5 Fragen zum Thema „Fußstabilität“ an Dr. Nicolas Gumpert

Warum es manchmal schwierig ist, auf den eigenen Füßen zu stehen

Herr Dr. Gumpert, wenn wir nicht gerade ein Nickerchen halten, lastet auf unseren Füßen unser gesamtes Körpergewicht. Das dürfte eigentlich kein Problem sein, schließlich sind unsere Füße ja dafür gemacht. Allerdings gibt es auch Menschen, deren Füße auf die eine oder andere Art instabil sind…

Das stimmt. Tatsächlich sind unsere Füße mit 26 Knochen, 33 Gelenken, über 100 Bändern und 20 Muskeln samt Sehnen ein sehr komplexes Gebilde. Deshalb gibt es auch eine Vielzahl von Beschwerden, die die Stabilität unserer Füße beeinflussen.

Welche Formen der Instabilität können denn
in diesem Bereich auftreten?

Knickt der Fuß beispielsweise nach innen weg, sprechen wir von einer Knickfußfehlstellung. Wenn das Fußgewölbe, also der mittlere Teil des Fußes, zu schwach ist, entsteht wiederum ein Senkfuß, in extremer Ausprägung sogar ein Plattfuß. Bei einer übermäßigen Ausprägung des Fußgewölbes handelt es sich dagegen um einen Hohlfuß. Und das vordere Drittel des Fußes, der Vorfuß, kann zum Spreizfuß werden. All diese Krankheitsbilder verursachen eine Instabilität des Fußes.

Treten diese Fehlstellungen einzeln auf,
oder bedingen sie einander stattdessen?

Leider bedingen sie sich gegenseitig, so dass bestimmte Fußfehlstellungen fast zwangsläufig andere Instabilitäten nach sich ziehen. Wenn man zum Beispiel einen Knickfuß hat, hat man sehr häufig auch einen Senkfuß oder einen Plattfuß, der wiederum sehr häufig zusammen mit einem Spreizfuß auftritt. Gerade diese Kombination mehrerer Instabilitäten ist für Betroffenen natürlich ungünstig und erschwert die adäquate Behandlung.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es
für diese Fehlstellungen?

In der modernen Orthopädie spielt vor allem die Stärkung der Fußmuskulatur durch gezieltes Training eine Rolle. Sind beispielsweise die Bänder schlaff, können die
Muskeln das teilweise kompensieren. Solche aktiven Ansätze funktionieren gerade bei jungen Patientinnen und Patienten sehr gut. Mit zunehmendem Alter gewinnen hingegen Einlagen an Bedeutung. Die bieten uns individuelle Lösungen, um punktuell bestimmte Instabilitäten zu kompensieren.

Sind solche Instabilitäten angeboren oder entwickeln sie sich aus dem täglichen Gebrauch der Füße?

Die möglichen Gründe für eine Instabilität sind sehr vielfältig. Angeborenen Fehlstellungen sind eher selten. Viel wichtiger ist der Verschleiß. Ich vergleiche das gerne mit den Falten im Gesicht: Genauso wie die Haut in unserem Gesicht an Spannkraft verliert und wir Falten bekommen, so nimmt auch die Elastizität des Muskels und Bänder im Fuß ab, so dass er allmählich an Stabilität einbüßt.

Allerdings gibt es auch Faktoren, die Verschleiß begünstigen können, beispielsweise ungünstiges Schuhwerk wie Absatzschuhe, bei denen fast das gesamte Gewicht auf dem Vorderfuß lastet. Bandverletzungen oder andere Traumata, die nicht gut ausgeheilt sind, führen ebenso zu zunehmender Instabilität.

Gibt es auch Erkrankungen, die eine Instabilität der Füße verursachen können?

Da wären vor allem die rheumatischen Erkrankungen zu nennen. Dabei greift das Immunsystem eigenes Körpergewebe an, auch die Sehnen und Bänder. Natürlich muss man hierzu sehr differenziert betrachten, welche rheumatische Erkrankung vorliegt. Generell kann man aber sagen, dass sich Autoimmunerkrankungen in diesem Bereich immer auch negativ auf die Stabilität auswirken.

Worauf müssen wir im Alltag achten, damit unsere Füße stabil bleiben?

Optimal wäre es, ständig barfuß im Sand zu laufen, weil dabei die Fußmuskulatur umfassend trainiert wird. Wenn man nicht gerade zufällig am Strand wohnt, ist das aber kaum möglich.

Auf einem anderen Untergrund wird es schnell schwierig, denn unsere Füße sind meist gar nicht mehr ausreichend verhornt, um damit über unebenen und unregelmäßigen Grund zu laufen. Das können wohl alle bestätigen, die mal auf einen Legostein getreten sind.

 

Eine Alternative zum Barfußlaufen sind Barfußschuhe. Die bieten einen gewissen Schutz bei hoher Mobilität. Allerdings wird dabei häufig der Fehler begangen, dass man die neuen Schuhe von jetzt auf gleich und von morgens bis abends trägt. Das führt fast zwangsläufig zu einer Überlastung, so dass man am dritten Tag eine Sehnenentzündung hat, und nicht mehr auftreten kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Füße langsam an die neuen Schuhe und die veränderte Belastung zu gewöhnen.

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Gumpert!

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