Lesen lernen in Zeiten von Corona

 

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Lesen lernen in Zeiten von Corona

Auch wenn die Grundschulen wieder geöffnet sind: Die Pandemie erschwert den ABC-Schützen das Lesenlernen noch immer. Was Schulen und Eltern tun können.

 

Immer wieder beklagen Bildungsforscher, dass viel zu viele Kinder die Grundschule verlassen, ohne ausreichend lesen und schreiben zu können. Die Pandemie hat diese missliche Lage noch verschlechtert. Vor allem Kinder, die von zu Hause wenig Anregungen beim Erobern der Buchstabenwelt bekommen, sind durch Schulschließungen und Distanzunterricht deutlich in Rückstand geraten. Dabei ist Lesenlernen ein aufwendiger Prozess, bei dem sie intensive Unterstützung brauchen, berichtet die Kolumnistin und Lehrerin Sabine Czerny im Deutschen Schulportal. Selbst wenn ein Kind bereits die ersten Buchstaben und deren Laute erfasst habe, sei es noch sehr schwer, aus beispielsweise „L“ und „a“ ein „La“ zusammenzuziehen. „Es benötigt teilweise ein monatelanges Vorsprechen, Nachsprechen und Den-Schriftzeichen-mit-dem Finger-Folgen, bis Kinder Buchstaben verbunden aussprechen können.“ Ist dies gelungen, ist die nächste Hürde, Silben zu erfassen und an die korrekte Aussprache anpassen zu können, um den Sinn aufnehmen zu können. „So gibt es beispielsweise kurze und lange Vokale, und ein Wort klingt häufig völlig entfremdet, wenn eben diese falsch ausgesprochen werden. Übers Feld läuft eben nicht ein ‚Hase‘, sondern ein ‚Hase‘.“ 

 

Das Problem sei nicht, dass die Kinder das nicht nachlernen könnten. Es liege vielmehr darin, „dass die Lehrpläne brechend voll sind und für den weiteren Schulverlauf Grundfähigkeiten vorausgesetzt werden, die nicht gründlich eingeübt werden konnten.“  Deshalb hält die Bildungsexpertin es für sinnvoll, die Lehrpläne der ersten beiden Schulklassen drastisch abzuspecken, um die Grundlagen des Lesens und auch des Rechnens intensiver vermitteln zu können, auf denen alle anderen Lernfelder aufbauen.

 

Lesefreude hausgemacht

Lesen ist nicht nur eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt, es ist auch Quelle großer Freude. Wie Eltern ihren Sprösslingen diese Freude vermitteln können:

 

  • Seien Sie Lesevorbild!

Lesen Sie selbst und freuen Sie sich mit Ihrem Kind über Gelesenes. Lesen Sie Ihrem Kind vor und lassen Sie sich erzählen, was es im Buch sieht.

 

  • Lassen Sie Ihr Kind aktiv sein!

Es darf selbst Bücher aussuchen, selbst umblättern, das Tempo bestimmen, Fragen stellen. Finden Sie heraus, was Ihr Kind interessiert, und schenken Sie Bücher zu diesem Thema. Lesen Sie mit Ihrem Kind Rezepte, Gebrauchsanweisungen, Kataloge usw.

 

  • Lesen kann man überall!

Beim Spazierengehen und beim Autofahren: Straßen- und Verkehrsschilder, Logos, Werbetafeln.

 

  • Verbinden Sie Bücher und Freizeit!

Bücher gehören ins Urlaubsgepäck, in die Badetasche, in den Rucksack. Zum Vorlesen passen auch Singen, Reimen, Blödeln – das tun alle Kinder gern und es schult Gehör und Sprache.

 

 

  • Wer’s digital mag: Auf learningapps.org können kostenlos kleine Apps zu unterschiedlichen Themen und Fächern selbst erstellt werden – z. B. ein Lückentext oder ein Multiple-Choice-Quiz.

 

 

 

 

 

 

 

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