Ein Erbe der Sonne – Hautkrebs

Münzmallorca, Klappkaribik, Steckdosenspanien, oder einfach nur Toaster – gute zwei Jahrzehnte von Beginn der Achtziger bis hinein ins neue Jahrtausend glommen die Leuchtstoffröhren in den Solarien fast ununterbrochen. Braungebrannte Haut galt damals als besonders schick, als Zeichen für Vitalität und Lebensfreude. Es war dies das Zeitalter der gesunden Bräune.


Auch wer ohne knackige Bräune aus dem Sommerurlaub kam, wurde mitleidig belächelt oder musste sogar hämische Kommentare über sich ergehen lassen. Blasse Haut stand damals für Stubenhockerei, Müdigkeit und Erschöpfung, manchmal sogar für Krankheit. Erst vor einigen Jahren, und häufig Dutzende Sonnenbrände später, vollzog sich ein erneuter Perspektivwechsel.

Vor allem das wachsende Bewusstsein für die Gefahren von Hautkrebs führte dazu, dass die Menschen allmählich davon abkamen, nach der perfekten Bräune zu streben. Zumindest aus gesundheitlicher Sicht definitiv eine gute Nachricht! Trotzdem warnen Experten davor, dass die Zahl der Hautkrebserkrankungen in den kommenden Jahren noch einmal deutlich ansteigen dürfte. Der Grund: Die Haut vergisst nicht …

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden starben im Jahr 2001 in Deutschland rund 2.600 Menschen an Hautkrebs. 2021 waren es schon 4.100 Menschen. Das ist ein Anstieg um 55 Prozent in 20 Jahren. Außerdem war Hautkrebs unter allen im Krankenhaus behandelten Krebserkrankungen im Jahr 2021 mit 7,4 Prozent die Hauptdiagnose. 2001 lag der Anteil bei 3,8 Prozent. Experten vermuten den Grund für diesen rapiden Anstieg in den Folgen früherer Unbekümmertheit im Umgang mit der Sonne. Jahrelanges Sonnenbaden ohne ausreichenden Schutz, egal ob nun am Urlaubsstrand oder im Solarium, hat dazu geführt, dass es heute vermehrt zu Hautkrebsfällen kommt. Gestützt wird diese Vermutung auch durch die Zahlen: Die Hälfte der in 2021 an Hautkrebs Verstorbenen war 80 Jahre oder älter und hatte demnach bereits eine lange Karriere als Sonnenanbeter hinter sich. Umso wichtiger erscheint es, über die Gefahren übermäßiger UV-Strahlung und das Risiko von Hautkrebs aufzuklären.

Wie entsteht Hautkrebs?

Grundlegend für die Entstehung von Hautkrebs ist eine Schädigung des Erbguts im Zellkern der Hautzelle. In den allermeisten Fällen ist eine solche Schädigung auf UV-Strahlen zurückzuführen, also jene Strahlen, denen wir uns beim Sonnenbaden nur allzu bereitwillig aussetzen. Die meisten der geschädigten Zellen sterben ab oder werden vom Immunsystem eliminiert. Manchmal verwandeln sie sich aber auch in Krebszellen. Die beginnen dann, sich ungebremst zu teilen, und bilden so den Ausgangspunkt für einen Tumor, also Hautkrebs.

Welche Arten von Hautkrebs gibt es?

Hautkrebs existiert vor allem in zwei sehr unterschiedlichen Formen: Vielen Menschen bekannt ist das Maligne Melanom, auch Schwarzer Hautkrebs genannt. Er gilt als besonders bösartig, weil er bereits früh Metastasen bildet, was eine Heilung sehr erschwert. Er entsteht vor allem durch kurze intensive UV-Belastungen, wie zum Beispiel beim Sonnenbad im Urlaub. Daneben gibt es noch den sogenannten Weißen Hautkrebs. Er wird in mehrere Unterformen unterteilt. Am bekanntesten sind das Basalzell- und das Plattenepithel-Karzinom.

Gemeinsam haben die Formen des weißen Hautkrebses, dass sie nur sehr selten Metastasen bilden und somit fast immer heilbar sind. Während für die Entstehung des Plattenepithel-Karzinoms eine vergleichsweise langwierige und dauerhafte UV-Bestrahlung verantwortlich gemacht wird, kommen für ein Basalzell-Karzinom sowohl eine dauerhafte als auch eine wechselnde UV-Bestrahlung als Auslöser in Frage. Einige andere Hautkrebsarten, beispielsweise das Merkelzell-Karzinom und das Kaposi-Sarkom können auch bei sehr geringer oder gar keiner Belastung durch UV-Strahlung auftreten. Sie sind allerdings überaus selten.

Aufbau und Funktion der Haut

Wenige Millimeter dick und in drei Schichten unterteilt ist die Haut das größte und schwerste Organ unseres Körpers. Dabei erfüllt sie gleich mehrere wichtige Funktionen: Zunächst schützt uns die Haut vor verschiedenen Umwelteinflüssen, zum Beispiel Keimen und Parasiten. Außerdem hilft sie dabei, den Wärme- und Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren. Und zu guter Letzt ist die Haut unser größtes Sinnesorgan, mit dessen Hilfe wir tasten und fühlen können.

Unterteilt wird die Haut in drei Schichten: die Oberhaut, unsere äußerste Schutzschicht, in der sich auch die Pigmentzellen befinden, mit deren Hilfe sich die Haut braun färbt, um sich vor der UV-Strahlung zu schützen; die Lederhaut, die vor allem aus Binde-, Drüsengewebe und Blutgefäßen besteht; und der Unterhaut, größtenteils bestehend aus Binde- und Fettgewebe, das auch als Wärmespeicher dient.

Wie können Sie sich schützen?

Zwar bietet uns die Ozonschicht einen gewissen Schutz vor gefährlicher UV-Strahlung. Einfach auf sie verlassen sollten wir uns aber lieber nicht. Entscheidender für den Schutz vor Hautkrebs ist die Vermeidung übermäßiger UV-Strahlung. Teil dieses Schutzes sind sowohl sonnendichte Kleidung als auch Sonnenschutzprodukte mit angemessen hohem Lichtschutzfaktor. Allerdings kann und will man ja nicht ständig ein Schattendasein fristen. Deshalb ist eine der wichtigsten Waffen im Kampf gegen Hautkrebs die Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchung. Hierbei soll Hautkrebs bzw. seine Vorstufe möglichst früh entdeckt werden. Denn je früher ein Hautkrebs identifiziert wird, umso erfolgversprechender und meist auch schonender ist die Therapie.

Fazit: Hatten Sie schon einmal einen Sonnenbrand, eventuell sogar mehrere, bei denen sich dann auch noch die Haut großflächig abgepellt hat? Haben Sie Muttermale mit unklaren oder unregelmäßigen Rändern, eventuell auch besonders große, dunkle oder erhabene Muttermale? Dann schauen Sie auf jeden Fall demnächst einmal in Ihrer Hautarztpraxis vorbei.

Und vergessen Sie die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung nicht – Ihre Haut vergisst ja auch nicht!

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