Die Fettleber – eine meist unerkannte Gefahr

Im Altertum dachte man, die Leber sei der Sitz des Temperaments, vor allem des Zorns. War jemand wütend, fragte man daher, was ihm oder ihr über die Leber gelaufen sei. Etwas später wurde aus dem Etwas eine Laus, auch weil Laus und Leber so gut zusammenklingen. Heute wissen wir, dass unsere Gefühlswelt ihr Zentrum nicht in der Leber hat. Und auch die Laus, die über die Leber läuft, verschwindet allmählich aus dem sprachlichen Alltag. Geht es um die Leber, hören wir stattdessen vermehrt von der Fettleber. Aber was ist das überhaupt?

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan unseres Körpers und erfüllt gleich mehrere lebenswichtige Aufgaben. Unter anderem dient sie als Entgiftungszentrale des Körpers, in der Schadstoffe, insbesondere auch Alkohol und Medikamente, um- bzw. abgebaut werden. Eine wichtige Rolle spielt auch die Fettverwertung. Und hier wird es auch besonders problematisch, denn wenn die Leber mehr Fette speichern muss, als sie abgeben kann, entwickelt sich eine sogenannte Fettleber.

Die Folge: Die Leber schwillt an, in schweren Fällen sogar bis auf das Doppelte ihrer normalen Größe, und entzündet sich schließlich. Hierdurch kann sie ihren Aufgaben bei der Stoffwechselkontrolle nicht mehr richtig nachkommen und die Blutzucker- und Blutfettwerte entgleisen schließlich. Als Langzeitfolgen drohen außerdem eine Leberfibrose und Leberkrebs.

Weiter verbreitet als gedacht

Knapp ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande leidet an einer Fettleber. Besonders häufig sind Menschen mit Typ-2-Diabetes oder starkem Übergewicht betroffen. Grundlegend für die Einstufung einer Fettlebererkrankung ist die Unterteilung in eine alkoholische Fettleber (AFL) und eine nicht-alkoholische Fettleber (NAFL). In den Industriestaaten gilt die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung als die am weitesten verbreitete Lebererkrankung überhaupt. Circa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, insbesondere Männer über 60 Jahre.

Ein vielfältiges Krankheitsbild

Allerdings sind die Formen sehr unterschiedlich, weshalb weitere Kriterien dazu dienen, die Erkrankung einzugrenzen. So wird die Fettleber nicht nur in drei Stufen eingeteilt, nämlich eine reine Fettleber ohne entzündliche Reaktion, eine Fettleber mit entzündlicher Reaktion, und eine Leberzirrhose. Auch die Ausprägung der Erkrankung dient als Unterscheidungsmerkmal. Sind weniger als ein Drittel der Leberzellen betroffen, gilt die Verfettung als mild. Bei zwei Dritteln wird sie schon als mäßig eingestuft. Sind mehr als zwei Drittel der Leberzellen betroffen, gilt die Verfettung als schwerwiegend.

Nicht immer sind die Ursachen hausgemacht

So vielfältig wie die Abgrenzungsversuche untereinander sind auch die Ursachen einer Fettleber. Während bei der alkoholischen Fettleber der Übeltäter im Sinne des Spruches „Steter Tropfen höhlt die Leber“ ziemlich offensichtlich ist, gibt es für die Entwicklung einer nicht-alkoholischen Fettleber zahlreiche unterschiedliche Faktoren.

Dazu gehören insbesondere starkes Übergewicht, eine Hepatitis-C-Erkrankung, die Einnahme einiger Medikamente wie Zytostatika, Antiarrhythmika, oder Kortikosteroide, oder ein Diabetes mellitus Typ 2 in Zusammenhang mit einem metabolischen Syndrom.

Ein solches Syndrom zeichnet sich durch eine Fettleibigkeit in Verbindung mit erhöhten Blutfetten, niedrigem HDL-Cholesterin, erhöhtem Blutdruck oder einem erhöhten Nüchtern-Blutzucker aus. Es gibt aber auch eine genetische Komponente: So können selbst schlanke Menschen bei einer entsprechenden Veranlagung an einer nicht-alkoholischen Fettleber erkranken.

Fettleber bleibt meist lange unbemerkt

Tückisch ist die Fettleber, weil sie sich in den meisten Fällen über Jahre hinweg unbemerkt entwickelt. Das liegt auch daran, dass selbst die sogenannten Leberwerte (GOT und GPT) bei einer Blutuntersuchung im frühen Stadium noch keinen Hinweis auf eine Erkrankung geben. Erst durch die Entzündung der Leber steigen auch die Leberwerte an.

Davor leiden Betroffene allenfalls an Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, sodass die Erkrankung häufig erst im Rahmen einer Ultraschall- oder einer Blutuntersuchung entdeckt wird. Auch im Rahmen einer Tastuntersuchung kann eine bereits vergrößerte Leber auffällig sein.

Lebensstil als Schlüssel zur Gesundheit

Eine medikamentöse Therapie einer Fettleber ist bisher nicht möglich. Trotzdem lässt sie sich behandeln – und zwar durch eine Anpassung des Lebensstils, denn eine Fettleber steht durchaus im Zusammenhang mit unserer modernen Zivilisation. Wichtig ist insbesondere der Abbau eines eventuellen Übergewichts. Hierbei kann vor allem eine Ernährungsumstellung helfen.

Grundsatz für diese Umstellung ist weniger von allem, nämlich sowohl Kohlenhydrate als auch Kalorien und Fett. Dafür sollte man aber vermehrt Ballaststoffe aufnehmen, beispielsweise in Form von Gemüse. Auch bestimmte Ernährungsformen wie zum Beispiel Intervallfasten können dabei helfen, das Gewicht zu reduzieren und den Stoffwechsel zu normalisieren.

Die Leber kann sich vollständig erholen

Kombiniert man diese Ernährungsumstellung dann noch mit Alkohol- und Tabakverzicht, gibt man der Leber die Möglichkeit, sich allmählich zu regenerieren. Unterstützt wird die Leber dabei durch ausreichend Bewegung, denn Bewegung verbrennt Kalorien, die in der Folge nicht mehr in Fett umgewandelt werden müssen. Ist die Fettleber nicht entzündet, das Gewebe also nicht weiter geschädigt, kann sie sich völlig zurückbilden und ausheilen. Die Dauer einer solchen Erholung ist jedoch sehr unterschiedlich: Manchmal genügen schon drei bis vier Wochen, bis sich die Leber erholt hat. Teilweise dauert diese Regeneration aber auch mehrere Monate, weshalb Betroffene in jedem Fall etwas Ausdauer mitbringen sollten.

In Zukunft könnte es aber auch gezielte Therapien mithilfe von Medikamenten geben, denn in den meisten industrialisierten Ländern steigt die Zahl der Menschen, die an einer Fettleber leiden, kontinuierlich an. Forscher suchen daher weiter intensiv nach geeigneten Wirkstoffen, sodass uns am Ende komme-was-wolle über die Leber laufen kann, ohne dass wir uns daran stören.

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