5 Fragen zum Thema Bänder und Sehnen an Dr. Nicolas Gumpert

 

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5 Fragen zum Thema Bänder und Sehnen an Dr. Nicolas Gumpert:

Stabilität durch die Weichteile

Herr Dr. Gumpert, bei dem Wort Orthopäde denkt man häufig an so eine Art Knochendoktor. Dabei sind die Knochen ja längst nicht alles, womit sich ein Orthopäde befasst, oder?

Das stimmt. Im Prinzip ist unser Aufgabengebiet der gesamte Bewegungsapparat. Dazu gehören natürlich die Knochen, aber auch die Gelenke, die dann wiederum von den Muskeln, den Bändern und den Sehnen gestützt und unterstützt werden. Die Sehne ist dabei quasi das Seil, das Muskel und Knochen verbindet. Sie ist nur für die Kraftübertragung da, weshalb sie eher unelastisch ist. Die Bänder stützen hingegen die Gelenke. Dabei verbinden sie Elastizität und Stabilität.

 

Was sind denn die häufigsten Beschwerden des Bänder- und Sehnenapparats, denen Sie in Ihrem Praxisalltag begegnen?

Das kommt etwas auf die Jahreszeit an. Bis vor Kurzem waren wir ja noch mitten in der Skisaison. Da behandeln wir traditionell viele Innenbanddehnungen des Knies. Typisch für diese Zeit sind aber auch Innen- und die Außenbanddehnungen, die durch die Hebelkräfte beim Skifahren verursacht werden können.

Sehnenverletzungen sehen wir jetzt aber genauso. Die resultieren allerdings eher aus der untrainierten Überforderung heraus, wenn jemand das ganze Jahr im Büro sitzt und dann ohne vorheriges Training eine Woche intensiv Ski fährt.

 

Sie haben bisher von den Beinen und den Knien gesprochen. Treten Beschwerden der Bänder und Sehnen denn typischerweise in den unteren Extremitäten auf oder ist der Oberkörper ebenso betroffen?

Der Großteil der Verletzungen tritt tatsächlich im Bereich der unteren Extremitäten auf. Die Beine umfassen nun mal die typischen Lastgelenke, also die Gelenke, auf denen ein Großteil des Körpergewichts ruht. Da kommt es natürlich auch eher zu Umknickverletzungen wie zum Beispiel des Außenbandapparates rund um das Sprunggelenk. Auch Sehnenverletzungen treten typischerweise vermehrt an den unteren Extremitäten auf, vor allem im Bereich der Achilles- oder der Kniescheibensehne. Es gibt aber auch bekannte Sehnenverletzungen an den oberen Extremitäten, beispielsweise den Tennisarm, den Golferellenbogen oder das Supraspinatussehnensyndrom im Bereich der Schultermuskulatur.

 

 

Wie kann man solchen Verletzungen vorbeugen?

Sehnenbeschwerden entstehen typischerweise aufgrund einer repetitiven Bewegung. Wird eine solche Bewegung zuvor durch ein maßvolles Training eingeübt, wird die Qualität der Sehne verbessert, wodurch sie geschmeidiger und belastbarer wird. Bandverletzungen werden hingegen durch ein plötzliches Trauma verursacht, das die Belastungsfähigkeit der Bänder überschreitet und so einen Schaden verursacht. Leider können wir unsere Bänder nicht wirklich trainieren. Hier geht es stattdessen um unsere Stabilität, genauer gesagt, unseren Gleichgewichtssinn. Je fähiger wir sind, unser Gleichgewicht zu halten, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Bandverletzung zu erleiden.

 

Wie werden Verletzungen der Bänder und Sehnen denn üblicherweise behandelt?

Die Behandlung von Bändern und Sehnen unterscheidet sich stark. Ist die Sehne durch eine Verletzung gerissen, müssen wir entscheiden, ob wir die Sehne wieder zusammennähen oder den mit dem Riss einhergehenden Funktions- und Kraftverlust tolerieren. Verletzungen der Bänder kann man dagegen in vielen Fällen schon durch eine Ruhigstellung mithilfe von speziellen Orthesen heilen. Hier reden wir allerdings von Heilungszeiten zwischen 6 und 12 Wochen. Selbst wenn die Bänder danach wieder funktionieren, müssen Betroffene also auf jeden Fall Geduld mitbringen.  

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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