Was dem Herz gefällt!

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Was dem Herz gefällt!

Studien belegen es immer wieder: Wer sich regelmäßig bewegt und gesund ernährt, senkt sein persönliches  Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beträchtlich  – ganz nach dem Motto: Vorbeugen ist besser als heilen.  Davon profitieren auch und sogar ganz besonders Menschen, bei denen Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiken „in der Familie liegen“, oder die beispielsweise wegen Diabetes besonders gefährdet sind. „Je höher die Vorbelastung eines Menschen ist, desto größer ist der Nutzen, den er durch eine gesunde Lebensweise erzielen kann“, betont Heribert Brück, Sprecher des Bundesverbands niedergelassener Kardiologen (BNK). Ist die Herzgesundheit einmal angeschlagen, ist also auf keinen Fall „eh alles egal!“. Im Gegenteil: Dann lohnt es sich besonders, das Herz gut zu behandeln!

 

Rund 100.000-mal pro Tag pumpt unser Herz Blut durch unseren Körper. Um unser Muskelpaket bei dieser Schwerstarbeit zu unterstützen, können wir einiges tun! Hier sieben Schritte zu besserer Herzgesundheit!

Aber was heißt das, das Herz gut behandeln? Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt dazu sieben Schritte. Keine Angst – Sie müssen nicht alle auf einmal bearbeitet werden. „Wir empfehlen, mit mehr Bewegung anzufangen und dann erst weitere Vorsätze anzugehen“, betont der Kardiologe und Reha-Spezialist Prof.  Dr. med. Bernhard Schwaab vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Denn man fühlt sich dann schnell besser und ist leistungsfähiger. 

 

Bewegter Alltag 

Wer sich regelmäßig bewegt, beugt wirksam Herz- und Gefäßkrankheiten, aber auch  Diabetes und Krebserkrankungen wie Darm- oder Brustkrebs vor. Ideal sind fünfmal pro Woche ca. 30 Minuten – zum Beispiel Joggen, schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining oder auch Tanzen. Ein bewegter Alltag ist ein guter Alltag: Fahrrad statt Auto und E-Roller, Treppe statt Aufzug, im Büro stehend statt sitzend telefonieren und arbeiten. „Herzpatienten sollten aber ihre Belastbarkeit mit ihrem Arzt besprechen“, rät Schwaab.

Das gilt auch für Menschen ohne Erkrankung nach längerer Pause ohne sportliche Aktivität. Bewegung schützt nicht nur vor Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), sondern kurbelt auch Zellerneuerung, Hirnaktivität und Stoffwechselprozesse an.

(Info: www.herzstiftung.de/Ausdauersport.html)

 

Ernährung: Gesund und vollwertig!

Herzspezialisten empfehlen die traditionelle Mittelmeerküche, weil sie erwiesenermaßen den Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen chronischen Leiden wie Diabetes und sogar Krebs erhöht. „Die mediterrane Kost setzt auf Obst und Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, wenig Fleisch, dafür eher Fisch, auf Oliven- und Rapsöl und auf Kräuter anstelle von Salz“, erklärt  Prof. Schwaab. Denn Salz bindet Wasser im Körper, und das kann wiederum zu Bluthochdruck führen. Weil zu viel Zucker in Lebensmitteln und Getränken das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes erhöht, gilt es Zucker nicht nur in Getränken zu vermeiden, sondern auch in Lebensmitteln wie Joghurt, Salatsoßen oder Ketchup. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft dabei, dem süßen  Verführer aus dem Weg zu gehen. 

 

Gewicht im Blick halten

Bewegung und gesunde Ernährung ebnen Schritt für Schritt den Weg zum Normalgewicht. Wer schon dabei ist, denkt am besten auch gleich daran, möglichst wenig Alkohol zu trinken. Alkohol hat viele Kalorien und kann indirekt über die Zunahme an Gewicht zu hohem Blutdruck führen. Vor allem Bauchfett produziert Hormone und entzündungsfördernde Botenstoffe, deshalb sollten Männer einen Taillenumfang von weniger als 102 und Frauen weniger als 88 cm anstreben. „Jedes Kilo und jeder Zentimeter weniger wirken sich günstig auf den Blutdruck aus“, betont Prof. Schwaab. 

 

Finger weg vom Rauchen

Mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen lohnt sich! Denn Nikotin ist ein starkes Gift  für die Gefäße und Rauchen ein  Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Arterienverkalkung.

E-Zigaretten sind keine wirkliche Alternative, denn auch sie sind nicht gesundheitlich unbedenklich. Unterstützende Programme zum Aufhören mit Rat und Hilfen gibt es unter anderem unter: www.rauchfrei-info.de/

 

Auf den Blutdruck achten

Bluthochdruck ist tückisch, weil man ihn zunächst weder spürt noch sieht, er gilt als „stiller Killer“. Unerkannt und unbehandelt steigert Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und auch Nierenschäden. Deshalb ist regelmäßiges Messen hilfreich – beim Arzt oder auch zu Hause.

Von Bluthochdruck sprechen Ärzte, wenn verschiedene Oberarm-Messungen in der Praxis an unterschiedlichen Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher ergeben. Bei Selbstmessungen daheim gilt eine Obergrenze von 135 zu 85 mmHg. Die Blutdruckwerte in der Praxis dürfen etwas höher sein, weil meist die Patientinnen und Patienten bei der Messung etwas aufgeregt sind („Weißkittelhochdruck“).

 

Cholesterinwerte im Rahmen halten

Seit Jahrzehnten belegen Studien, dass erhöhte Cholesterinspiegel im Blut ein wichtiger Risikofaktor für Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall sind. Hohe LDL-Cholesterinspiegel verursachen Gefäßveränderungen in den Arterien des Herzens (Arteriosklerose) und auch in Hirnarterien mit der Bildung von Ablagerungen in diesen Gefäßen (Plaques). Zusätzlich haben Studien gezeigt, dass sich eine medikamentöse Senkung erhöhter Cholesterinwerte günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Zur Infarktvorbeugung trägt eine Untersuchung des Cholesterinspiegels beim regelmäßigen Gesundheits-Check ab 35 Jahren einmal im Jahr beim Hausarzt bei, betont Prof. Schwaab. „Nutzen Sie die!“

 

Entspannung in den Alltag bringen

Natürlich ist Stress nicht gesund – aber er macht auch nicht automatisch krank. Krank wird oft, wer sich anschließend nicht entspannen kann. Denn bei Stress wappnet sich der Körper für eine kommende Anstrengung: Stresshormone regen an, dass der Blutzucker steigt, mehr Insulin ausgeschüttet wird, das Herz schneller schlägt und der Blutdruck steigt. Das ist für eine zeitlich begrenzte, erst recht für eine körperliche Anstrengung sehr hilfreich. Dauert die Stresssituation aber über längere Zeit (und „entlädt“ sich auch nicht in körperlicher Anstrengung), kann die dauerhafte Aktivierung und Ruhelosigkeit dem Körper schaden.

Die Folge können Entzündungsreaktionen im Körper sein, im schlimmsten Fall Diabetes, Schlaganfall, Arteriosklerose und Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Achten Sie daher auf ein Gleichgewicht zwischen Stress und Entspannung. „Sorgen Sie für Inseln der Ruhe, die Sie mit Leben füllen. Also Aktivitäten, die den Stress vergessen lassen: musizieren, lesen, malen, tanzen, mit Freunden kochen, mit den Kindern spielen, einem Verein beitreten oder gemeinsam Konzerte und Sportereignisse besuchen.“ Auch Entspannungstechniken sind sehr hilfreich: progressive Muskelentspannung, Atemgymnastik, Yoga, Qigong oder Tai-Chi. Und vor allem: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, denn auch das schafft unnötigen Druck. Beginnen Sie langsam!

 

Woran das Herz leidet

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Aber was verbirgt sich hinter diesem Sammelbegriff? Hier ein kleines Glossar der häufigsten Herzleiden:

Koronare Herzkrankheit (KHK):

Die Gefäße, die das Herz wie einen Kranz umgeben (daher der Name „Herzkranzgefäße“ oder „Koronarien“, lat. Corona = Kranz), sind verengt. Das führt zu Durchblutungsstörungen des Herzens: Es bekommt phasenweise nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe.

Bluthochdruckliegt vor, wenn der Blutdruckwert in Ruhe mehrfach über oder gleich 140/90 mmHg liegt. Hoher Blutdruck schädigt auf Dauer Gefäße und Organe und kann zu einer Einengung der Herzkranzgefäße führen.

 

Herzmuskelentzündung (Myokarditis):

Die Herzmuskelzellen sind entzündet, meist als Folge einer Virusinfektion wie z.B. beim Pfeifferschen Drüsenfieber. Schäden an Herzklappen und Herzmuskel sind möglich.

 

Herzrhythmusstörungen:

Das Herz schlägt unregelmäßig. Es kann rasen (Tachykardie) oder deutlich zu langsam schlagen (Bradykardie). Eine Herzrhythmusstörung kann zu plötzlicher Bewusstlosigkeit führen und auch eine Herzschwäche hervorrufen oder eine bestehende verschlimmern. Ein unregelmäßiger Herzschlag kann die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) im Vorhof begünstigen. Werden solche Gerinnsel aus dem Herzen in die Gefäße gespült, kann die Folge ein Schlaganfall sein.

 

Herzklappenerkrankung:

Die Herzklappe ist verengt oder schließt nicht mehr korrekt, sodass der normale Blutfluss im Herzen gestört ist.

 

Herzschwäche  (Herzinsuffizienz): 

Das Herz ist zu schwach, um ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen.

 

Kardiomyopathie  (= kranker Herzmuskel): 

Der Herzmuskel ist verdickt und/oder die Herzhöhlen sind ausgeweitet. Dadurch nimmt die Leistungsfähigkeit des Muskels allmählich ab, was zu einer Herzschwäche führen kann.

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit:

Die Arterien in den Beinen sind verengt. Die Folge ist eine unzureichende Versorgung mit Blut. Im Anfangsstadium reicht die Durchblutung noch aus. Später kommt es beim Gehen zu Schmerzen.

 

Coronavirus

Herzpatienten sind besonders gefährdet, denn Infektionen sind eine zusätzliche Belastung für Ihr bereits geschädigtes Herz-Kreislauf-System. Deshalb sollten Sie Ihre Medikamente jetzt besonders gewissenhaft wie verordnet einzunehmen. Falls Sie Fieber oder Husten haben, sollten Sie immer die Möglichkeit einer COVID-19-Infektion im Hinterkopf haben und sich so telefonisch an das örtliche Gesundheitsamt, den ärztlichen Notdienst  (Tel. 116117) oder den Hausarzt wenden – und auf keinen Fall unangemeldet in einer Arztpraxis erscheinen.

„Bleiben die negativen Anzeichen unbehandelt, besteht höchste Gefahr, den Herzmuskel nachhaltig zu schädigen oder sogar den plötzlichen Herztod zu erleiden. Suchen Sie bei Beschwerden zeitnah den Hausarzt oder Kardiologen  Ihres Vertrauens auf“, berichtet Dr. med. Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen.

 

 

 

 

 

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