Unser Lebensmittel Nummer Eins

LEITUNGSWASSER

Regen versickert im Boden, wird durch Erde und Gestein gefiltert und schließlich zu Grundwasser. Brunnen pumpen dieses Grundwasser nach oben an die Oberfläche, wo es im Wasserwerk noch einmal gereinigt wird. Schließlich strömt es bei uns Zuhause aus dem Wasserhahn, aus dem Duschkopf, sogar aus dem Spülkasten der Toilette, unser Lebensmittel Nummer Eins: Leitungswasser.

Es gibt Dinge, für die wir im Ausland bekannt und geachtet sind. Dazu gehören beispielsweise unser Bier, unsere Wurst, und unsere Autos. Dann gibt es noch Dinge, von denen im Ausland kaum jemand etwas weiß, auf die wir uns aber gerne trotzdem etwas einbilden, zum Beispiel unser sauberes Leitungswasser. Dass das nicht ganz unberechtigt ist, merken wir vor allem während des Urlaubs in anderen Ländern. Nicht selten heißt es da, man solle Leitungswasser bestenfalls zum Zähneputzen verwenden, es aber keinesfalls einfach trinken. Aber woran liegt es, dass bei der Leitungswasserqualität so ein starkes Gefälle herrscht?

Ein Versprechen von sauberem Wasser

Wir können uns wirklich glücklich schätzen: Anders als in vielen anderen Ländern der Erde wird Leitungswasser in Deutschland sehr streng kontrolliert. Jeder Liter Leitungswasser, der aus unseren Wasserhähnen sprudelt, muss die strengen Grenzwerte der sogenannten Trinkwasserverordnung erfüllen – dabei ist es völlig egal, ob dieses Wasser später zum Kochen, Duschen oder zum Blumengießen verwendet wird. Damit garantiert der Gesetzgeber uns Verbrauchern, dass wir Leitungswasser überall bedenkenlos trinken können, sei es nun Kölner Gänsewein, Berliner Rohrperle, oder Münchner Kranenberger. Trotzdem sollten sie gerade morgens das Wasser einige Zeit laufen lassen, bevor sie es verwenden. Denn Wasser, das länger als 4 Stunden in den Rohren stand, ist nicht mehr frisch und könnte zum Beispiel Keime enthalten. Lassen Sie das Wasser also solange laufen, bis es kühl aus dem Hahn kommt, bevor sie es trinken oder damit Ihren Kaffee kochen.

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV)

Die deutsche Trinkwasserverordnung besagt, dass in unserem Trinkwasser keinerlei gesundheitsschädliche Konzentrationen an Krankheitserregern (zum Beispiel Escherichia Coli) und chemischen Schadstoffen (beispielsweise Nitrat, Pflanzenschutzmittel, Blei, Cadmium) enthalten sein dürfen.

Für potenziell gesundheitsschädliche Stoffe, die zwar ebenfalls im Trinkwasser vorkommen, in der Verordnung aber nicht genannt sind, gilt der gesundheitliche Orientierungswert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. In der Pflicht sind hierbei aber nicht nur die Wasserversorgungsunternehmen, sondern auch die Vermieter und Hausbesitzer, die für saubere und intakte Rohrleitungen in ihren Gebäuden sorgen müssen.

Leitungswasser bietet gleich zwei unschlagbare Vorteile

Leitungswasser ist nicht nur gut für unseren Organismus, sondern auch für unseren Geldbeutel. Ein kleines Zahlenbeispiel, um das zu belegen: Angenommen, Sie könnten für zehn Euro Wasser kaufen. Im Supermarkt bekommen sie dafür zwischen 20 und 50 Liter Mineralwasser. Aus dem Hahn fließen für zehn Euro dagegen satte 4.000 Liter Leitungswasser. Selbst wenn Sie gerne Sprudelwasser trinken und sich deshalb noch einen Wassersprudler samt Kartuschen kaufen müssten, ist die Rechnung eigentlich klar.

Aber nicht nur ihr Geldbeutel profitiert von Leitungswasser

Unschlagbar ist auch der ökologische Fußabdruck: Während Mineralwasser in Mehr- oder sogar Einwegflaschen abgefüllt und häufig über lange Strecken transportiert werden muss, erfolgt die Lieferung von Leitungswasser frei Haus. Deshalb hat abgefülltes Mineralwasser auch eine rund 600-mal schlechtere Klimabilanz als Leitungswasser.

Wenn ganz Deutschland auf Leitungswasser umsteigen würde, wäre die jährliche CO2-Ersparnis laut Zahlen der Verbraucherzentrale so hoch wie das Anderthalbfache des innerdeutschen Flugverkehrs.

Wieviel ist genug?

Ganz allgemein sollte jede und jeder mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag trinken. Das ist aber wirklich nur ein grober Richtwert. Gerade an heißen Sommertagen, wie wir sie derzeit immer wieder ertragen müssen, kann der Wasserbedarf locker um das Doppelte oder sogar Dreifache steigen. Gleiches gilt für Menschen, die anstrengende körperliche Arbeit verrichten oder viel Sport treiben. Vor allem jüngere und ältere Menschen vergessen aber manchmal, regelmäßig und ausreichend zu trinken.

Hier sollte man als Elternteil oder Betreuungsperson ein wachsames Auge darauf haben, wann und wieviel getrunken wird – und zwar am besten Wasser, weil der Körper das problemlos und schnell verwerten kann! Wer von sich selbst weiß, dass er oder sie tendenziell zu wenig trinkt, kann sich auch eine regelmäßige Erinnerung auf dem Smartphone oder auch eine analoge Trinkliste einrichten, um Routine zu gewinnen. Hat man sich dann erst an das regelmäßige Wassertrinken gewöhnt, wird man es schließlich ganz automatisch tun.

Und wenn Sie unterwegs und fernab von Ihrem Wasserhahn sind, einfach eine Mehrwegflasche mitnehmen, die Sie immer wieder auffüllen können. Das ist gut für die Umwelt, Ihren Geldbeutel, und Sie!

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