Das Mikrobiom

Unser Körper als Lebensraum

Wussten Sie, dass der kleine Clownfisch aus „Findet Nemo“ im wahren Leben in Symbiose mit der Seeanemone lebt? Mit ihren giftigen Nesselzellen bietet die Seeanemone dem Clownfisch Schutz vor Fressfeinden. Als Gegenleistung sorgt der Clownfisch für saubere Tentakel und sauerstoffreiches Wasser.

Tatsächlich sind solche symbiotischen Beziehungen in der Natur alles andere als ungewöhnlich. Selbst wir Menschen sind Wirt für andere Lebewesen – und für ein gesundes Leben auf sie angewiesen.

Betrachten wir uns im Spiegel, nehmen wir zunächst einmal uns selbst wahr. Das ist unser Körper, in dem unser Verstand, unser Geist, oder gar unsere Seele zuhause ist. Was wir dabei aber übersehen, sind all die mikroskopisch kleinen Lebewesen, die ebenfalls auf und in unserem Körper leben. Dabei hat diese Gemeinschaft sogar einen Namen: das Mikrobiom.

Symbiotische Beziehungen

Symbiotische Beziehungen sind in der Natur keine Seltenheit. Dabei teilen mindestens zwei Organismen kurzfristig oder dauerhaft bestimmte Lebensbereiche. Die Symbiose kann locker, regelmäßig oder aber für beide Organismen lebensnotwendig sein.

Beispiele für solche Beziehungen lassen sich viele finden: Da sind zum Beispiel die Putzerfische, die größeren Räubern ins Maul schwimmen, um dort die Zähne von Essensresten zu befreien; Ameisen halten Blattläuse als kleine Süßigkeitenautomaten, denen sie aufs Hinterteil klopfen, damit diese den süßen Honigtau absondern, den sie zuvor aus den Pflanzen gesogen haben; und im Bereich der Fauna leben Pilze häufig mit bestimmten Bäumen zusammen, wobei der Pilz den Baum mit Nährstoffen und Wasser versorgt und dafür Kohlenstoff in Form von Zucker erhält.

Neben Pilzen machen Bakterien den Großteil des menschlichen Mikrobioms aus. Die Anzahl der auf und in unserem Körper lebenden Bakterien ist sogar höher als die Anzahl der Zellen, aus denen unser Körper besteht. Zwar besiedeln diese Bakterien auch unsere Schleimhäute, beispielsweise im Mund, und unsere Haut an sich, die meisten Bakterien bewohnen jedoch unseren Darm.

Vielfalt mit vielfältigen Aufgaben

Bislang wurden insgesamt zwischen 1.000 und 2.000 verschiedene Bakterienarten im Darm gefunden. Die Zusammensetzung unseres Mikrobioms ist jedoch sehr unterschiedlich. In der Regel leben wir als Wirt friedlich und in Harmonie mit unserem Mikrobiom zusammen. Kein Wunder, schließlich helfen sie zum Beispiel bei der Verdauung, sind an der Bildung von Vitaminen, Hormonen und Botenstoffen beteiligt, und stärken die Darmbarriere.

Ein sensibler Lebensraum

Wie wichtig das Mikrobiom für unser Wohlbefinden wirklich ist, wird aber vor allem dann deutlich, wenn es aus dem Gleichgewicht gerät. Das kann zum Beispiel durch Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und entzündliche Darmerkrankungen geschehen. Aber auch eine Behandlung mit Antibiotika, richtet sich zumindest teilweise auch gegen die vorhandenen „guten“ Bakterien und zerstört sie. Typische Beschwerden einer solchen Störung der Bakterienkulturen, fachsprachlich Dysbiose genannt, sind Durchfall, Blähungen, ein Blähbauch oder Bauchschmerzen. Auch die Entstehung anderer Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa könnte auf eine gestörte Darmflora zurückzuführen sein. Derzeit wird in der Forschung sogar diskutiert, inwieweit eine gesunde Darmflora einer Alzheimer-Erkrankung vorbeugen könnte.

Ein Schatz, den es zu bewahren gilt

Bei der Behandlung einer gestörten Darmflora greifen Ärztinnen und Ärzte mittlerweile zu ganz neuen Wegen. So wird seit einigen Jahren erforscht, wie eine Stuhltransplantation, also die Entnahme von Darminhalt einer gesunden Person und Transplantation in den geschädigten Darm, zu einer Erholung führen kann. Außerdem wird versucht, die Vielfalt des menschlichen Mikrobioms zu bewahren, indem man es archiviert. So soll es erhalten bleiben, um daraus in Zukunft Medikamente gegen Zivilisationskrankheiten zu entwickeln. Standort dieses Darmflora-Archivs: ein Tresor in der Schweiz.

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