Fehlgeleitete Abwehr

 

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Fehlgeleitete Abwehr

Die meisten Menschen können sich darauf verlassen, dass ihr Immunsystem im Alltag Erkältungs- und andere Krankheitserreger einigermaßen in Schach hält. Manchmal aber schießt das Immunsystem über sein Ziel hinaus – aufgrund von Autoimmunerkrankungen.

 

Hinter dem Sammelbegriff Autoimmunerkrankungen steckt eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Allen Autoimmunerkrankungen ist gemeinsam, dass die körpereigene Abwehr der betroffenen Menschen deren eigene, gesunde Zellen und Organe angreift. Denn ihr Immunsystem, welches sie im intakten Zustand vor Viren, Bakterien, Parasiten oder sonstigen Fremdstoffen schützen würde, kann im Fall einer Autoimmunerkrankung nicht mehr zwischen „fremd“ und „selbst“ ( = griechisch „auto“) unterscheiden.

 

Weltweit sind nach Angaben der Deutschen Antiimmunstiftung derzeit ca. 5 bis 8% der Bevölkerung von verschiedensten Autoimmunerkrankungen betroffen; sie bilden nach Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Erkrankungsgruppe. Ansteckend sind Autoimmunerkrankungen dabei nie. Vielmehr haben viele Betroffene eine genetische Veranlagung dafür – genauere Ursachen werden noch erforscht. Da das Immunsystem von Frauen in der Regel besser funktioniert als das der Männer, sind sie auch deutlich häufiger von Autoimmunerkrankungen betroffen.

 

Organische und systemische Autoimmunerkrankungen

Welche Beschwerden eine Autoimmunerkrankung mit sich bringt und wie sie verläuft, hängt vor allem davon ab, welche Körperteile betroffen sind. Manche Autoimmunerkrankungen betreffen nur ein einzelnes Organ, beispielsweise bei Hashimoto-Thyreoiditis die Schilddrüse, bei Multipler Sklerose die Nervenfasern, bei Diabetes mellitus Typ 1 die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse oder bei Colitis ulcerosa die Darmschleimhaut.

 

Systemische Autoimmunerkrankungen dagegen betreffen, wie der Name schon sagt, das ganze System des Körpers. Zu ihnen gehört die Rheumatoide Arthritis („Gelenkrheuma“) ebenso wie Lupus erythematodes (Reaktionen gegen zahlreiche Organe), Polymyositis (Entzündung der Muskulatur) oder auch das Sjögren-Syndrom (Drüsen).

 

Eine Übersicht über die Autoimmunerkrankungen bietet die Deutsche Gesellschaft für Autoimmun-Erkrankungen auf ihrer Homepage https://www.autoimmun.org/erkrankungen.

 

Je nachdem, welche Organe oder Strukturen betroffen sind, wird mit verschiedenen Medikamenten behandelt. So beispielsweie mit Schilddrüsenhormonen bei Hashimoto-Thyreoiditis, mit entzündungshemmenden Medikamenten bei Rheuma oder auch mit Immunsuppressiva, also Mitteln, die das Immunsystem unterdrücken.

 

Ziel ist, die Symptome zu mildern oder die Erkrankung zum Stillstand (Remission) zu bringen. Der Nachteil von Immunsuppressiva ist allerdings, dass sie Menschen anfälliger für alle Arten von Infektionen machen.

Die Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind vielfältig und komplex, meist wirken verschiedene Faktoren zusammen.

Mögliche (Mit-)Auslöser können sein:

  • Stress
  • Viren, Bakterien, Parasiten
  • Medikamente
  • Umweltschadstoffe

 

Außerdem spielen die Gene eine wichtige Rolle und Frauen tragen ein deutlich höheres Risiko als Männer, vor allem in einer Schwangerschaft.

 

 

 

 

 

 

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