4 Fragen zum Thema Knochenrekonstruktion an Dr. Nicolas Gumpert

 

Histologie des menschlichen kompakten Knochengewebes unter Mikroskopansicht // ©tonaquatic_AdobeStock

 

4 Fragen zum Thema Knochenrekonstruktion an Dr. Nicolas Gumpert

Möglichkeiten und Grenzen der Wiederherstellung

Herr Dr. Gumpert, durch welche Ereignisse kann eine Rekonstruktion von Knochen

notwendig werden?

Das kann ganz verschiedene Gründe haben. Ein wichtiger Punkt ist die Knochenrekonstruktion nach einer Tumorbehandlung. Auch wenn ein Knochen durch einen Verkehrsunfall komplett zertrümmert wird, müssen ganze Knochenanteile ersetzt werden. Ein weiterer Grund wäre eine Infektion im Knochen, bei der Eiterherde den Knochen großflächig zerstören. In diesem Fall würde erst der Infekt behandelt und anschließend zerstörter Knochen wieder aufgebaut. Außerdem gibt es noch die normalen Knochenbrüche. Hier findet an der Grenzfläche der Fraktur keine Durchblutung mehr statt, weil mit dem Bruch des Knochens auch die Blutgefäße zerreißen. Durch diese mangelnde Durchblutung werden Teile des Knochens nicht mehr mit Nährstoffen versorgt. In der Folge stirbt er ab und muss ersetzt werden.

 

Wie geht man bei einer Rekonstruktion von Knochenmaterial vor?

Das kommt auf die Größe und Art des Defekts an. Generell stabilisieren wir zunächst den gebrochenen Knochen und bringen die Stücke des beschädigten Knochens wieder in ihre Ausgangsstellung. Manchmal hat das tatsächlich etwas von einem Puzzle. Allerdings entfernt man dabei auch kleinste Teile, die aufgrund von Nährstoffmangel nicht mehr richtig anwachsen würden. Für ein Puzzle wäre das natürlich fatal, uns hilft es aber, die Knochenheilung zu optimieren. Anschließend fixieren wir den Knochen mit Platten, Stiften oder Schienen. Gibt es nun noch Defekte, können wir diese durch spezielle Verfahren ausbessern.

 

Was sind das für Verfahren? Welches Material eignet sich denn, um verlorene Knochenmasse zu ersetzen?

Im besten Falle nehmen wir, wie eigentlich immer bei einer Rekonstruktion oder einem Ersatz, menschliches Zellgewebe. Hierfür gibt es sogenannte Knochenbanken, in denen menschliches Knochenmaterial gesammelt und aufbereitet wird, so dass es bei Bedarf transplantiert werden kann. Daneben gibt es aber auch Knochen aus künstlich hergestelltem Hydroxylapatit. Versetzt mit speziellen Wachstumsfaktoren kann dieses Material, das im Übrigen auch die Grundlage für natürlichen Knochen ist, in einen Defekt eingebracht werden. Allmählich wächst der umgebende Knochen in das Füllmaterial hinein, sodass sich der Knochen schließlich selbst regeneriert. Kann ein Knochen aus irgendeinem Grund nicht ausgebessert werden, kann man ihn aber auch durch eine Nachbildung aus Titan oder medizinischem Stahl ersetzen.

 

Wovon hängt der Erfolg einer Knochenrekonstruktion ab?

Im Allgemeinen kann man sagen: Je größer der Defekt, desto schwieriger ist das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Das kann so weit gehen, dass eventuell sogar Nachfolge-OPs notwendig werden. Ist ein Defekt dagegen nur ein paar Millimeter groß, ist auch die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen gering. Hierzu zählen beispielsweise Entzündungen und Wundheilungsstörungen aufgrund zerstörter Blutgefäße. In meinem Praxisalltag habe ich aber ohnehin eher mit Frakturen aufgrund von Sportunfällen zu tun. Mein Standard ist der Skifahrer, der mit 80 km/h von der Piste gesaust ist. Rekonstruierten Knochen nach schweren Verkehrsunfällen oder Tumorerkrankungen sehe ich persönlich eher selten.

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

Startseite