Musik fürs Herz

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Musik fürs Herz

Zugegeben: Ausgehen ist in Zeiten von Corona nicht einfach, gemeinsam singen auch nicht, und an Gottes Gaben denkt manch einer, dem das vergangene Jahr in den Knochen steckt, vielleicht eher mit Wehmut. Und doch weist das populäre Kirchen-Volkslied aus dem 17. Jahrhundert im Wonnemonat Mai darauf hin, dass Musik das Herz tröstet und erfreut. Und dies nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz praktisch.

 

Dass Musik Gefühle weckt oder verstärkt, ist seit Langem bekannt, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik II am Marienhospital Herne. Emotionen wiederum beeinflussen das vegetative Nervensystem und damit auch Herz und Kreislauf, Blutdruck, Atem- und Herzfrequenz. „Musik kann so entspannend oder auch leistungssteigernd wirken, das belegen verschiedene Studien.“ Es spricht also einiges dafür, dass diejenigen, denen in diesen Tagen eher schwer ums Herz ist, ihrem Herzen mit Musik etwas Gutes tun können. Aber wie geht das?

 

Musik verbindet die Gehirnhälften

Musik verändert nicht nur die Gehirnströme, sondern harmonisiert auch die Aktivitäten unserer beiden Gehirnhälften (Hemisphären), erläutert der Kardiologe, der auch in der Deutschen Herzstiftung aktiv ist. Über einen Nervenstrang, das „Corpus callosum“ sind beide Gehirnhälften miteinander verbunden. Eben diese Verbindung ist bei aktiven Musikern, aber auch bei Menschen, die Musik  lieben und gern hören, besonders stark ausgeprägt.

 

Klassische Musik, so Prof. Trappe, besitzt die stärkste Heilkraft für das Herz. So konnte er selbst mittels verschiedener Studien nachweisen, dass bei Menschen, die klassische Musik hörten, in der Regel Blutdruck und Herzfrequenz sanken. „Günstige Effekte wurden zum Beispiel unter der Musik von Bach und bei Kompositionen von Verdi beobachtet.“  Beethovens 9. Symphonie dagegen erbrachte solch günstige Effekte nicht. Das könnte daran liegen, dass eben diese Symphonie, was Tempo und Lautstärke anbelangt, sehr dynamisch ist. Besonders wohltuend für das Herz scheinen aber ruhige, ineinanderfließende, auch in der Lautstärke eher gleichbleibende Töne zu sein. Auch die Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart sind zuweilen Balsam für das Herz, wie unter anderem die Wissenschaftlerin Luiza Carolina Gruhlke an der Universität von Santa Catarina in Brasilien nachwies. Dort zeigte sich, dass der Blutdruck von Herzinfarkt-Patienten deutlich sank, wenn sie Musik von Mozart hörten.

 

Ob Bach, Verdi oder Mozart – vor allem bei jüngeren Menschen lösen diese Komponisten nicht immer Enthusiasmus aus. Leider liegen jedoch (noch) keine systematischen Studien zur Wirkung anderer Musikstile auf Herz und Kreislauf vor. Interessant ist aber schon einmal die Beobachtung des Teams von Prof. Trappe, dass auch Heavy-Metal-Musik den systolischen und diastolischen Blutdruck positiv beeinflussen kann – wenn auch nicht so stark wie unter Musik von Johann Sebastian Bach, und vor allem auch nur dann, wenn die Testperson den Musikstil auch mag.

 

Klassik oder nicht: Vermutlich trägt vor allem die Tonart eines Musikstücks dazu bei, dass sich die Stimmung eines Menschen beim Hören der Musik schlagartig ändert. Melancholische Töne in einer Moll-Tonart sorgen für eine besinnliche, manchmal sogar traurige oder wehmütige Stimmung. Dur-Tonarten werden oft mit einer fröhlichen, aufmunternden Stimmung in Verbindung gebracht. Wichtig scheint auch, dass die Musik rein instrumentell ist  – Sprache beziehungsweise Texte verwischen den Effekt. Bei all dem wirkt jede Musik sicherlich auch ganz individuell. Sie ruft bei jedem Menschen eigene Assoziationen hervor, weckt Bilder und Erinnerungen. „Auch wenn vieles nicht erklärt werden kann, ist unbestritten, dass Musik zu Recht Anwendung in der (Herz-)Medizin findet“, meint Prof. Trappe, der im Übrigen auch selbst musiziert – und eine Benefiz-CD „Herztöne 3 – Musik für die Gesundheit“ für die Herzstiftung veröffentlicht hat.

 

Musik tut unserem Herzen also wohl – aber es gibt natürlich auch allerhand andere Möglichkeiten, ihm Gutes zu tun. So belegen Studien immer wieder: Wer sich regelmäßig bewegt und gesund ernährt, senkt sein persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beträchtlich.  Davon profitieren auch und sogar ganz besonders Menschen, bei denen Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiken „in der Familie liegen“ oder die beispielsweise wegen Diabetes besonders gefährdet sind. „Je höher die Vorbelastung eines Menschen ist, desto größer ist der Nutzen, den er durch eine gesunde Lebensweise erzielen kann“, betont Heribert Brück, Sprecher des Bundesverbands niedergelassener Kardiologen (BNK). Ist die Herzgesundheit einmal angeschlagen, ist also auf keinen Fall „eh alles egal!“ – im Gegenteil: Dann lohnt es sich besonders, das Herz gut zu behandeln!

 

Langsam, aber sicher zum gesunden Lebensstil

Viele Ansätze, den Lebensstil zu ändern, scheitern allerdings nicht am fehlenden Wissen, sondern an der Umsetzung im schnöden Alltag. Denn Gewohnheiten aufzugeben ist nach Jahren oder gar Jahrzehnten enorm schwierig. Um erste Anläufe nicht im Keim zu ersticken, rät die Deutsche Herzstiftung: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor! Alles auf einmal ändern zu wollen ist nicht nur unrealistisch, es nimmt Ihnen auch die Motivation. Gleichzeitig mit dem Rauchen aufhören, abnehmen, weniger Alkohol trinken, sich mehr bewegen und eine neue Entspannungsmethode erlernen, das ist für die allermeisten zu viel des Guten. Für Menschen, die beispielsweise mit dem Rauchen aufhören, ist es hilfreich zu wissen, dass es innerhalb der ersten drei rauchfreien Monate durchaus üblich ist, erst einmal drei bis sechs Kilogramm zuzunehmen.

 

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass hier der Risikofaktor höheres Gewicht an die Stelle des Risikofaktors Rauchen tritt. Studien aber haben gezeigt, dass dieses Mehr an Gewicht den Schutz, der mit dem Verzicht auf Rauchen für Herz und Kreislauf erreicht wurde, nicht verringert. Akzeptieren Sie also zunächst die Gewichtszunahme. Wenn Sie es geschafft haben, dem Nikotin auf Dauer zu entsagen, beginnen Sie behutsam mit einem körperlichen Bewegungsprogramm und stellen Sie Schritt für Schritt Ihre Ernährung um. Eins nach dem anderen! In Sachen Ernährung empfehlen Herzspezialisten die  traditionelle Mittelmeerküche, weil sie erwiesenermaßen den Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen chronischen Leiden wie Diabetes und sogar Krebs erhöht und einem erhöhten Cholesterinspiegel vorbeugt. Die mediterrane Kost setzt auf Obst und Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, wenig Fleisch, dafür eher Fisch, auf Oliven- und Rapsöl und auf Kräuter anstelle von Salz.

 

Denn Salz bindet Wasser im Körper und das kann wiederum zu Bluthochdruck führen. Weil zu viel Zucker in Lebensmitteln und Getränken das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes erhöht, gilt es, Zucker nicht nur in Getränken zu vermeiden, sondern auch in Lebensmitteln wie Joghurt,  Salatsoßen oder Ketchup. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft  dabei, dem süßen Verführer aus dem Weg zu gehen.

 

Berufstätige Menschen nennen oft Zeitmangel als Grund, der sie von einem gesünderen Lebensstil abhält. Beginnen Sie deshalb auch hier langsam und nehmen Sie Änderungen nach und nach in Angriff. Führen Sie beispielsweise möglichst all Ihre Telefonate im Stehen und reduzieren dadurch Ihre Zeit im Sitzen. Versuchen Sie, sich im Beruf kleine Freiräume zu schaffen.

 

Machen Sie etwa einen Spaziergang in der Mittagspause außerhalb des Gebäudes zur Entspannung; Bevorzugen Sie die Treppe, nicht den Fahrstuhl. Vielleicht finden Sie an Ihrem Arbeitsplatz Gleichgesinnte, die sich freuen, wenn Sie die Initiative ergreifen und den Anstoß für ein gesünderes Arbeitsleben mit mehr Bewegung und besserer Ernährung geben? Gemeinsam ist vieles einfacher zu bewältigen!

 

Wie das Herz funktioniert

Das Herz versorgt Organe und Gewebe tagein, tagaus mit Blut – und über das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Nicht umsonst ist es umgangssprachlich auch als „Pumpe“ bekannt: Mit 60 bis 80 Schlägen pro Minute pumpt es Blut in den Kreislauf. Bei körperlicher Anstrengung schlägt das Herz noch häufiger. So fließt auch das Blut schneller durch den Körper und kann mehr Sauerstoff von der Lunge in die Körperzellen bringen.

 

Das Herz ist etwa faustgroß und wiegt ungefähr 300 g – bei Ausdauersportlern bis zu 500 g. Es sitzt etwas nach links versetzt hinter dem Brustbein und ist ein hohler Muskel.

 

Eine Scheidewand teilt es in zwei Hälften: Jede Hälfte besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Die linke Kammer pumpt sauerstoffreiches Blut durch die Körperschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf. Das im Körper „verbrauchte“, also sauerstoffarm gewordene Blut fließt zurück in den rechten Vorhof des Herzens und von dort in die rechte Kammer. Sie pumpt es über die Lungenschlagader in den Lungenkreislauf. Dort gibt das „verbrauchte“ Blut Kohlendioxid ab, nimmt frischen Sauerstoff auf und fließt dann über die Lungenvenen wieder in die linke Herzhälfte. Der Kreislauf beginnt von vorn.

 

Zwischen den verschiedenen Vorhöfen und Herzkammern sorgen vier Herzklappen dafür, dass das Blut jeweils in die richtige Richtung fließt und nicht zurückströmt.

 

Und wie ist das mit dem Blutdruck?

Mit jedem Herzschlag zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt das Blut durch den Körper. Wie stark das Blut dabei auf die Gefäßwände drückt, also wie hoch also der Blutdruck ist, misst man in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg). Diese Messeinheit stammt aus alten Zeiten und vergleicht den Druck, den das Blut auf die Gefäße ausübt, mit dem Gewicht einer Quecksilbersäule, die auf den Boden drückt.  Je höher (in Millimetern) solch eine Säule ist, desto schwerer ist sie auch und desto größer damit der Druck, den sie nach unten ausübt.

 

Bei der Messung des Blutdrucks unterscheidet man zwei Werte: Der systolische Blutdruck misst den Druck beim Herzschlag – also wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und sauerstoffreiches Blut in die Gefäße pumpt. Der diastolische Blutdruck misst den Druck auf die Gefäße, wenn der Herzmuskel erschlafft. Der diastolische Druck ist immer niedriger als der systolische.

 

Die Messwerte werden stets paarweise angegeben. Dabei steht der höhere systolische Wert vorn und der niedrigere diastolische Wert hinten. Eine Person, deren Messwerte mit 132/88 mmHg angegeben werden, hat also einen systolischen Blutdruck von 132 mmHg und einen diastolischen Blutdruck von 88 mmHg.

 

Gesundheits-Check-up

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Bei diesem „Check-up“ erfragt die Ärztin oder der Arzt gesundheitliche Risiken und Vorbelastungen, um (Herz-)Krankheiten möglichst früh zu erkennen und zu  behandeln. Dabei gibt es bei Bedarf auch Empfehlungen, wie Patientinnen und Patienten Krankheiten vorbeugen können. Dazu gehören zum Beispiel Kurse zur Bewegung,  Ernährung, Stressbewältigung, Informationen zu den Risiken des Rauchens und einem gesundheitsgerechten Umgang mit Alkohol. Gesetzlich versicherte Frauen und Männer  haben zwischen 18 und 34 Jahren einen einmaligen Anspruch auf solch eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung, Versicherte ab 35 Jahre alle drei Jahre.

 

 

 

 

 

 

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