„Unsere Nasennebenhöhlen – Ein mysteriöses Tunnelsystem in unserem Schädel“

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„Unsere Nasennebenhöhlen – Ein mysteriöses Tunnelsystem in unserem Schädel“

 

Herr Dr. Fischer, Sie als Hals-Nasen-Ohren-Arzt sind doch mitunter so etwas wie ein Höhlenforscher. Welche Funktion erfüllen denn unsere Nasennebenhöhlen?

Da ist sich die Wissenschaft nicht ganz einig. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Nebenhöhlen existieren, um das Gewicht des Kopfes zu reduzieren. Man könnte sagen, sie sind eine Art Leichtbauweise des Körpers. Für die Atmung selbst sind sie jedenfalls irrelevant.

Warum irrelevant? Wenn ich erkältet bin, dann sind die Nebenhöhlen zu und ich bekomme schlechter Luft.

Genau das höre ich in meiner Praxis auch sehr häufig. Dabei handelt es sich aber um ein Missverständnis. Anatomisch unterscheidet man die Nasennebenhöhlen und die Nasenhaupthöhle mit den Nasenmuscheln. Die Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft geschieht durch die Nasenmuscheln. Und diese Nasenmuscheln können anschwellen. Das hat aber mit den Nebenhöhlen im Grunde nichts zu tun.

Und warum habe ich bei einer Erkältung manchmal Schmerzen in den Nebenhöhlen?

In den Nasennebenhöhlen befinden sich Schleimhäute, die immer gut belüftet sein müssen. Sind sie es nicht, beispielsweise wenn in der Nasenhaupthöhle wegen einer Pollenallergie oder einem Infekt Schwellungen auftreten, kann es zu einem Unterdruck und auch zu eitrigen Entzündungen kommen. Und diese Symptome können dann auch die typischen Schmerzen verursachen, zum Beispiel wenn Sie sich nach vorne lehnen.

Gibt es denn auch Erkrankungen der Nebenhöhlen, die lebensbedrohlich sein können?

Ja, die gibt es. Allerdings sind sie eher selten. Aber es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass eine bakterielle Entzündung in den Nebenhöhlen, die nicht abf ließen kann, sich abkapselt und immer mehr Druck entwickelt. Hierdurch kann der Knochen, der die Nebenhöhlen umgibt, schließlich nachgeben. Dann f ließt Sekret in umliegendes Gewebe, beispielsweise ins Auge oder, was dann wirklich kritisch ist, in die Schädelhöhle. Dann kann es zur Meningitis kommen. Das ist heutzutage aber wirklich sehr selten!

Wie werden denn solche Erkrankungen der Nebenhöhlen behandelt?

Zunächst einmal müssen die Nebenhöhlen immer gut belüftet sein. Bei akuten Beschwerden kommen daher zunächst einmal abschwellende Mittel wie Nasensprays, Inhalationslösungen und Schleimlöser zum Einsatz. Kommt man damit nicht weiter oder nehmen die Schmerzen zu, können auch Antibiotika notwendig werden. Sind die Beschwerden chronisch oder handelt es sich um eine anatomische Blockade, zum Beispiel durch Polypen, kann letztlich auch operiert werden. Das geschieht aber nahezu ausschließlich durch die Nase, weshalb erst einmal niemand befürchten muss, plötzlich eine Narbe im Gesicht zu haben.

Gibt es Möglichkeiten der Prophylaxe, damit ich erst gar nicht solche Probleme bekomme?

Nur bedingt. Schließlich handelt es sich bei den Nasennebenhöhlen um ein System, das sich ständig selbst reinigt. Das geschieht mithilfe von gut eineinhalb Litern Schleim, der in den Schleimhäuten produziert wird und Krankheitserreger wegschwemmt. Davon bekommen wir aber gar nichts mit, weil dieser Schleim so dünnflüssig ist, dass wir ihn einfach schlucken. Wichtig ist dabei lediglich, dass die Atemwege frei und die Schleimhäute feucht sind. Und das erreichen Sie meist schon durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Auch die berühmte Nasendusche kann helfen, gesund zu bleiben. Liegt aber schon ein Infekt vor, dann sollte man sie im Badschrank lassen. Würde man sie nun benutzen, würden die Erreger durch die Spülung nur weiter in der Nase verteilt werden.

Fragen zu den Nasennebenhöhlen an Dr. Fischer. Er ist Facharzt für HNO-Heilkunde,
HNO-Chirurgie sowie Nasenkorrekturen in Frankfurt a. M.

 

 

 

 

 

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