Das Problem sind die Folgeerkrankungen

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Das Problem sind die Folgeerkrankungen

Herr Dr. Gumpert, Sie als Orthopäde sind ja eigentlich nicht für die Behandlung von Diabetes zuständig. Trotzdem spielt diese Erkrankung auch in Ihrem Praxisalltag eine Rolle. Wie kommt das?

Das stimmt, für Diabetes sind wir Orthopäden eigentlich nicht zuständig. Allerdings betreffen uns die daraus resultierenden Probleme indirekt. Das liegt daran, dass Diabetikerinnen und Diabetiker im Laufe der Erkrankung häufig unter bestimmten Beschwerden leiden, die insbesondere eben auch im orthopädischen Bereich auftreten. Fairerweise muss man nun aber sagen, dass wir in sportorthopädisch ausgerichteten Praxen wie meiner zwar seltener damit konfrontiert sind, weil unsere Patientinnen und Patienten in der Regel relativ jung und sportlich sind.

Deshalb habe ich vielleicht zweimal in der Woche mit Diabetes-assoziierten Fällen zu tun. In einer herkömmlichen orthopädischen Praxis liegt die Häufigkeit eher bei zweimal am Tag, weil Diabetes, insbesondere der sogenannte Altersdiabetes, in unserer Gesellschaft eben so verbreitet ist.

 

Warum verursacht Diabetes so häufig orthopädische Probleme? Gibt es dahinter eine Art Mechanismus?

Zunächst einmal ist es wichtig zu betonen, dass es keine direkte Schädigung der Knochen oder Gelenke durch den Diabetes gibt. Diabetes zieht Knochen, Bänder und Sehnen immer mittelbar in Mitleidenschaft. Diabetikerinnen und Diabetiker leiden zum Beispiel in nahezu allen Fällen an einer erhöhten Harnsäurekonzentration.

 

Das resultiert dann in Harnsäurekristallen, die in den Gelenken zu Gichtanfällen führen. Warum bei einem Diabetes andererseits aber zum Beispiel so häufig das Bindegewebe angegriffen wird, wissen wir bisher noch nicht genau. Die Zusammenhänge sind also klar, der Mechanismus dahinter aber nicht.

 

 

Welche Gelenk- oder Knochenbeschwerden sind denn typisch für Diabetiker:innen?

Typisch sind Probleme in der Peripherie, also in den Händen und Füßen, den Armen und Beinen. Hier kann es zum Beispiel zu Durchblutungsstörungen und Taubheit kommen, weil Diabetes auch das Nervensystem in Mitleidenschaft zieht. Zudem sind Hände, Schultern und Knie häufig von Versteifungen betroffen.

 

Ebenso können das Bindegewebe und der Sehnenapparat durch die Auswirkungen eines Diabetes geschädigt werden. So kann es zum Beispiel zu Fibromatosen wie dem sogenannten Morbus Ledderhose an den Fußsohlen oder dem Morbus Dupuytren in den Handflächen kommen. Durch die daraus resultierenden Fehlhaltungen oder Bewegungseinschränkungen geraten Patienten dann in eine Art Teufelskreis, an dessen Ende auch tatsächliche Gelenkschäden stehen können.

 

Inwieweit kann man durch Diabetes verursachte Gelenkprobleme dann überhaupt mit orthopädischen Maßnahmen beheben oder zumindest lindern?

Tatsächlich können wir Orthopäden da eigentlich nur die akuten Symptome behandeln. Und auch das ist nur begrenzt machbar. Ein oder zwei Finger können wir durch entsprechende Maßnahmen wieder mobilisieren, bei zehn Fingern wird das aber schon schwer. Deshalb ist es wichtig, dass der Diabetiker seine Grunderkrankung so gut wie möglich einstellt. Über die Zusammenhänge aufzuklären ist hier besonders wichtig. Denn vor allem der Altersdiabetes hängt auch mit dem Thema Übergewicht zusammen. Deshalb sollte Übergewicht nach Möglichkeit zumindest immer reduziert werden. Dadurch lastet nicht nur weniger Gewicht auf den Gelenken, auch die Folgen des Diabetes fallen weniger schwerwiegend aus. Gerade uns Orthopäden freut diese Synergie natürlich besonders. Letztlich ist es aber so, dass wir bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einem Diabetes immer darauf angewiesen sind, dass auch die ursächliche Erkrankung, nämlich der Diabetes, erfolgreich therapiert wird.

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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