Nicht mehr wegzukriegen vom Bildschirm

Das geht vielen Jugendlichen so, aber – seien wir ehrlich – auch ihren Eltern. Wie Familien die digitale Welt sinnvoll nutzen können.

Das Zauberwort heißt Medienkompetenz, und der Grundstein dazu wird bereits im Kindesalter gelegt, betont die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in all ihren Beratungsangeboten zum Thema digitale Medien. Ein Kindergartenkind etwa, das längst noch nicht über ein eigenes Smartphone oder ähnliches verfügt, merkt sehr wohl, ob Mama oder Papa ihre eigenen Geräte bewusst und zielgerichtet einsetzen – zum Beispiel um herauszufinden, wann der nächste Bus fährt – oder regelmäßig „daddeln“.

Digitale Medien bewusst aktiv zu nutzen und nicht von ihnen „getrieben“ zu werden, das funktioniert am besten, wenn diese regelmäßig auch mal komplett abgeschaltet sind – Stichwort „Digital Detox“ (engl. „digitale Entgiftung“). Das können einige Stunden oder auch ganze Tage oder Wochen sein. Das heißt nicht, dass digitale Medien verteufelt oder gar medienfreie Zeiten als Bestrafung eingesetzt werden sollten. Im Gegenteil: Ein gemäßigter und gezielter Medienkonsum hilft dabei, diese Angebote besser schätzen und nutzen zu können.

Je nachdem, wie sehr Chatten, Online-Spiele, Serien gucken etc. den kindlichen und jugendlichen Alltag bestimmen, empfiehlt es, in kleinen Schritten auf einen bewussteren Umgang zuzusteuern – der nicht nur für den Nachwuchs, sondern für alle gilt. Zum Beispiel sollte am Esstisch das Smartphone weggelegt oder noch besser ausgeschaltet werden. Ebenso vor dem Schlafengehen, denn das bläuliche Licht von Bildschirmen aller Art hemmt die Bildung von Schlafhormonen im Gehirn und schadet so der Schlafqualität. Warum also können nicht einfach alle Familienmitglieder über Nacht ihre Handys im Wohnzimmer laden? Auf diese Weise fällt auch früh morgens nicht der erste Blick auf das Smartphone.

Bildschirmzeiten

Auch eine Begrenzung der Bildschirmzeiten für Kinder und Jugendliche ist hilfreich. Die BZgA empfiehlt als Richtwert: Für 10-12 Jährige eine Stunde pro Tag bzw. sieben Stunden pro Woche, für 13-14-Jährige eineinhalb Stunden täglich bzw. zehneinhalb Stunden pro Woche, und für 15-16-Jährige zwei bis zweieinhalb Stunden täglich bzw. 14 bis 17,5 Stunden pro Woche. Viele Router bieten, wie beispielsweise auch die weit verbreitete Fritz Box, die Möglichkeit, Tageszeiten oder auch Zeitkontingente für den Internetzugang verschiedener Geräte festzulegen. Wichtig ist natürlich auch hier, dass nicht nur der Nachwuchs bewusst eingeschränkt wird, sondern auch das elterliche Medienverhalten.

So tut es auch den Großen gut, Push-Benachrichtigungen für alle Apps abzustellen, um Ablenkungen im Alltag so gering wie möglich zu halten. Zudem empfiehlt es sich, am Tag bestimmte Zeitfenster festzulegen, um auf Nachrichten und E-Mails antworten. So gehen Eltern ihrem Kind mit gutem Beispiel voran und können gleichzeitig für mehr Entspannung in Ihrem eigenen Alltag sorgen.

Im Gespräch bleiben

Damit all das gut funktioniert, sollten Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben. Das klingt zwar leichter, als es manchmal ist, aber mit diesen Tipps klappt es besser:

Interesse zeigen

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es an den Spielen bzw. den Internetangeboten gut findet und wie seine Freundinnen und Freunde darüber denken – und tauchen Sie ruhig einmal selbst mit dem Nachwuchs in seine virtuelle Welt ein.

Unwissen zugeben

Gestehen Sie Ihrem Kind zu, dass es technisch auf dem Gebiet der Computer- und Internetnutzung möglicherweise mehr Ahnung hat als Sie selbst. Diese Anerkennung ermöglicht auch über technische Belange hinaus einen freundlicheren Austausch.

Gemeinsame Zeit finden

Kleine Rituale und gemeinsame Unternehmungen stärken die Eltern-Kind-Beziehung: vom gemeinsamen Frühstück und/oder Abendessen bis hin zu Ausflügen und Familienurlaub. Hier haben Sie hier viele Möglichkeiten, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

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