Innenleben

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Innenleben

Wenn es um „wichtige Organe“ geht, denken die meisten Menschen – zu Recht – an Herz, Hirn und Lunge. Doch auch die Organe, die darunter liegen, tief im Bauch, sind (über)lebenswichtig. Was machen sie eigentlich?

 

Eigentlich haben alle Organe jenseits von Herz, Hirn und Lunge irgendwie mit Verdauung zu tun, die einen mehr, die anderen weniger. Den Hauptteil unseres Verdauungssystems bildet der Magen-Darm-Trakt. Wie sehr er unser Wohlbefinden beeinflusst, zeigen nicht zuletzt Redensarten wie „das schlägt ihm auf den Magen“.

 

Zum Magen-Darm-Trakt zählen alle Körperteile, die dabei mithelfen, dass wir Nahrung aufnehmen und Nährstoffe daraus verwerten können. Das fängt bei der Mundhöhle an, in der wir Essen zerkleinern und durch besondere Eiweiße in unserem Speichel aufspalten, und geht weiter über die Speiseröhre bis hin zu Magen, Dünn- und Dickdarm.

 

Unser Magen ist im Grunde ein geräumiger Vorratsschrank. Seine Hauptaufgabe ist es, das, was wir essen, zu speichern, um es gleichmäßig und in überschaubaren Portionen zur Verdauung an den Darm weiterzureichen. Hätten wir diesen Speicher nicht, gäbe es für uns keine „Hauptmahlzeiten“. Wir müssten immerzu in kleinen Häppchen über den Tag verteilt essen, um unseren Nahrungsbedarf zu decken.

 

Wie lange das, was wir essen, im Magen bleibt, hängt vor allem davon ab, was wir essen. Leicht Verdauliches wie etwa Obst und Gemüse bleibt nur etwa ein bis zwei Stunden, schwer verdauliche, fetthaltige Nahrung dagegen fünf bis acht Stunden „in Arbeit“. In dieser Zeit durchmischt der Magen durch Muskelbewegungen (manchmal durchaus glucksend und rumorend) den Speisebrei, macht mit seiner Säure die meisten Bakterien unschädlich, spaltet aufgenommenes Eiweiß in verdauliche Stücke und befördert das Ganze schließlich weiter in den drei bis fünf Meter langen Dünndarm.

 

Der spaltet den Verdauungsbrei mithilfe von Enzymen in seine Grundbestandteile auf und überführt Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Aminosäuren und Fettsäuren, aber auch  Vitamine und Salze über die Dünndarmschleimhaut in  den Blutkreislauf. In der Wand des Dünndarms werden außerdem verschiedene Hormone hergestellt – unter anderem auch die Hormone, die im Gehirn ein Sättigungsgefühl  auslösen.

 

Was der Dünndarm nicht verwertet, drückt er in den bis zu 1,50 Meter langen Dickdarm weiter. In dessen Schleimhaut sitzen die sogenannten Saumzellen, die Wasser aus den Nahrungsresten aufnehmen. Mit ihrer Hilfe schleust der Dickdarm täglich gut eineinhalb Liter Wasser in unseren Körper zurück.

 

Neben den Saumzellen befinden sich Becherzellen, die ununterbrochen Schleim produzieren, um die eingedickten Nahrungsreste gleitfähig zu machen. Zusätzliche Unterstützung leistet die Darmflora, von Fachleuten auch Mikrobiom genannt.

 

Die Mikroorganismen der Darmflora zersetzen schwer verdauliche Stoffe und helfen dabei, Überreste in Stuhl zu verwandeln. Darüber hinaus spielt die Darmflora eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr und verhindert, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten. Gut 80% der körpereigenen Abwehrzellen liegen im Darm. Was nach diesem Ausleseprozess übrig bleibt, schiebt der Dickdarm schließlich in Richtung Ausgang, also über den Enddarm zum After. Je nachdem, wie leicht oder schwer verdaulich eine Mahlzeit ist, dauert es von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung zwischen 33 und 43 Stunden.

 

Durchfall, Verstopfung und chronische  Darmerkrankungen

Zu den wichtigen Aufgaben des Darms, der eigentlich ein gewundener Muskelschlauch ist, zählen zum einen die Bewegungen, mit denen er den Verdauungsbrei weiterschiebt, zum anderen die Aufnahme von Wasser und Salzen. Ist die Dickdarmmuskulatur so träge, dass sie den Darminhalt nur langsam weiterdrückt, kann das zu Verstopfung führen. Dadurch, dass der Darm dem Stuhl gleichzeitig Wasser entzieht, wird dieser dann fester, härter und noch schwerer zu bewegen. Das Gegenteil passiert beim Durchfall. Hier nimmt der Dickdarm nicht genügend Wasser aus dem Stuhl auf, zum Beispiel weil zu viel Flüssigkeit aus dem Dünndarm ankommt, der Darminhalt zu schnell durch den Dickdarm transportiert wird oder wegen einer Darminfektion.

 

Jenseits von Verstopfung, Durchfall oder auch kurzfristigen Darmerkrankungen, die durch Essensunverträglichkeit, Bakterien oder Viren ausgelöst werden (und mit denen sich so gut wie jeder schon einmal herumgeschlagen hat), gibt es auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die immer wiederkehren, teils ohne einen äußeren Anlass.

 

Die beiden häufigsten sind nach Informationen des Kompetenznetzes Darmerkrankungen der Morbus Crohn – eine nach dem Arzt B.B. Crohn benannte Krankheit – und die Colitis ulcerosa – eine geschwürige Dickdarmentzündung.

 

Beide Krankheiten brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, können aber auch mit einem zweiten Gipfel ab einem Alter von 60 Jahren erstmalig Beschwerden verursachen. Auch die Symptome sind bei beiden Krankheiten ähnlich: Betroffene leiden unter Bauchschmerzen und zum Teil blutigen Durchfällen, bei länger anhaltenden Schüben auch unter Gewichtsverlust und Schwäche. Ob die Ursache der Beschwerden Morbus Crohn ist, der den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen kann, meist aber im letzten Dünndarmabschnitt am Übergang zum Dickdarm besteht, oder eine Colitis ulcerosa, die sich auf den Dickdarm beschränkt, kann ein Arzt durch Befragung und körperliche Untersuchung über weiterführende technische Untersuchungen wie Ultraschall, Darmspiegelung oder Computertomografie herausfinden. Heilbar sind die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht, die Krankheitsschübe lassen sich aber mit Medikamenten und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten an Häufigkeit und Intensität reduzieren.

 

Auch Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse sind wichtige Organe des Verdauungssystems. Die Leber liegt im rechten Oberbauch, wiegt bei einem Erwachsenen zwischen 1,5 und 2 kg und gehört zu den größten Organen des Körpers. Sie ist das zentrale Organ für den Stoffwechsel des Körpers, denn sie wandelt Nährstoffe aus dem, was wir essen, so um, dass der Körper sie verwerten kann, speichert sie und gibt sie bei Bedarf an die Zellen ab.

 

So stellt die Leber viele wichtige Eiweiße her, beispielsweise die Gerinnungsfaktoren, die das Blut bei Verletzungen gerinnen lassen, und das C-reaktive Protein (CPR), das eine wichtige Rolle bei Entzündungen im Körper spielt. Zudem bildet sie Eiweiße für den Transport von Fetten oder von Hormonen im Blut. Leberzellen bauen auch Fette ab und erzeugen damit Energie. Außerdem nimmt die Leber Giftstoffe – zum Beispiel Alkohol oder Medikamenten-Abbauprodukte – auf und wandelt sie entweder in ungiftige Stoffe um oder sorgt dafür, dass sie über den Darm oder über die Nieren ausgeschieden werden. Die beiden Leberlappen – ein größerer und ein kleinerer – sind durch Bindegewebe miteinander verbunden.

 

Ein Großteil des körpereigenen Cholesterins wird ebenfalls von der Leber hergestellt und zur Bildung der Gallenflüssigkeit verwendet. Die wird in der Gallenblase unterhalb der Leber gespeichert. Bei Bedarf schüttet die Gallenblase ihren Inhalt in den ersten Abschnitt des Dünndarms aus, in den Zwölffingerdarm. Die Galle hilft dem Zwölffingerdarm dabei, Fette aus der Nahrung zu spalten und aufzunehmen. Schließlich gehört die Leber zu den Organen, die alte oder beschädigte Blutkörperchen abbauen.

 

Die Leber hat die außergewöhnliche Fähigkeit zu regenerieren: Werden Teile des Organs entfernt, so können diese wieder nachwachsen. Aus diesem Grund ist es beispielsweise möglich, eine stark geschädigte Leber operativ zu entfernen und durch Teile einer Leber eines lebenden Spenders (Leberlebendspende) zu ersetzen.

Leber und Gallenblase liegen in enger Nachbarschaft zur Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die in ihrer äußeren Form einer Zunge ähnelt. Die Bauchspeicheldrüse besteht aus einem sogenannten exokrinen Anteil, der Verdauungssekrete für den Darm herstellt, und einem endokrinen Anteil, der Hormone bildet und ins Blut abgibt – zum Beispiel Insulin, das die Aufnahme von Glucose in die Körperzellen reguliert.  

 

Zu den häufigeren Erkrankungen der Leber zählen Leberentzündungen wie Hepatitis A, B oder C, zu deren typischen Symptomen Gelbsucht, Müdigkeit und manchmal Juckreiz gehören. Bei Gelbsucht färben sich Haut, Schleimhäute und die Lederhaut der Augen gelb, weil sich der Gallenfarbstoff Bilirubin in den Geweben ablagert. Gelbsucht ist also keine Krankheit, sondern ein Symptom, das auftreten kann, wenn übermäßig viele rote Blutkörperchen zerfallen, die Leberfunktion gestört oder der Abfluss der Galle durch Gallensteine blockiert ist.

 

Die häufigste chronische Lebererkrankung in Deutschland ist die Fettleber. Dabei lagern die Leberzellen – etwa infolge starken Alkoholgenusses, einer ungesunden Ernährung, manchmal aber auch wegen der Einnahme bestimmter Medikamente – vermehrt Fett ein. Kommt zu einer solchen Fettleber eine Entzündung dazu, kann es zu Veränderungen der Leberstruktur bis hin zu einer Leberzirrhose kommen. Das heißt, nach und nach vernarbt das Gewebe und wandelt sich in funktionsloses Bindegewebe um. Als tägliche Schwellendosis für risikoarmen Alkoholgenuss gilt eine Menge von einem halben Liter Bier bzw. einem viertel Liter Wein für Männer und ein viertel Liter Bier bzw. ein achtel Liter Wein für Frauen.

 

Die Nieren sind die Klärwerke des Körpers: Sie produzieren den Urin und scheiden mit ihm die Abfallstoffe aus, die in unserem Körper entstehen oder die wir über die Nahrung aufgenommen haben. Zu diesen Abfallstoffen gehört auch der Harnstoff, der beim Abbau von Eiweißen entsteht. Auch Rückstände von Medikamenten, Drogen oder Giften werden über den Urin entsorgt. Die Nieren sind bohnenförmig gebogen und wiegen etwa 150 Gramm. Zusammen mit den Nebennieren sind sie in eine Fettkapsel eingebettet und dadurch gut geschützt.

Neben der Urinproduktion regulieren die Nieren den Flüssigkeitshaushalt, indem sie Wasser je nach Bedarf zurückhalten oder vermehrt mit dem Urin ausscheiden. Wenn sie Wasser zurückhalten, gelangt mehr Flüssigkeit in die Blutgefäße, so dass die Blutmenge zunimmt und der Blutdruck steigt. Scheiden die Nieren mehr Wasser aus, nimmt die Blutmenge ab und der Blutdruck sinkt. Bestimmte Zellen in den Nieren bilden zudem das Eiweiß Renin. Es besitzt eine hormonähnliche Wirkung, die den Blutdruck ansteigen lässt. Darüber hinaus stellen die Nieren zwei wichtige Hormone her:  Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen fördert, und Calcitriol, das unter anderem die Kalziummenge im Körper reguliert. Auch den sogenannten Säure-Base-Haushalt halten sie im Gleichgewicht und sie beeinflussen den Energiestoffwechsel: Befindet sich zu wenig Zucker (Glukose) im Blut, kann die Niere selbst Zucker herstellen und an das Blut abgeben. Auf jeder Niere befindet sich – wie eine kleine Mütze – eine pyramidenförmige Drüse: die Nebenniere. Die Nebennieren bilden verschiedene lebenswichtige Hormone, unter anderem Kortisol.

 

Die Funktion der Nieren kann durch verschiedene Krankheiten gestört werden. Dazu gehören akutes und chronisches Nierenversagen ebenso wie Entzündungen oder Nierensteine. Diabetes mellitus und Bluthochdruck sind die größten Risikofaktoren für die Entstehung einer Nierenerkrankung. Deshalb nützt alles, was den Blutzucker und den Blutdruck senkt, auch den Nieren. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten beugt also Nierenschäden ebenso vor wie Verkalkungen der Blutgefäße – ebenso natürlich das Vermeiden von Nikotin!  Ausreichend Flüssigkeit und eine fleischarme Ernährung können zudem bei Menschen mit entsprechender Veranlagung der Entstehung von Nierensteinen entgegenwirken.

 

Ärzte – Wer macht was:

Der Facharzt der Wahl für die inneren Organe ist, wie der Name schon sagt, der Internist oder Facharzt für Innere Medizin. Er ist auf Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Rehabilitation von Fehlfunktionen oder Funktionsausfällen folgender Bereiche spezialisiert:

 

GefäßsystemAngiologie

Stoffwechsel und HormoneEndokrinologie/Diabetologie

VerdauungsorganeGastroenterologie

Blut und blutbildende Organe – Hämatologie/Onkologie

Herz und Kreislauf – Kardiologie

Niere und ableitende Harnwege – Nephrologie

Atmungsorgane – Pneumologie

Knochengerüst und Bindegewebe – Rheumatologie

 

 

 

 

 

 

 

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