Bei Diabetes oft unterschätzt: Psychische Belastungen

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Bei Diabetes oft unterschätzt: Psychische Belastungen

Komplikationen wie Über- und Unterzuckerung und mögliche Folgeschäden durch Diabetes mellitus an Herz-Kreislauf- und Nervensystem, Augen und Nieren sind bekannt. Darüber hinaus kann Diabetes mellitus auch die psychische Gesundheit negativ beeinflussen. Dieser Aspekt wird jedoch immer noch unterschätzt.

 

Psychische Belastungen durch die Erkrankung können Folgen für die Diabeteseinstellung, die Prognose und die Lebensqualität der Betroffenen haben. Die gesundheitliche Situation kann sich zudem auf familiäre und soziale Beziehungen auswirken. Es ist daher wichtig, auf die engen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Psyche aufmerksam zu machen und in die Gesundheitsversorgung von Diabetikern auch psychotherapeutische Ansätze einzuschließen.

Diabetiker haben gegenüber stoffwechselgesunden Menschen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, psychische Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen zu entwickeln.  Es wird angenommen, dass etwa 12% der Diabetiker an einer Depression und etwa 18 % unter Antriebslosigkeit und Zukunftsängsten leiden. Jedoch werden depressive Störungen bei Diabetikern oft nicht frühzeitig erkannt beziehungsweise nicht der Stoffwechselerkrankung zugeordnet. Denn Beschwerden wie Müdigkeit, Apathie, Angst, sexuelle Probleme, Schlafstörungen können sowohl stoffwechselbedingt als auch im Rahmen einer depressiven Störung auftreten.

 

Diabetes und Depressionen gehen oft Hand in Hand

Die psychische Belastung ist vielfach auf die grundsätzliche Belastung von Menschen mit Diabetes zurückzuführen. Die chronische Erkrankung verlangt eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle und Medikamenteneinnahme. Bestimmte Lebensstilmaßnahmen müssen eingehalten werden. Die Medikamentendosis muss an die Ernährung und die Bewegung angepasst werden. Hohe Anforderungen an die Alltagsaktivitäten verlangen eine gute Planung geplant.

Diese alltägliche Belastung durch die Diabetestherapie kann Betroffene seelisch belasten und überfordern, was die Selbstbehandlung zusätzlich erschwert. Auf der anderen Seite können schwankende Blutzuckerwerte durch einen schlecht eingestellten Blutzuckerspiegel mit dauerhaften Über- oder schweren Unterzuckerungen depressive Episoden begünstigen. Werden diese nicht erkannt, kann wiederum der Diabetes nicht richtig eingestellt werden. So entsteht ein Teufelskreis. All dies kann auch für Angehörige eine hohe Belastung darstellen. Sie wissen oft nicht, wie sie dem Diabetiker unterstützend zur Seite
stehen können.

 

Therapie von Depressionen bei Diabetikern

Dies zeigt, wie wichtig es ist, die psychosoziale Unterstützung von Diabetikern zu fördern und Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie Betroffene und Angehörige am besten mit diabetesbedingten Ängsten umgehen können.

Die Behandlung umfasst psychotherapeutische Maßnahmen mit Stressbewältigungsstrategien und, je nach Schwere der Depression, die Gabe eines Antidepressivums. Bei leichten depressiven Verstimmungen ist oft regelmäßige körperliche Aktivität hilfreich.

Wichtig im Rahmen der Therapie ist eine engmaschige ärztliche Begleitung, um eine gute Blutzuckereinstellung zu gewährleisten. Sie ist die Grundlage für die psychische Stabilität.

 

Fazit: Patienten mit Diabetes und Depressionen adäquat unterstützen

Die Diagnose Diabetes ist eine einschneidende Veränderung im Leben und für viele Betroffene eine enorme seelische Belastung. Deshalb müssen psychische Begleiterkrankungen als wesentliche Komplikation bei Diabetes mehr in den Fokus gerückt und Schulungsprogramme für Betroffene und Angehörige angeboten werden. Die psychotherapeutische Unterstützung ist ein äußerst wichtiger Baustein bei der Behandlung von Diabetes, um die Versorgung von Patienten mit Diabetes und psychischen Erkrankungen zu verbessern.

 

 

 

 

 

 

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