5 Fragen zum Thema Skoliose an Dr. Nicolas Gumpert

 

©pathdoc-_AdobeStock

 

5 Fragen zum Thema Skoliose an Dr. Nicolas Gumpert:

Die Fehlstellung der Wirbelsäule – Skoliose

Herr Dr. Gumpert, was versteht man unter einer Skoliose?

Ganz einfach gesagt, ist eine Skoliose eine Fehlstellung der Wirbelsäule. Die besteht ja aus den sogenannten Wirbelkörpern. Ein solcher Wirbelkörper sollte mehr oder weniger quaderförmig sein. Wenn nun aber eine Seite des Wirbelkörpers langsamer wächst als die andere, entsteht eine Schräge.

Diese Schräge muss irgendwie durch die anderen Wirbelkörper ausgeglichen werden. Und hierdurch entsteht dann die Skoliose oder skoliotische Veränderung. Vereinfacht gesagt: Die Bausteine der Wirbelsäule stehen nicht gerade aufeinander, sondern schräg, wodurch es dann zu einer körperlichen Beeinträchtigung kommt.

 

Was ist denn eine solche typische körperliche Beeinträchtigung?

Skoliotiker:innen leiden sehr häufig an muskulären Überlastungsschmerzen, weil eine Skoliose auch mithilfe der Rückenmuskulatur ausgeglichen wird. Im Extremfall können diese Muskelschmerzen dann auf den gesamten Rücken ausstrahlen. Eine Skoliose ist deshalb auch immer ein Hochrisikofaktor für Rückenschmerzen im Alter. Außerdem kommt es im weiteren Verlauf zu punktuellen Überlastungen, die zu einer verstärkten Abnutzung zum Beispiel der Wirbelgelenke und der Bandscheiben führen – wodurch vor allem im späteren Leben weitere Probleme entstehen können.

 

Ist eine Skoliose angeboren oder entsteht sie zum Beispiel durch Fehlhaltungen?

Die häufigste Form der Skoliose ist die Wachstumsskoliose, die sich im Laufe des Wachstums entwickelt und sich erst während der Pubertät völlig ausprägt. Im Grunde könnte man eine solche Skoliose noch gut behandeln, wenn man sie denn frühzeitig diagnostiziert. Meistens kommen Betroffene aber erst in meine Praxis, wenn sie schon ausgewachsen sind.

Das Problem ist, dass man dann bei einer Skoliose nicht mehr viel machen kann. Die gute Nachricht: Eine Fehlstellung, zum Beispiel am Arbeitsplatz im Büro, führt nicht zu einer Skoliose. Hierdurch können zwar muskuläre Überlastungen entstehen, die sich symptomatisch ganz ähnlich wie eine Skoliose anfühlen, aber selbst eine jahrelange Fehlbelastung wird keine Skoliose verursachen.

 

 

Wie häufig ist eine Skoliose denn dann überhaupt?

Das kann man gut rechnerisch darlegen: Lediglich 1% der Bevölkerung hat eine tatsächliche Skoliose mit einer Fehlstellung von über 15 Grad. Ungefähr 5% haben eine Fehlstellung zwischen 10 und 15 Grad. Dann reden wir von einer skoliotischen Veränderung. Eine Fehlstellung von 10 Grad ist mit 25% dagegen relativ häufig. Allerdings wären 10 Grad Abweichung vielleicht für einen Architekten eine Katastrophe, für uns Orthopäden ist das aber noch ganz okay.

Es gibt aber auch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. So leiden Frauen etwa dreimal so häufig an einer Skoliose wie Männer. Das liegt daran, dass eine Skoliose auch durch unsere Bänder und unser Bindegewebe kompensiert werden muss. Und diese Strukturen sind bei Frauen nun einmal schwächer, weshalb es bei Frauen auch zu ausgeprägteren Skoliosen kommt.

 

Wie kann eine Skoliose behandelt werden?

Die Behandlung richtet sich immer nach der Schwere der Skoliose. Ab 50 Grad Fehlstellung denken wir beispielsweise über eine OP nach. Bei einer Fehlstellung von ungefähr 30 Grad könnte ein Korsett zum Einsatz kommen, um die Fehlstellung zu beheben.

Die vielen harmlosen Skoliosen behandeln wir aber in der Regel mit einem asymmetrischen Muskeltraining. Das Ziel hierbei ist der Ausgleich der asymmetrischen Wirbelkörper durch eine muskuläre Asymmetrie. Das genügt meistens schon, um eine positive Veränderung herbeizuführen. Das bedeutet aber nicht, dass die Wirbelsäule dadurch wieder perfekt gerade wird. Aber zumindest während des Wachstums können wir dafür sorgen, dass die Fehlstellung messbar abnimmt.

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

Startseite