muss nicht mehr zweimal täglich Langzeit- und zu jeder Mahlzeit Kurzzeitinsulin spritzen, sondern gebe bei Mahlzeiten einfach die Menge der Kohlenhydrate in meiner Fernbedienung ein. Die basale Insulinversorgung verläuft automatisch nach einer individuell programmierten Basalrate.

Den Teflon-Katheter unter der Haut spüre ich überhaupt nicht – auch nicht nachts, wenn ich mal auf der Pumpe liege. Und in 15 Jahren hat mich die Pumpe auch noch in keine kritische Situation gebracht, wie ich es 2005 noch befürchtet habe. Mein Fazit fällt daher nach 15 Jahren genauso aus wie damals: Meine Insulinpumpe gebe ich nicht mehr her.

 

 

 

 

 

 

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