Fürsorge & Selbstfürsorge

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Fürsorge & Selbstfürsorge

Wie wir während der Corona-Krise auf uns selbst und andere achten können

Selten zuvor stand unsere moderne Gesellschaft vor einer ähnlich großen Herausforderung wie in Zeiten von Covid-19. Und doch wird gerade jetzt deutlich, was wir als Gemeinschaft alles leisten können – und welche Stärke aus verantwortungsvollem und solidarischem Miteinander erwächst.

 

Während der letzten Wochen und Monate ist vielen von uns erstmals deutlich geworden, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Angefangen bei einer brachliegenden Wirtschaft über Reiseverbote, gefährdete Arbeitsverhältnisse und die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis hin zu den ganz individuellen Folgen der umfassenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sind die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie für uns alle auf die eine oder andere Art und Weise deutlich spürbar.

Doch gerade in diesen Krisenzeiten wachsen wir auch über uns hinaus: Während allenthalben Distanz gefordert wird, rücken wir zusammen – zumindest bildlich gesprochen. Überall in Deutschland engagieren sich die Menschen füreinander: die einen professionell in den schon immer essenziellen, neuerdings aber „systemrelevant“ genannten Berufen; die anderen ehrenamtlich in ihrem direkten Umfeld; viele fast gänzlich unbemerkt durch alltägliche kleine und große Gesten und durch das Übernehmen von Verantwortung.

Wir alle leben damit ganz praktisch, was sonst eher viel zitiert wird: ein soziales Miteinander. Aus der „Sorge vor“ machen wir die „Sorge für“ – im besten Fall für uns selbst genauso wie für andere.

 

Nähe trotz Distanz

Nicht nur draußen auf der Straße, im Supermarkt oder dem Büro sollen wir gerade Abstand halten. Auch innerhalb der Familie mussten oder müssen wir auf Distanz gehen. Das betrifft insbesondere den Kontakt zu den Großeltern, die meist aufgrund ihres Alters, manchmal auch wegen einer Vorerkrankung automatisch zur Risikogruppe gehören. Gerade jetzt, wo die Möglichkeiten des Kontakts so eingeschränkt sind, fühlen sich viele Menschen aber sogar stärker mit ihren Eltern und Großeltern verbunden. Man telefoniert öfter, tauscht sich häufiger aus. Vielleicht redet man ja sogar über wichtigere Dinge als sonst. In jedem Fall teilen wir seit einigen Monaten unsere Sorgen und Ängste viel bereitwilliger mit unseren Lieben als zuvor. Manchen Menschen fällt es am Telefon auch schlicht leichter, ihre Zuneigung auszudrücken, auszusprechen, wie wichtig das Gegenüber ist, wie unersetzbar. Damit schaffen wir genau jenes Gefühl der Gemeinschaft und des Miteinanders, das uns dabei hilft, mit all den Problemen, die sich aus der aktuellen Gesundheitslage ergeben, umzugehen.

 

Immunabwehr aus dem Bauch heraus

Neben der Sorge für andere müssen wir aber auch für uns selbst Sorge tragen. Das machen wir am besten, wenn wir auf unsere Gesundheit achten, insbesondere indem wir die Empfehlungen zum Infektionsschutz befolgen. Doch trotz aller Hygieneregeln und Vorsichtsmaßnahmen gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung. Dann kommt es darauf an, dass unser Immunsystem in der Lage ist, den Angriff abzuwehren. Resilienz nennen das die Experten. Um es bei dieser Aufgabe zu unterstützen, können wir unser Immunsystem sehr leicht stärken. Da wäre zunächst einmal die Ernährung. Eine gesunde Ernährung, durch die auch unsere Abwehrkräfte auf Touren kommen, sollte viele frische, unverarbeitete Zutaten beinhalten. Insbesondere Obst und Gemüse liefern unserem Organismus nicht nur wertvolle Vitamine wie Vitamin A, Vitamin C, Vitamin B6 und Folsäure, sondern auch eine gute Portion Ballaststoffe. Von diesen Ballaststoffen profitiert vor allem unser Darm, in dem sich immerhin drei Viertel all unserer Immunzellen befinden. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist aber immer auch abwechslungsreich, weshalb zum Beispiel Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Milch sowie Milchprodukte ebenfalls auf dem Speiseplan stehen sollten. Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte zumindest zu magerem, hellem Fleisch greifen und stark verarbeitete Fleischprodukte wie Würste und Ähnliches meiden.

 

Perfektes Zusammenspiel von Ruhe und Tatkraft

Neben der Ernährung hat auch unser Lebensstil einen spürbaren Einfluss auf unsere Abwehrkräfte. So ist jemand, der ständig schlecht oder zu wenig schläft, deutlicher anfälliger für Infekte als jemand, der regelmäßig seine gute Mütze Schlaf abbekommt. Ebenso wichtig für unser Immunsystem wie ausreichend Schlaf ist jedoch körperliche Aktivität. Insbesondere durch Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen können wir nicht nur unseren körpereigenen Sicherheitsdienst mobilisieren, sondern darüber hinaus auch den Stoffwechsel und andere lebenswichtige Prozesse fördern. Ein weiterer Pluspunkt: Durch regelmäßiges Training bauen wir wunderbar Stress ab. Und wer ein Ventil für seine innere Anspannung findet, lebt ebenfalls gesünder. Denn andauernder Stress wirkt sich nicht nur auf unsere Psyche, sondern auch auf unseren Körper aus. Deshalb sind Yoga und andere Bewegungs- und Entspannungstechniken bestens geeignet, um allzeit fit und abwehrbereit zu sein – sowohl geistig als auch körperlich.

 

Gegen den Corona-Blues

Covid-19 kann nicht nur unseren Körper krankmachen, sondern auch unsere Stimmung in die Knie zwingen. Denn neben all den Sorgen um die Familie und den Ängsten vor einer Ansteckung oder finanziellen Engpässen zehrt noch etwas anderes an uns: die Langeweile, die unser Zuhause allmählich in ein allzu vertrautes Gefängnis verwandelt. Das ist schon etwas paradox, denn eigentlich ist Freizeit für die allermeisten Menschen ein ebenso wertvolles wie rares Gut. Aktuell haben wir aber nicht selten einfach zu viel davon. Das Problem: Während wir uns sonst ins Getümmel stürzen und uns von der Welt um uns herum ablenken lassen können, sollen wir jetzt Abstand halten, möglichst niemanden treffen, bei einem Infektionsverdacht sogar ganz zu Hause bleiben. Um da nicht irgendwann die Wände hochzugehen, sollten wir uns wo es nur geht ablenken. Eines der besten und bewährtesten Mittel hierfür: Sport, am besten natürlich an der frischen Luft. Zur Not können wir aber auch kurzerhand den Wohnzimmerboden in eine Trainingsfläche verwandeln. Ob nun einfache Gymnastikübungen und Kniebeugen, Samba, Zumba oder fernöstliche Bewegungskunst wie Tai Chi – das alles kann man wunderbar in den eigenen vier Wänden machen. Ebenfalls in Schwung bringt man den Kreislauf, indem man sich in den Frühjahrsputz stürzt. Je nachdem, welche Arbeiten anstehen, können dabei sogar die Kinder mit anpacken – oder stattdessen eines der vielen Home-Schooling-Angebote im Fernsehen oder als App nutzen. Vielleicht fallen Ihnen beim Blick durch die Wohnung ja auch einige Dinge auf, die Sie schon längst machen wollten: das Bild aufhängen, diesen einen Film schauen, das Regal aufstellen. Jetzt haben Sie die Zeit dafür. Wer raus darf, kann auch bei älteren Menschen in der Nachbarschaft nachfragen, ob sie bestimmte Einkäufe benötigen oder der Hund mal raus muss. Natürlich können Sie auch einfach fernsehen, musizieren, lecker kochen und danach mit dem Buch in der Hand auf der Couch ausspannen. Am Ende des Tages geht es doch nur darum, dass wir nicht von uns selbst und der Welt angeödet ins Bett fallen, sondern möglichst zufrieden und glücklich sind.

 

Corona als Belastungsprobe für den Haussegen

Doch selbst wenn wir es schaffen, uns ein positives Grundgefühl zu bewahren, gilt das nicht unbedingt im gleichen Maße für unsere Umwelt. So kann es angesichts von geschlossenen Schulen und Kindergärten, Kontaktbeschränkungen und Home Office durchaus passieren, dass die Stimmung in der Familie irgendwann kippt. Gerade bei einem Haushalt mit Kindern sollten wir uns in einigen Tugenden üben, mit deren Hilfe wir vielleicht nicht ganz konfliktfrei, sicherlich aber doch etwas entspannter durch den Alltag kommen – und die darüber hinaus sogar nach Corona noch nützlich sein werden, wenn wir die Chance nutzen, und sie dauerhaft in unseren Lebensstil einbauen. Ganz grundlegend sollten wir versuchen, die Zügel etwas lockerer zu lassen: was die Wollmäuse unter der Couch angeht, das durcheinandergewürfelte Spielzeug im Kinderzimmer, das Unkraut im Vorgarten oder den schmutzigen Topf, der noch auf dem Herd steht. „Gelassenheit“ lautet das Stichwort. Natürlich ist es schön, wenn alles geregelt, verstaut und sauber ist. Nur gerade jetzt ist eben nicht unbedingt die beste Zeit, um den eigenen Perfektionismus auszuleben. Denn der stresst nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld. Vielleicht helfen dabei auch ein paar einfache Regeln, die sie gemeinsam mit Ihrer Familie aufstellen können. Das können beispielsweise Ruhezeiten sein, während derer die Kinder im Zimmer spielen und Sie in Ruhe die Geschäftsmails checken können. Oder ein all- abendliches Stündchen im Garten, um gemeinsam abzuschalten und den Tag hinter sich zu lassen. Alles, was Halt, Struktur und Orientierung gibt, kann dabei helfen, Stress zu vermeiden und Harmonie zu erzeugen.

 

 

Vorratshaltung statt Hamsterkäufen

Ein Bild zu Beginn der Corona-Krise: verängstigte Männer und Frauen rollen mit turmhoch beladenen Einkaufswagen aus dem Supermarkt. Hamstern war ein riesiges Problem. Die Reaktionen auf diese Vorratskäufe reichten von Belustigung bis hin zu Empörung. Mancherorts kam es sogar zu handfesten Auseinandersetzungen, weil die Meinungen darüber, was sozial noch verträglich sei, weit auseinander klafften. Allerdings wird seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass auch die Bundesregierung allen Bürgern empfiehlt, einen Vorrat an Lebensmitteln und anderen essenziellen Produkten wie Medikamenten, Hygieneartikeln oder Batterien anzulegen. Mithilfe eines solchen Notvorrats soll im Ernstfall ein Versorgungsengpass von circa zehn Tagen überbrückt werden können. Es spricht also ganz und gar nichts gegen eine vorausschauende Vorratshaltung. Ganz im Gegenteil ist sie sogar empfehlenswert, um auf eventuelle Krisensituationen vorbereitet zu sein. Und außerdem könnten dadurch genau solche Hamsterkäufe, wie wir sie kürzlich erlebt haben, vermieden werden.

 

Die Krise als Lebens-  und Lernhilfe

Etliche Tausende Menschen haben sich hierzulande mittlerweile mit dem Corona-Virus infiziert, die meisten davon sind mittlerweile wieder genesen, zu viele sind daran gestorben. Zynismus ist hier völlig fehl am Platz, und doch müssen wir erkennen, dass diese Krise auch etwas Gutes birgt: Zunächst einmal hat sich gezeigt, dass unser Gesundheitssystem bisher in der Lage war, auch diese schwierige Herausforderung zu meistern. Natürlich hat uns Covid-19 strukturelle Schwachstellen aufgezeigt. Doch nur erkannte Schwächen lassen sich beheben. Außerdem wurde uns allen noch einmal verdeutlicht, welches kostbare Gut unsere Gesundheit ist. Wir sollten sie also niemals als eine Selbstverständlichkeit ansehen, sondern stattdessen alles Nötige dafür tun, um sie zu erhalten. Dazu gehört auch, sich einmal ganz bewusst mit sich selbst zu beschäftigen, in sich hineinzuhorchen und den eigenen Wünschen und Bedürfnissen nachzuspüren. Und zu guter Letzt bot und bietet uns diese Pandemie noch immer die Möglichkeit, nicht nur von Gemeinsamkeit, Nähe und Fürsorge zu reden, sondern diese Grundsätze einer friedlichen und solidarischen Gesellschaft auch tatsächlich zu leben. Und das werden wir wahrscheinlich noch einige Zeit müssen, denn Covid-19 wird uns vermutlich noch länger begleiten.

 

Hoffentlich retten wir einige der positiven Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen und Monaten machen durften, ganz freiwillig und aus Überzeugung in die Post-Corona-Zeit hinüber.

 

Hotlines für Hilfesuchende

Manchmal brauchen wir trotz aller Liebe Hilfe von Außenstehenden, damit uns die Dinge nicht über den Kopf wachsen.

Kinder, die Hilfe benötigen, können sich zwischen 14 und 20 Uhr an die „Nummer gegen Kummer“ wenden:  0800 1110333,

Eltern an die: 0800 1110550.

Frauen, die vertraulich mit jemandem über Probleme wie beispielsweise häusliche Gewalt sprechen möchten, können sich an das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden. Unter der Telefonnummer

08000 116016 erreichen sie dort rund um die Uhr, anonym und in 18 Sprachen jemanden, der sie berät und bei Bedarf an helfende Einrichtungen weitervermittelt.

Hilfe erhält man ebenfalls bei der Telefonseelsorge. Die ist 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr für alle Rat- und Hilfesuchenden erreichbar:

0800 1110111 und  0800 1110222

 

 

Test positiv – und jetzt?

Seit einigen Wochen werden die Tests auf das neue Corona-Virus hochgefahren. Doch was bedeutet ein positives Testergebnis für die Erkrankten? Das hängt zunächst einmal davon ab, ob die Betroffenen unter stationäre Quarantäne im Krankenhaus gestellt werden, oder ob vermutlich schon eine häusliche Quarantäne in den eigenen vier Wänden ausreicht.

 

Wird offiziell eine häusliche Quarantäne durch das Gesundheitsamt angeordnet, gelten für Betroffene einige Regeln. Zunächst einmal endet die Quarantäne nicht automatisch, sondern erst, wenn sie durch die zuständige Behörde wieder aufgehoben wird. Bis dahin dürfen Betroffene ihre Wohnung nicht ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes verlassen, keinen Besuch von Personen empfangen, die nicht dem eigenen Haushalt angehören und keinen engeren Kontakt zu Personen haben, mit denen sie zusammenleben. Darüber hinaus sollten auch alle anderen Mitglieder des Haushalts nach Möglichkeit ihre Kontakte zu anderen Menschen reduzieren und bei Symptomen einer Ansteckung umgehend den Hausarzt anrufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

 

ACHTUNG: Wer gegen die Quarantäneregeln verstößt, handelt nicht nur verantwortungslos, sondern riskiert außerdem empfindliche Geld- und sogar Freiheitsstrafen.

 

 

 

 

 

 

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