Oberschenkelhalsbruch: Warum er so gefürchtet ist und wie man ihn vermeidet

 

 

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Oberschenkelhalsbruch: Warum er so gefürchtet ist und wie man ihn vermeidet

Herr Dr. Gumpert, warum ist ein Oberschenkelhalsbruch vor allem in fortgeschrittenem Alter so gefürchtet?

Der Bruch des Oberschenkelhalses ist eine sehr langwierige Verletzung, deren Versorgung insbesondere bei älteren Patienten schwierig sein kann. Das ist auch statistisch belegt: Ab dem 80. Lebensjahr erhöht ein Oberschenkelhalsbruch die Gefahr des Versterbens um circa 50%. Die Gründe hierfür liegen meist aber nicht etwa beim eigentlichen Bruch, sondern bei seinen indirekten Folgen, also den Komplikationen, die bei der Genesung auftreten können.

Was sind das für Komplikationen?

Um einen Oberschenkelhalsbruch auszukurieren, ist beispielsweise eine lange Bettruhe nötig. Die kann aber auch zum Problem werden, denn durch die lange Bettlägerigkeit kann es zu einer Lungenentzündung kommen, die durch das ohnehin geschwächte Immunsystem nur unzureichend bekämpft werden kann. Außerdem muss ein Bruch des Oberschenkelhalses oftmals gerichtet werden, teilweise auch durch den Einsatz von Schrauben. Manchmal muss sogar das ganze Gelenk ausgetauscht werden. Das macht natürlich eine größere OP notwendig, die vor allem für ältere Patienten ein nicht unerhebliches Risiko bedeutet.

Was sind die häufigsten Ursachen für einen Oberschenkelhalsbruch?

Vielleicht hilft es etwas, zunächst zu erklären, dass der sogenannte Schenkelhals in unserem Körper so etwas wie eine Sollbruchstelle ist. Dabei handelt es sich um eine Verdünnung am oberen Ende des Oberschenkelknochens. Diese Verdünnung bricht relativ leicht durch, weil der Knochen hier in einem Winkel von fast 90 Grad abgeknickt ist, wodurch natürlich enorme Kräfte wirken. Bei jungen Menschen ist der Knochen sehr stabil, weshalb auch ein Oberschenkelhalsbruch sehr selten ist. Eigentlich kommt er nur bei Fahrradstürzen oder anderen schweren Verkehrs- oder Sportunfällen vor. Erst im fortgeschrittenen Alter spielt insbesondere bei den Frauen auch die Osteoporose eine Rolle. Denn durch Osteoporose nimmt die Knochendichte ab, weshalb auch Brüche häufiger auftreten. Hier kann es schon durch einen Sturz zu einer Fraktur kommen.

 

Wenn Sie von einer Sollbruchstelle sprechen, klingt das so, als gebe es für einen Oberschenkelhalsbruch keine wirkliche Prophylaxe …

Das stimmt so nicht ganz. Natürlich lassen sich solche Frakturen infolge eines Unfalls kaum vermeiden. Umso wichtiger ist jedoch die Osteoporose-Prophylaxe. Hierfür sollte man ab dem 60. Lebensjahr eine Knochendichtemessung vornehmen lassen, um die Knochendichte
zu überprüfen und gegebenenfalls durch eine kontrollierte Nährstoffzufuhr zu optimieren. Mit zunehmendem Alter nimmt außerdem die Trittsicherheit ab, weshalb die Sturzprophylaxe nun umso wichtiger wird. Diese Sturzprophylaxe kann man in bestimmten Kursen erlernen, die Gleichgewichtstraining mit dem richtigen Fallen und Abfangen verbinden. Und natürlich ist auch das Muskeltraining geeignet, um nicht nur die Trittsicherheit zu erhöhen, sondern auch, um im Falle eines Sturzes die Kraft und Agilität zu haben, um sich abzufangen. Außerdem ist Muskelmasse natürlich ein zusätzliches Polster, wodurch ein Bruch unwahrscheinlicher wird.

Was sollten sich Betroffene zu Herzen nehmen, um möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen?

Sie sollten sich keinesfalls unterkriegen lassen. Ja, ein Oberschenkelhalsbruch ist eine langwierige Angelegenheit, aber eben keine endlose. Am wichtigsten ist es, dass man sich so schnell wie möglich wieder aufrappelt und mobilisiert.

Hierfür gibt es während der Genesung spezielle Rehabilitationsprogramme, die später durch eine ambulante Physiotherapie ergänzt werden. Hierbei kommt es vor allem auf den Willen der Patienten an. Aber auch darauf, Fortschritte zu erkennen, wertzuschätzen und darauf aufzubauen.

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

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