5 Fragen an Dr. Nicolas Gumpert: Mit wenig Kraft viel erreichen

 

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5 Fragen zum Thema Mobilisation bei Gelenkbeschwerden an Dr. Nicolas Gumpert:

Mit wenig Kraft viel erreichen

 

Herr Dr. Gumpert, wenn ich mal beim Orthopäden war, dann fiel meistens irgendwann das Wort „Mobilisation“. Was bedeutet das eigentlich?

Gelenke können in der Bewegungsfunktion eingeschränkt sein. Das merken Betroffene zum Beispiel im Bereich der Wirbelsäule, wenn sie den Kopf nicht mehr richtig drehen oder sich nicht mehr bücken können. Unter Mobilisation versteht man, dass ein so blockiertes Gelenk wieder beweglich gemacht wird. In der Medizin nennt man das manuelle Medizin, Chirotherapie oder Chiropraktik. Umgangssprachlich sagt man dazu auch gerne Einrenken.

 

Welche Rolle spielt die Mobilisation in Ihrem „Werkzeugkoffer“ als Orthopäde?

Das kommt tatsächlich täglich vor. Es gibt einfach eine ganze Reihe von Gründen, weshalb ein Gelenk in seiner Bewegungsfunktion eingeschränkt sein kann. Der typische Risikofaktor für eine Blockade ist einerseits die muskuläre Verspannung. Aber auch bestimmte Sportarten können eine Blockade begünstigen.

Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Start-Stopp-Sportarten, also Bewegungen, die nicht so sehr auf einem gleichmäßigen Rhythmus beruhen, sondern eher auf kurzen, schnellen Richtungswechseln. Aber auch Tennis oder Golf, bei denen die Rotation des Gelenks sozusagen auf die Spitze getrieben wird.

 

Wie läuft eine Mobilisation ab? Oder kann man das gar nicht so pauschal sagen?

Grundsätzlich gibt es weiche Mobilisationstechniken, die eher an Massage erinnern, und die harte Mobilisation, die Patientinnen und Patienten häufig mit einem lauten Knacken assoziieren. Wie mobilisiert werden sollte, also mit welcher Technik und Methode, das hängt natürlich von der Art der Blockade und dem Zustand des Patienten ab.

Dabei geht es aber nicht nur um das Gelenk, sondern auch um das Lösen eventueller muskulärer Verspannungen. Denn wenn die Blockade gelöst ist, aber nicht die muskuläre Verspannung, die sie ausgelöst hat, dann wird auch das Gelenk innerhalb kürzester Zeit wieder blockiert sein.

 

 

Wie häufig müssen Sie denn jemanden, wie man so schön sagt, gesund spritzen?

Grundsätzlich kann man ein blockiertes Gelenk nahezu immer mobilisieren. Allerdings überdehne ich dabei ab einem gewissen Krafteinsatz auch die Bänder. Und die werden dann wiederum nachgiebiger, was die Gefahr eines späteren Defekts erhöht, weil sie ihre Stützfunktion schlechter erfüllen. Deshalb sollte man immer mit so wenig Kraftaufwand wie möglich mobilisieren.

Es gibt aber auch Fälle, da ist der oder die Betroffene so verspannt und blockiert, dass eine primäre Mobilisation zunächst einmal gar nicht infrage kommt. Dann kann ich so rund 24 Stunden vor der eigentlichen Mobilisation die Verspannungen zunächst einmal mit einem Muskelrelaxans lösen.

Es kommt aber auch vor, dass ich nach dem Einrenken merke, dass die ursächliche Verspannung noch da ist. Um eine erneute Blockade zu verhindern, kann ich dann auch noch einmal nach der Mobilisation ein muskelentspannendes Mittel spritzen.

 

Wie kann ich mich im Alltag selbst mobilisieren? Oder ist das gar nicht empfehlenswert?

Da hat jeder so seine eigenen Techniken. Manche legen sich bei Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule auf einen Tennisball, andere strecken sich am Türrahmen oder machen eine bestimmte Rotationsbewegung. Das ist zunächst auch einmal vollkommen okay, wenn die Verspannung dadurch gelöst und die Beweglichkeit wieder hergestellt wird. Dabei sollten aber möglichst auch immer die Bänder geschont werden. Und das kann man bei der Auto- oder Selbstmobilisation zu Hause nur schlecht kontrollieren.

Ein Profi wird dagegen immer darauf achten, dass das Gelenk mit dem geringstmöglichen Kraftaufwand mobilisiert wird. Und auch bei älteren Patienten oder Betroffenen mit Vorerkrankungen ist entsprechendes Fingerspitzengefühl gefragt.

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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