Stillen bei Diabetes? Ist gut für Mutter und Kind!

Die Weltgesundheitsorganisation rät allen Frauen, nach der Entbindung zu stillen, denn das bringt viele gesundheitliche Vorteile für Mütter und Babys. Besonders profitieren Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Schwangerschaftsdiabetes und ihr Nachwuchs.

Mütter, die ihren Kindern die Brust geben, erkranken seltener an Brust- und Eierstockkrebs und Stoffwechselerkrankungen wie Osteoporose oder Diabetes mellitus, das ist durch Studien belegt. Stillkinder wiederum entwickeln eine bessere Immunabwehr und sind so wirksamer gegen Infektionen der Luftwege, der Harnwege, des Magen-Darm-Trakts sowie Mittelohrentzündungen geschützt. Auch werden sie im Durchschnitt später seltener übergewichtig. Und: Bei Kindern, die gestillt werden, sinkt das Risiko, im Laufe ihres Lebens einen Diabetes zu entwickeln, informiert der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD).

„Diese Vorteile sollten auch Frauen mit Diabetes Typ 1 oder Schwangerschaftsdiabetes und ihren Kindern zugutekommen“, erklärt VDBD-Vorstandsmitglied Dr. rer. med. Lars Hecht. Zumal der Diabetes das Stillen von Anfang an auch erschweren kann: Häufig schießt bei Müttern mit Diabetes die Milch später ein oder sie sollen wegen einer nachgeburtlichen Unterzuckerung des Kindes zunächst zufüttern. Manchmal werden Mutter und Baby auch wegen einer notwendigen Verlegung des Neugeborenen in eine Kinderklinik getrennt und das Stillen dadurch erschwert. Aus diesem Grund brauchen Frauen mit Diabetes mellitus nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch im frühen Wochenbett und in der Stillzeit eine besonders gute Betreuung und Unterstützung des Stillmanagements. So sollten sie beispielsweise bereits im Kreißsaal angeleitet werden, zusätzlich zum häufigen Stillen (8- bis 12 -mal in 24 Stunden ab dem ersten Tag) die Brust in den ersten Tagen per Hand zu entleeren, um damit die Milchbildung zu unterstützen, rät das Europäische Institut für Stillen und Laktation.

Manchmal meiden Mütter mit Diabetes auch das Stillen, weil sie fürchten, dann nachts eine zusätzliche Mahlzeit einlegen zu müssen. Diese Annahme ist jedoch inzwischen fachlich widerlegt, betont Professor Dr. med. Ute Schäfer-Graf, Leiterin des Diabeteszentrums für Schwangere am St. Joseph Krankenhaus in Berlin. „Wichtig ist aber, dass stillende Mütter mit Diabetes Typ 1 den aktuellen Insulinbedarf anpassen, regelmäßig den Blutzucker messen und die Gesamtmenge der Kohlehydrataufnahme im Blick behalten.“

Auch die Angst, das Baby könne das Insulin über die Muttermilch zu sich nehmen, sei unbegründet. „Insulinmoleküle können nicht in die Muttermilch gelangen“, gibt Schäfer-Graf Entwarnung. Für das Kind wiederum sinkt durch das Stillen die Gefahr deutlich, selbst an Typ-1-Diabetes zu erkranken.

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