Warum der Gang zum Urologen Leben retten kann

Während Brustkrebs bei Frauen die häufigste Tumorerkrankung ist, ist es bei den Männern der Prostatakrebs. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 68.000 Männer neu daran – 17.000 sterben an den Folgen. Damit liegt Prostatakrebs auf dem dritten Platz der häufigsten tumorbedingten Todesursachen bei Männern.

Einer der Gründe hierfür dürfte sein, dass sich viele Männer der Gefahr durch Prostatakrebs gar nicht bewusst sind und entsprechende Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen nicht wahrnehmen. Wie eine Walnuss oder Kastanie sitzt sie direkt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre und den letzten Teil des Samenleiters: die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt. Ihre Hauptaufgabe ist es, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren, in der die Samenzellen transportiert werden. Außerdem funktioniert sie wie ein Ventil, das verhindert, dass Urin in die Samenleiter oder Sperma in die Blase zurückfließt. Gesteuert werden Wachstum und Funktion der Prostata dabei vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron.

Das Angebot ist größer als die Nachfrage

Probleme macht die Prostata meist erst in fortgeschrittenem Alter. Doch selbst dann gelten Prostataleiden leider noch immer viel zu häufig als Tabu. Ärztinnen und Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang gerne von der Vogel-Strauß-Taktik: Männer stecken solange den Kopf in den Sand, bis die Probleme zu gravierend werden, um sie weiterhin zu ignorieren. Leider ist es dann manchmal schon zu spät, denn je später ein Tumor entdeckt wird, desto schwieriger sind Behandlung und Heilung. Manchmal ist aber auch einfach Unwissenheit der Grund dafür, dass Probleme ignoriert und verschleppt werden. Auch deshalb wird Männern empfohlen, ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche kostenlose Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen. Angenommen wird dieses Angebot allerdings von gerade einmal 15 bis 20% der Männer.

Umfang der Früherkennungsuntersuchung ist sehr überschaubar

Die Prostatakrebs-Früherkennung besteht vor allem aus zwei Ansätzen: zum einen der Tastuntersuchung über den Enddarm, bei der neben der Prostatagröße auch die Beschaffenheit beurteilt und eventuelle Verhärtungen erfühlt werden können, sowie die Bestimmung des PSA-Werts, also des Prostata-spezifischen Antigens. Dabei handelt es sich um ein Protein, das von der Prostata gebildet wird und Rückschlüsse auf eine mögliche gut- oder bösartige Veränderung der Prostata zulässt. Für die weitere Untersuchung auf ein Prostatakarzinom stehen aber auch noch genauere Methoden zur Verfügung.

Klarheit durch weiterführende Untersuchungen

Neben der Untersuchung des PSA-Werts und der digitalen rektalen Untersuchung, die nicht etwa eine digitale Untersuchungsmethode meint, sondern die Tastuntersuchung mit dem Finger, existieren auch noch die Prostatabiopsie, der transrektale Ultraschall, sowie das multiparametrische MRT. Eingesetzt werden diese Verfahren insbesondere dann, wenn ein erster Verdacht bestätigt bzw. ausgeräumt werden soll. Während bei der Biopsie unter lokaler Betäubung ambulant Gewebe der Prostata entnommen wird, handelt es sich bei den beiden anderen Methoden um sogenannte bildgebende Verfahren, die lediglich Bildmaterial erzeugen, auf denen eine eventuelle Erkrankung gut sichtbar wäre. Und die beste Nachricht zum Schluss: Man braucht dafür noch nicht einmal eine Betäubung, weil beide Untersuchungen völlig schmerzlos ablaufen.

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