Wundmanagement bei Diabetes

©Dittrich

 

Wundmanagement bei Diabetes:

Warum ist es so wichtig und wie funktioniert es?

Die Diagnose Diabetes ist für Betroffene und Angehörige eine große Herausforderung. Eine entscheidende Rolle für die Erhaltung der Lebensqualität trotz Diabetes spielt die Vermeidung von Komplikationen. Über eine der häufigsten Komplikationen, nämlich das Auftreten und Abheilen von Wunden, sprechen wir heute mit der Fachtherapeutin Wunde Melanie Dittrich.

 

Frau Dittrich, Sie sind eine sogenannte Fachtherapeutin Wunde. Was kann man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Kurz gesagt, umfasst meine Tätigkeit die Versorgung von allen Arten von Wunden. Das bedeutet, ich stehe Patienten zur Seite, indem ich Wunden inspiziere, reinige, verbinde und phasengerecht versorge. Außerdem leite ich Patienten und Angehörige zum Verbandswechsel an und informiere sie über Möglichkeiten, wie und in welchem Maße sie ihre Wunden selbstständig behandeln können. Dabei arbeite ich aber nicht etwa alleine, sondern immer in enger Absprache mit den behandelnden Ärzten, Pflegediensten und Kollegen. Für Diabetiker ist ein solches Wundmanagement wichtig, weil sie relativ häufig unter schlecht heilenden Wunden leiden, die viel Pflege benötigen.

 

Warum leiden Diabetiker denn so oft unter einer gestörten Wundheilung?

Eine der häufigsten Beschwerden von Diabetikerinnen und Diabetikern ist das diabetische Fußsyndrom. Das geht in vielen Fällen mit einer Polyneuropathie einher, also einer Sensibilitätsstörung, die von einem Kribbeln in den Füßen bis hin zu einer völligen Schmerzunempfindlichkeit reichen kann. Durch einen über Jahre schlecht eingestellten Blutzucker können sich außerdem die Blutgefäße verengt haben, wodurch die Füße nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Schweiß- und die Talgdrüsenproduktion können ebenfalls gestört sein. In Kombination führen diese Beschwerden dazu, dass sich selbst eine Bagatellwunde innerhalb kurzer Zeit zu einer chronischen oder infizierten Wunde entwickeln kann. Im schlimmsten Fall steht am Ende dieser Entwicklung sogar die Amputation. Und genau deshalb ist es wichtig, dass alle Wunden frühzeitig und adäquat versorgt werden.

 

Sie sagten, dass Sie Patientinnen und Patienten auch zur selbstständigen Wundpflege anleiten. Was gibt es hier für Möglichkeiten?

Zunächst einmal können Betroffene oder auch Angehörige zu speziellen Schulungen gehen, um zu erlernen, worauf sie im Alltag achten müssen und wie sie bestimmte Probleme angehen oder auch vermeiden können. Wichtig ist beispielsweise, dass sensible Körperstellen, insbesondere die Füße und auch die Schuhe, regelmäßig überprüft werden. Bei diesen Fuß- und Schuhinspektionen geht es darum, sowohl Fremdkörper im Schuh als auch Deformierungen oder Verletzungen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten, zum Beispiel in Form von orthopädischen Schuhen. Leider beachten wir unsere Füße im Alltag aber eher wenig, vor allem, wenn man ohnehin wegen fortgeschrittenen Alters bewegungseingeschränkt ist und die Füße einfach nicht mehr so hoch heben kann, dass Fußsohle oder Zehen überprüft werden könnten. Ist dann auch noch der Schmerzreiz gestört, fehlen uns die entsprechenden Warnsignale. Denn alles, was nicht wehtut, schaut man sich meist auch nicht genauer an.

 

Wie lange dauert es, bis eine solche Wunde ausgeheilt ist?

Für die Dauer der Wundheilung spielen so viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, dass man hier seriöserweise kaum einen zeitlichen Horizont festlegen kann. So ist für die Wundheilung insbesondere auch die richtige Einstellung des Blutzuckers durch eine Diabetologin oder einen Diabetologen wichtig. Gegebenenfalls ist es auch nötig, das Gefäßsystem durch einen Facharzt überprüfen zu lassen, damit zum Beispiel eine Minderdurchblutung vermieden und/oder behoben werden kann. Betroffene sollten aber wissen, dass wir all diese Faktoren letztlich so beeinflussen können, dass eine diabetische Wunde wieder vollständig abheilen kann.

 

 

 

 

 

 

 

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