Vier Fragen zu Corona-Schnelltests

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Corona-Schnelltests:

Welche Möglichkeiten gibt es und was müssen wir beachten?

4 Fragen an Christian Sommerbrodt; er ist Corona-Experte im hessischen Hausärzteverband:

 

Herr Sommerbrodt, Sie sind Hausarzt in Wiesbaden und verbringen gerade viel Zeit damit, die Corona-Pandemie in Schach zu halten. Welche Möglichkeiten stehen Ihnen dafür zur Verfügung?

In der Diagnostik sind natürlich die Schnelltests am wichtigsten. Davon gibt es drei Arten: den direkten Nachweis des Virus, beispielsweise mithilfe eines Elektronenmikroskops. Dieser Nachweis ist allerdings extrem aufwendig, langwierig und kann nur an wenigen Stellen in Deutschland durchgeführt werden. Für die normale Diagnostik eignet sich dieses Verfahren daher nicht.

Daneben existiert auch noch der sogenannte PCR-Test, bei dem ein Abstrich im Rachenraum genommen wird. Finden sich in diesem Abstrich bestimmte Gensequenzen, die zwar für den Virus typisch sind, sonst aber nicht beim Menschen vorkommen, ist der Test positiv.

Dann gibt es noch sogenannte Antigen-Tests. Auch hier wird ein Abstrich genommen. Das  Ergebnis liegt dann innerhalb einer Viertelstunde vor. Eine Auswertung durch ein Labor ist nicht nötig.

 

Nicht immer herrscht Einigkeit, wo Schnelltests sinnvoll sind. Wann halten Sie eine Testung für empfehlenswert?

Generell geht es ja um den Schutz von Risikogruppen, denn denen droht ein schwerer, eventuell tödlicher Krankheitsverlauf. Das bedeutet, dass solche Tests überall dort sinnvoll sind, wo sich diese Menschen vermehrt aufhalten und viel Zeit miteinander verbringen. Beispiele für solche Orte wären Krankenhäuser, Arztpraxen und Altenheime. Aber auch in Schulen und Betrieben können Schnelltests sinnvoll sein. Die Frage ist eher, ob man das finanziell stemmen möchte und kann. Schließleich kostet ein herkömmlicher Schnelltest 8 Euro, ein PCR-Test hingegen schon zwischen 30 und 50 Euro.

 

Wie viel Zeit nach Infektion und vor Ausbruch muss für eine sichere Diagnose vergehen?

Zwei Tage vor und zwei Tage nach Symptombeginn haben Infizierte die höchste Viruslast, d. h. sie sind für ihre  Umwelt am ansteckendsten. Diese Phase wird durch den Antigen-Test relativ gut abgedeckt, sodass diese Hoch- risiko-Patienten schnell erkannt werden können.

Allerdings können Infizierte auch im weiteren Krankheitsverlauf durchaus noch ansteckend sein, ohne dass der Antigen-Test erkennen könnte. Selbst nach einem negativen Test ist es deshalb wichtig, den Mindestabstand einzuhalten und wenn möglich oder nötig einen Mundschutz zu tragen. Dadurch kann das Gesamtrisiko schon erheblich gesenkt werden.

 

Mit welchem Gefühl sehen Sie der Zukunft entgegen? Was gilt es zu beachten, damit die zweite Welle  genauso glimpflich verläuft wie die erste?

Im März und April haben wir die Situation deshalb in den Griff bekommen, weil sich die Masse der Bevölkerung an die Schutzbestimmungen gehalten hat. Und das muss auch jetzt gelten: Wenn die Infektionszahlen steigen, dann müssen die Leute wieder darauf achten, den  Kontakt einzuschränken und sich nicht zu nahe zu kommen. Davon unabhängig werden die Infektionszahlen aber trotzdem steigen. Deshalb ist es wichtig, mit den medizinischen Ressourcen sorgsam umzugehen. Dazu gehört auch, dass man unnötige Arztbesuche vermeidet und zum Beispiel Rezepte und Medikamente, die man dauerhaft benötigt, per E-Mail ordert oder bei anderen Fragen die Videosprechstunde nutzt, soweit die angeboten wird.

Generell werden wir vermutlich auch gut durch die zweite Welle kommen, wenn wir all das anwenden und beachten, was wir während der ersten Welle gelernt haben. Wir haben die Schutzausrüstung, wir können mehr testen, wir haben Sicherheitskonzepte entwickelt, die funktionieren. Das Grundgerüst sind aber immer noch die AHA+L-Regeln, also Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen und Lüften.

 

 

 

 

 

 

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