Da blüht uns was!

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Da blüht uns was!

Im Februar haben die meisten Menschen den Winter reichlich satt. An sonnigen Tagen, wenn eine Ahnung des nahenden Frühlings in der Luft liegt, locken Spaziergänge und erste längere Aufenthalte im Freien, die nach dem Winter mit Lockdown besonders erfrischend sind und der Seele guttun. Noch ist es frisch, aber dennoch liegt auch noch etwas anderes in der Luft: Die ersten Pollen machen Allergikern das Leben schwer und – heimlich und noch weitgehend unbemerkt – werden mit den steigenden Temperaturen sogar schon wieder die ersten Zecken aktiv.

 

Allergien sind auf dem Vormarsch. Rund jeder dritte Deutsche leidet darunter. Unter den Kindern sind bereits 40% betroffen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Häufigkeit von Allergien von 2 auf etwa 30% angestiegen. Sind die Eltern vorbelastet, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch das Kind eine Allergie entwickelt.  Zu den Risikofaktoren gehören Umwelteinflüsse, Feinstaub oder übertriebene Hygiene.

Die Leidenszeit der Pollenallergiker beginnt, wenn alle anderen beschwingt und frohen Herzens in den Frühling starten wollen. Zwar liegt die Hauptsaison des Pollenflugs zwischen April und August. Doch wer empfindlich auf Frühblüher reagiert, hat schon Ende Januar, Anfang Februar mit den ersten Pollen zu kämpfen. Erschwerend kommt auch in diesem Jahr wieder das Corona-Virus hinzu.

 

Es belastet Allergiker zusätzlich psychisch, wenn jeder auf Distanz geht, sobald sie beginnen zu schniefen oder zu husten. Denn wer kann schon auf Anhieb sagen, dass es sich um einen harmlosen Schnupfen, eine Pollenattacke oder eine COVID-19-Infektion handelt?

 

Mund-Nasen-Schutz – bei Allergien besonders nervig

Brillen beschlagen, Nasenbügel drücken auf Nasenrücken und manche Maske sorgt für Druckstellen hinter dem Ohr. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist für niemanden ein Vergnügen. Für Allergiker ist die Maskenpflicht noch belastender, denn sie müssen schniefen, niesen und sich die häufig die Nase putzen. Ist die Maske nach einer Niesattacke feucht geworden, bietet sie keinen Schutz mehr. Zu ihrem eigenen Schutz und dem der anderen sollten Allergiker die Maske häufiger wechseln. Sie sollten deshalb immer genügend Ersatzmasken dabeihaben.

 

Feuchte Einmal-Masken werden entsorgt, wiederverwendbare können bis zur nächsten Wäsche in einem verschließbaren Plastikbeutel verwahrt werden. Maske einfach absetzen und ordentlich niesen ist keine Option. Denn genau die dabei an die Luft abgegebenen Tröpfchen soll die Maske ja auffangen. Um sich gegen Niesattacken zu wappnen, kann es hilfreich sein, eine halbe Stunde vor einem anstehenden Termin ein Antiallergikum einzunehmen. Viele Allergiker klagten über Atemnot unter der Maske, aber bei Weitem nicht alle. Im Gegenteil. Manche stellten überrascht fest, dass ihre Beschwerden sich verringerten. Der Mund-Nasen-Schutz hielt offenbar einen Teil der Pollen ab.

 

Warum sind manche Menschen Allergiker und andere nicht?

Während ein gesundes Immunsystem zwischen gefährlichen Erregern oder harmlosen Baumpollen unterscheiden kann, reagiert das Immunsystem eines Allergikers übereifrig. Es begegnet auch unschädlichen körperfremden Substanzen unverhältnismäßig heftig und versucht sie mit allen Mitteln loszuwerden. Das erzeugt eine überschießende Reaktion auf harmlose Eindringlinge. Die Weichen dafür werden bei der ersten Begegnung gestellt.

 

Schon beim ersten Kontakt mit den Pollen bilden sich Antikörper. Sie zirkulieren immer noch wachsam im Blut, wenn die „Angreifer“ schon längst wieder weg sind. Gelangen erneut Pollen über die Atemwege, Schleimhäute und die Haut in den Körper, bläst das Immunsystem sofort Alarm. Die Abwehrkräfte schlagen heftig zurück – und bei den ungefährlichen Eindringlingen leider übers Ziel hinaus. Die von den Antikörpern alarmierten Mastzellen im Gewebe von Haut und Schleimhaut setzen den Botenstoff Histamin frei und lösen damit die bekannten Symptome aus. Im Internet sind zahlreiche weitere Informationen hierzu verfügbar, beispielsweise unter www.apothenkurier.de, www.mein-allergie-portal.com oder www.allergieinformationsdienst.de.

 

Jetzt wird’s heftig

Es kommt zu einem allergischen Schnupfen mit Niesreiz, laufender Nase und angeschwollener Nasenschleimhaut. Das erschwert nicht nur das Atmen, sondern kann bis zur Nasennebenhöhlenentzündung führen. Verschärfen sich die Symptome, kann sich ein allergisches Asthma mit Atemnot und chronischem Husten entwickeln. Sehr häufig tritt auch eine allergische Bindehautentzündung mit tränenden, juckenden, roten Augen auf. Einige Allergiker neigen zu Hautreaktionen. Beim Kontakt mit Pollen oder Pflanzenteilen kommt es zu einer allergischen Haut- reizung, mit Rötungen, Juckreiz, Quaddelbildung und Nesselausschlag.

 

Etagenwechsel vermeiden

Heuschnupfen sollte behandelt werden. Wird er nicht therapiert, kann sich ein sogenannter Etagenwechsel vollziehen. Was zunächst mit einem allergischen Schnupfen in den oberen Atemwegen beginnt, rutscht dann mit den Jahren eine Etage tiefer in die Bronchien und führt zu allergischem Asthma. Viele Betroffene klagen neben Husten und Schnupfen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall, wenn ihre individuelle Pollensaison beginnt. Je früher  die Pollen fliegen, umso früher sollte die Heuschnupfen-Therapie beginnen.

 

Symptomlinderung oder Dauerlösung?

Zur Behandlung der lästigen Symptome gibt es eine Reihe gut wirksamer Medikamente. Sie lindern im Bedarfsfall die Symptome rasch. Wer nur zwei bis drei Monate unter Heuschnupfen leidet, kommt damit in der Regel gut über die Runden. Wer jedoch mehrere „Höhepunkte“ im Jahr durchlebt, sollte über eine spezifische Immuntherapie nachdenken, die das Immunsystem zur Toleranz gegenüber den Allergieauslösern erzieht. Die Erfolgsquoten liegen bei etwa 90%, allerdings sollten die Patienten Geduld und Ausdauer mitbringen. Denn in der Regel erstreckt sich das Immuntraining über mehrere Jahre. Bei der spezifischen Immuntherapie (SIT) wird das Abwehrsystem mit seinen Allergenen konfrontiert. Dazu werden molekular standardisierte Allergen-Präparate zunächst in niedrigen und dann kontinuierlich ansteigenden Dosierungen unter die Haut gespritzt. Das geschieht zunächst wöchentlich und dann alle sechs Wochen, die Behandlung dauert in der Regel drei Jahre, der Patient muss also regelmäßig in die Arztpraxis. Bei der Kurzzeitvariante wird den Allergikern ebenfalls ihr Allergen gespritzt, allerdings innerhalb von sechs Wochen, dann haben sie erst mal Ruhe bis zur nächsten Saison. Aber auch hier dauert der gesamte Behandlungszyklus drei Jahre.

 

Wer auf Gräser und Roggenpollen reagiert, kann es mit einer SLIT versuchen, bei der die Immunisierung mit einer kleinen Tablette erfolgt. Das ist bequem, weil man das zu Hause machen kann. Die kleinen Tabletten, die sich unter der Zunge auflösen, müssen täglich über einen Zeitraum von drei Jahren eingenommen werden.

 

Pollen aus dem Weg gehen

Wer nicht die Möglichkeit hat, an die See oder ins Hochgebirge zu flüchten, wird im Frühling und Sommer zwangsläufig mit Pollen konfrontiert. Blütenstaub ist überall – trotzdem gibt es auch in der Hochsaison Zeiten, in denen die Pollenkonzentration in der Luft nicht ganz so hoch ist. Das ist etwa am Nachmittag der Fall. Gartenarbeit, Lauftraining oder andere Freizeitaktivitäten sind in dieser Zeit weniger belastend. Wiesen und Felder sollten allerdings gemieden werden und der Aufenthalt im Freien sollte bei trockenem warmem Wetter nicht zu lang sein. Da Pollen im Haar, auf der Haut und in der Kleidung haften, wird Allergikern empfohlen, jeden Abend vor dem Schlafengehen zu duschen, um die Allergene abzuspülen. Im Freien getragene Kleidung sollte nicht mit ins Schlafzimmer genommen werden, damit die Pollen vor der Tür bleiben. Auch aus einem anderen Grund ist das vorteilhaft. Denn wer im Frühling im Wald unterwegs ist oder im Garten arbeitet, bringt mit der Kleidung nicht selten andere ungebetene Gäste mit ins Haus – Zecken.

 

Blutsauger aus dem Unterholz

Ab einer Temperatur von 8 Grad Celsius werden Zecken aktiv und machen sich nach der Winterpause auf die Suche nach einer Blutmahlzeit. Jeder Warmblüter ist willkommen. So landen sie auch auf Menschen. Zecken werden beim Gehen oder Laufen von Grashalmen oder niedrigen Büschen abgestreift. Sobald sie auf der Kleidung oder Haut gelandet sind, machen sie sich auf die Suche nach einer warmen, weichen Stelle, wo die Haut dünn ist und an der sie ungestört saugen können. Ein Zeckenstich ist völlig schmerzlos, aber trotzdem nicht ohne. Denn während die Zecke Blut saugt, kann sie eine Reihe von Krankheitserregern übertragen. Am häufigsten sind Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).

 

Auch eine Frage der Zeit

Die Übertragung von FSME-Viren geht recht schnell, denn die Erreger sitzen im Speichel der Zecke. Die gute Nachricht – es gibt eine Impfung, die vor der gefährlichen Erkrankung schützt. Gegen FSME gibt es keine Medikamente – wer erkrankt, muss auf sein Immunsystem vertrauen und hoffen, dass es stark genug ist, um mit den Viren fertig zu werden. Eine FSME-Erkrankung kann schwere, bleibende Folgeschäden nach sich ziehen.

 

Die Übertragung von Borreliosebakterien braucht  dagegen eine gewisse Zeit, denn sie sitzen im Darm der Zecke. Das Bakterium gelangt erst nach 12 bis 24 Stunden in die Blutbahn. Je schneller die Zecke entfernt wird, umso geringer ist das Risiko einer Übertragung. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, aber da die Erkrankung durch Bakterien verursacht wird, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings werden viele Borreliosen nicht schnell genug erkannt, da sie sich durch sehr viele unterschiedliche Symptome äußern können. Und vom Stich bis zu den ersten Symptomen können Wochen und Monate vergehen. Bildet sich nach einem Zeckenstich um die Stichstelle eine runde Hautrötung – die sogenannte Wanderröte –, kann dies auf eine Borreliose hinweisen und es sollte der Arzt aufgesucht werden. Nach jedem Aufenthalt im Freien ist ein genaues Absuchen des Körpers wichtig sowie das schnelle Entfernen der saugenden Zecken.

 

Medikamente zur Beschwerdelinderung

Antihistaminika wirken dem Effekt des Histamins entgegen und sollten regelmäßig und vorbeugend eingenommen werden. Die neueren Präparate machen nicht mehr müde.

Nasensprays gibt es entweder mit oder ohne Kortison. Kortisonhaltige Sprays bremsen die Entzündung der Nasenschleimhaut. Abschwellende Nasensprays ohne Kortison verengen die Gefäße der Nasenschleimhaut, so schwillt sie ab. Die Behandlungsdauer sollte mit dem Arzt abgesprochen werden.

Augentropfen werden gegen Bindehautreizungen verwendet. Es gibt sie mit Kortison oder mit Mastzellstabilisatoren. Auch hier sollte der Arzt über die Behandlungsdauer entscheiden.

Mastzellstabilisatoren festigen die Membran der Mastzellen. Dadurch verhindern sie, dass sie zu viel Histamin ausschütten. Sie werden lokal als Tropfen, Sprays oder Inhalation angewendet.

 

Allergiker greifen immer früher zum Taschentuch

Die jeweilige Hauptsaison variiert in Abhängigkeit von Temperatur, Niederschlagsmenge und Windstärke. Nach den Bäumen blühen Gräser, Spitzwegerich, Roggen und Brennnesseln, dann Beifuß und Traubenkraut. Die Pflanzen profitieren vom Klimawandel. Kaum haben die letzten Nesseln und Gräser das Blühen eingestellt, sind schon wieder die ersten Haselsträucher am Start. Mit den steigenden Temperaturen verlängert sich die Vegetationsperiode. Bleiben Sie gesund! 

 

 

 

 

 

 

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