5 Fragen zum Thema „Rheumatoide Arthritis“ an Dr. Nicolas Gumpert

 

 

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5 Fragen zum Thema „Rheumatoide Arthritis“ an Dr. Nicolas Gumpert:

Wenn der Körper sich gegen die eigenen Gelenke wendet

 

Herr Dr. Gumpert, heute soll es um chronisch-entzündliche Erkrankungen gehen, genauer gesagt, um rheumatoide Arthritis. Könnten Sie zunächst einmal erläutern, worum es sich dabei handelt?

Wie Sie schon sagten, gehört die rheumatoide Arthritis zu den chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Darunter verstehen wir insbesondere Autoimmunerkrankungen, also Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen sich selber richtet, weil die Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen gestört ist.

So ist das auch bei einer rheumatoiden Arthritis. Hierbei greift das Immunsystem typischerweise die Schleimhaut innerhalb eines Gelenks an, weil es diese fälschlicherweise als körperfremd identifiziert. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen, die auf lange Sicht auch den Gelenkknorpel in Mitleidenschaft ziehen, wodurch das Gelenk dauerhaft geschädigt wird.

 

Wie weit ist Rheuma verbreitet? Und welche Gelenke sind typischerweise betroffen?

Die Zahl der Erkrankten dürfte hierzulande zwischen einer halben und einer Million Menschen liegen. Beschwerden treten manchmal schon in jungen Jahren auf, also zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr. Im Durchschnitt liegt das Alter Erkrankter aber zwischen 55 und 65 Jahren. Leider muss man hierzu sagen, dass Frauen deutlich häufiger an rheumatoider Arthritis leiden als Männer, nämlich drei- bis viermal so oft. Betroffen sind dabei besonders häufig kleine Gelenke, zum Beispiel Finger- und Zehengelenke. Es können aber auch Hüft-, Knie- und Sprunggelenke in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei können neben dem Knorpel auch die Sehnenansätze geschädigt werden, wodurch es schließlich zu Fehlstellungen und Funktionsausfällen kommen kann.

 

Wodurch wird eine rheumatoide Arthritis verursacht?

Als wichtigster Faktor für den Ausbruch einer rheumatoiden Arthritis gilt heutzutage die genetische Prädisposition: Je nachdem welche Antigen-Kombination wir haben, erkranken wir bis zu 50 Prozent häufiger oder seltener an rheumatoider Arthritis. Deshalb sieht man bei Rheuma sehr oft auch eine familiäre Häufung der Fälle – einfach, weil die genetische Ausgangslage so ähnlich ist. Ebenfalls wichtig scheint der Tabakkonsum zu sein. Wer jahrelang geraucht hat, hat statistisch ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken.

 

 

 

Wie sieht der typische Verlauf einer rheumatoiden Arthritis aus? Wie wird sie behandelt?

Zunächst einmal muss man leider feststellen, dass eine rheumatoide Arthritis nicht heilbar ist. Der therapeutische Ansatz verfolgt deshalb auch, lediglich die Entzündungsvorgänge, die die Beschwerden verursachen, zu lindern. Allerdings gelingt uns das im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten immer besser, weil der medizinische Fortschritt uns in die Karten spielt: Während man früher häufig Medikamente aus der Familie der Chemotherapeutika oder andere sehr allgemein wirkende Immunsuppressiva einsetzte, die quasi überall im Körper wirkten, stehen uns heute vor allem bei leichten oder mittelschweren Erkrankungen neue Antikörper-Medikamente, sogenannte Biologika, zur Verfügung, die ganz gezielt einzelne Komponenten des Immunsystems beeinflussen. Biologika werden bei mittleren bis schweren Verläufen der rheumatoiden Arthritis eingesetzt.

Sind allerdings mehrere Gelenke betroffen oder ist der Rheumaschub sehr stark, setzen wir auch heutzutage noch systemische Therapien ein. Diese sind jedoch für jeden Patienten und jede Patientin individuell ausgearbeitet, so dass wir eine hohe Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen erreichen.

 

Gibt es Aktivitäten, die bei einer rheumatoiden Arthritis unterlassen werden sollten, oder die sich eventuell sogar positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken?

Eine rheumatoide Arthritis führt in der Regel zu mehr oder minder ausgeprägten Funktionseinschränkungen einzelner Gelenke oder Gelenkgruppen. Deshalb ist unser Ziel auch immer, die Betroffenen möglichst lange beweglich zu halten.

Dafür suchen wir gemeinsam mit den Patienten nach den passenden Sportarten. Das kann zum Beispiel Fahrradfahren sein, oder Schwimmen, sogar Inline-Skating.

 

Vielen Dank für  dieses Interview,  Herr Dr. Gumpert!

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

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