5 Fragen zum Thema „Gesundes Schuhwerk“ an Dr. Nicolas Gumpert

 

 

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5 Fragen zum Thema „Gesundes Schuhwerk“ an Dr. Nicolas Gumpert

Woran erkennt man gesunde Schuhe und auf was gilt es im Alltag zu achten?

 

Herr Dr. Gumpert, es gibt wohl kaum einen Menschen in Deutschland, der nicht ein Paar Sportschuhe besitzt. Aber sind Sportschuhe auch gesund? Schließlich hört man immer wieder, die sogenannten Sneaker hätten gar kein Fußbett und seien daher nicht empfehlenswert …

Da muss man grundsätzlich unterscheiden, denn es gibt sowohl Sportschuhe als auch Sneaker. Moderne Sportschuhe sind speziell für verschiedenste Sportarten entwickelt und verfügen über sehr gute Stützsysteme, die in den Schuh integriert sind. Dazu gehören zum Beispiel auch Jogging- oder Laufschuhe. Sneaker sehen zwar sportlich aus, sind für den sportlichen Einsatz aber nicht unbedingt geeignet.

Und das liegt vor allem daran, wie Sie eingangs schon sagten, dass diese Schuhe nicht immer über ein stützendes Fußbett verfügen. So kann es zunächst einmal zu Fußschmerzen kommen. Im weiteren Verlauf dann auch zu Überlastungssyndromen, beispielsweise Sehnenentzündungen, Knochenhautentzündungen und im schlimmsten Fall sogar Ermüdungsbrüchen.

 

Das heißt, es kommt weniger auf die Aufmachung und eher auf die Sohle an?

Absolut! 90 Prozent der Menschen, die von Kindesbeinen an mit Schuhen aufwachsen, haben eine Tendenz zum sogenannten Knickfuß. Dabei knickt der Fuß nach innen ein, weil das Fußgewölbe nicht kräftig genug ausgebildet ist. Ein ergonomisch geformtes Fußbett sorgt dafür, dass das Fußgewölbe abgestützt und diese Fehlstellung nicht noch weiter verstärkt wird.

 

In vielen modernen Schuhen ist ein solches Fußbett mittlerweile Standard. Bei älteren Modellen ist das aber nicht immer der Fall, weshalb es dann zu Problemen kommen kann.

 

 

Gibt es denn auch Schuhe, von denen Sie aus orthopädischer Sicht grundsätzlich abraten würden?

Für die Verletzungsgefahr spielt vor allem die Absatz- bzw. Sohlenhöhe eine Rolle. Manche Stöckelschuhe haben acht oder sogar zehn Zentimeter hohe Absätze. Das bedeutet zum einen, dass die gesamte Belastung vom Fuß auf die relativ kleine Fläche des Vorderfußes verlagert wird, wodurch dieser übermäßig belastet wird.

Zum anderen steigt durch hohe Absätze und Plateausohlen aber auch die Gefahr des Umknickens und entsprechender Verletzungen wie Außenknöchelbrüche. Allerdings wissen vor allem die Menschen, die Stöckelschuhe tragen, auch um ihre Beschränkungen. Die sagen dann gerne, dass das reine „Sitzschuhe“ seien.

 

Das klingt so, als wäre es ratsam, mit Wanderschuhen durch den Alltag zu stiefeln …

Ganz abwegig ist das nicht. Tatsächlich ist der Wanderschuh ja genau dafür gedacht, lange und schwierige Strecken zu bewältigen. Polsterung und Stützfunktion sind deshalb wirklich sehr gut. Allerdings sind Wanderschuhe auch klobig und meist deutlich schwerer als normale Schuhe. Wirklich alltagstauglich sind sie daher nur begrenzt.

Bei Patienten, die sehr häufig umknicken, empfehle ich aus diesem Grund auch eher Bandagen oder die noch stabileren Orthesen. Die können auch in Kombination mit normalen Schuhen getragen werden und sind deshalb für den Alltagseinsatz deutlich besser geeignet.

 

Zu guter Letzt: Was halten Sie von sogenannten Barfußschuhen?

Die Idee hinter dem Barfußschuh ist es ja, die Fußmuskulatur durch die fehlende Stützfunktion des Schuhs und seiner einzelnen Komponenten zu stärken, wodurch wir uns wieder einen ganz natürlichen Laufstil angewöhnen können.

Barfußschuhe sind deshalb auch keineswegs negativ zu sehen, aber eben leider auch nicht völlig unkritisch. Ich sagte ja schon, dass wir seit frühester Kindheit an Schuhe gewöhnt sind. Und das hat dazu geführt, dass unsere Füße im Grunde degeneriert sind. Kaufen wir uns nun Barfußschuhe, in denen wir von jetzt auf gleich den ganzen Tag herumlaufen, wird das unsere Füße ziemlich sicher überfordern.

Wichtig ist deshalb eine Phase der Umgewöhnung, in der wir die Barfußschuhe erst einmal eine halbe Stunde tragen und die Tragezeit allmählich erhöhen. So können sich unsere Füße langsam anpassen, sodass wir am Ende tatsächlich von einer gestärkten Fußmuskulatur profitieren.

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Gumpert!

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

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