5 Fragen zum Thema „Nahrungsergänzungsmittel“ an Dr. Nicolas Gumpert

 

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5 Fragen zum Thema „Nahrungsergänzungsmittel“ an Dr. Nicolas Gumpert:

Welche Supplemente sind für den Erhalt der Knochengesundheit sinnvoll?

Herr Dr. Gumpert, welche Nährstoffe sind für unsere Knochengesundheit unverzichtbar?

Da gibt es natürlich eine ganze Reihe von Nährstoffen, die auch untereinander in einer Wechselbeziehung stehen. Wenn man nun aber die wichtigsten nennen möchte, dann kämen an erster Stelle sicherlich Vitamin D und Kalzium. Vitamin D fördert nämlich maßgeblich die Einlagerung von Kalzium in den Knochen, und Kalzium ist nun mal der Hauptbaustoff für unser Skelett. Ebenfalls wichtig ist Vitamin K2, das den Knochenstoffwechsel maßgeblich mitbestimmt. Und auch auf Magnesium, Folsäure und Vitamin B12 können gesunde Knochen nicht verzichten. Sogar eine kleine Menge Proteine ist für den Knochenstoffwechsel von Bedeutung.

 

Wie sinnvoll ist denn die Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln, um die Knochengesundheit zu erhalten?

Das kommt immer auf die Gründe an. Gehört man etwa zu einer Risikogruppe, zum Beispiel weil mehrere Mitglieder der näheren Verwandtschaft an Osteoporose erkrankt sind oder es häufiger zu Knochenbrüchen kommt, kann die Supplementierung durch Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sein. Völlig Gesunde haben hingegen in der Regel keinen Bedarf dafür. Allerdings nimmt die Knochendichte im Alter nun einmal bei jedem Menschen ab. Deshalb wird die Supplementierung auch manchmal erst mit den Jahren notwendig. So können wir die Knochenstabilität zwar nicht auf einem jugendlichen Niveau halten, aber zumindest Geschwindigkeit und Umfang des natürlichen Abbaus vermindern.

 

Ab welchem Alter muss man denn damit rechnen, dass die Knochen zusätzliche Nährstoffe benötigen?

Ganz pauschal könnte man sagen, dass das bei den Frauen ab dem 50. Lebensjahr mit dem Einsetzen der Wechseljahre beginnt. Dann fallen die Östrogenwerte drastisch ab, die bisher dafür gesorgt haben, dass die Knochenstruktur elastisch und stabil bleibt. Bei den Männern sieht das etwas anders aus.

Deren Testosteronspiegel sinkt ab dem 50. Lebensjahr eher kontinuierlich ab, weshalb auch der damit einhergehende Verlust der Knochendichte und die damit verbundenen Probleme allmählich einsetzen, nämlich proportional zum sinkenden Testosteronwert. Deshalb empfehlen wir eine Supplementierung für Männer im Allgemeinen erst ab dem 60. Lebensjahr. Vor jeder solchen Supplementierung sollte aber immer eine Knochendichtemessung stehen, da die uns genau vor Augen führt, wie ausgeprägt ein bestimmter Mangel ist und in welchem Umfang supplementiert werden sollte.

 

 

Was halten Sie davon, ab dieser Schwelle ganz einfach vorbeugend zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen?

Davon würde ich abraten. Das Problem ist, dass manche der Nährstoffe, die wir für die Gesundheit unserer Knochen benötigen, in zu hoher Dosierung auch schädlich sein können. Das gilt insbesondere für Vitamin D, das zwar den Einbau von Kalzium in den Knochen reguliert, aber auch die Ausscheidung über die Nieren. Nehmen wir nun Vitamin D und Kalzium in sehr hohen Dosen zu uns, werden wir fast zwangsläufig innerhalb weniger Monate Nierensteine entwickeln – vor allem, wenn wir ohnehin wenig Flüssigkeit zu uns nehmen, was gerade bei älteren Menschen leider häufig der Fall ist.

 

Wie sinnvoll ist eine Supplementierung von Nährstoffen zwecks Knochengesundheit für einen an sich ganz kerngesunden Menschen?

Hierfür gibt es eigentlich keinen Grund. In der Regel kann man die Knochengesundheit schon durch eine nährstoffreiche, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sicherstellen. Leider sehe ich in meinem Praxisalltag aber immer wieder, dass insbesondere Männer dazu neigen, zum Beispiel extrem hoch dosierte Vitamin-D-Präparate einzunehmen, obwohl es dafür keinerlei Notwendigkeit gibt.

Im Labor sieht man dann, dass diese Personen astronomisch erhöhte Werte haben, die auch ernste gesundheitliche Probleme verursachen können. Das kann die Muskeln betreffen, die Nerven, die Konzentrationsfähigkeit, aber auch Herz-Rhythmus-Störungen verursachen. Hier muss man leider sagen: Viel hilft nicht immer viel, insbesondere bei Nährstoffen. Da kann ein Zuviel sogar schaden.

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

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