Winter unter Palmen?

Auf dem Sofa mit der Lieblingsdecke einkuscheln, über verschneite Wiesen wandern, eine Schneeballschlacht vom Zaun brechen – das kann Sie buchstäblich nicht hinterm Ofen hervorlocken? Stattdessen bangen Sie der Kälte entgegen, der Nässe und der Dunkelheit? Da kann der Gedanke, der kalten Jahreszeit zu entfliehen und in sonnigeren Gefilden zu überwintern, sehr verlockend sein.

Winter sind naturgemäß kalt, schmuddelig und matschig – zumindest in Deutschland. Anders sieht es da schon in Südeuropa aus, wo der Winter in der Regel auch etwas feuchter, dabei aber wesentlich milder, wenn nicht gar sommerlich ist. Warum also den Winterekel ertragen und nicht stattdessen der Sonne hinterherreisen? Oft reichen ja schon ein paar Tage, um die Batterien wieder etwas aufzuladen.

Wer nun aber mit dem Gedanken spielt, der winterlichen Heimat für längere Zeit den Rücken zu kehren, sollte außer über Destination und Dauer noch über einige andere Punkte nachdenken: Will ich an einem Ort bleiben oder eine Rundreise machen? Werde ich währenddessen arbeiten müssen? Möchte ich die eigene Wohnung oder das Haus in dieser Zeit untervermieten? Kann ich vielleicht sogar sparen, weil ich keine Heizkosten habe? Oder zahlen Sie am Ende wie bei jedem anderen Urlaub drauf?

Die Nebensaison lockt mit günstigen Preisen

Ob Stippvisite am Strand, Workation mit Meerblick, oder komplette Winterflucht – Reiseveranstalter werben vermehrt mit Pauschalangeboten für Wintermuffel, darunter auch das ein oder andere Schnäppchen. Na klar, schließlich sind die Preise in der Nebensaison auch vergleichsweise günstig. Das gilt zumindest für die meisten Ziele in Europa, die nicht ohnehin von Urlaubern überlaufen sind. Der Nachteil: Manche Restaurants und Freizeitangebote könnten geschlossen haben.

Individualreisen bieten Flexibilität

Natürlich sind solche Pauschalreisen mit gebuchter Unterkunft samt Transfer bequem. Aber man zahlt auch für diese Bequemlichkeit. Im Vergleich aufwendiger in der Organisation, dafür aber günstiger sind Individualreisen. Und je länger man bleibt, desto bereitwilliger gewähren private Vermieter auch einen Rabatt. Achten Sie dabei aber auf eine wintertaugliche Ausstattung. Gerade in Südeuropa kann es selbst im Winter einmal kühl werden, weshalb Ihr Domizil möglichst eine Heizung haben sollte – nur für den Fall der Fälle.

Ein Bus nach Nirgendwo

Wer dagegen nicht an einem Ort bleiben möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass in der Nebensaison nicht nur Freizeitangebote und Gastronomie teilweise heruntergefahren sind, sondern auch manche Verkehrsmittel oder Verbindungen. Für Rundreisende ist es deshalb empfehlenswert, sich vorab zu informieren, welche Routen zur Verfügung stehen. Aber wie zuvor schon angemerkt: Das gilt nur für Urlaubsziele, die im Winter tendenziell weniger besucht werden. Wer dagegen in der Karibik oder in Südostasien unterwegs ist, sollte – von den jeweiligen landestypischen Tücken einmal abgesehen – bei der Fortbewegung keine Probleme haben.

Sparen durch Reisen?

Noch einmal zurück zum Thema „Heizung“: Nachdem die Heizkosten im letzten Jahr explodiert sind, sieht es so aus, als würden sie sich in diesem Jahr auf niedrigerem Niveau bewegen. Trotzdem können Sie während Ihrer Abwesenheit Kosten sparen, indem Sie die Temperatur absenken. Das Umweltbundesamt empfiehlt hierfür eine Grundtemperatur von etwa 10 Grad, mindestens aber 5 Grad. Wer nun aber die Heizung komplett abstellt, riskiert schlimmstenfalls Schimmelbefall.

Das gilt insbesondere, wenn Sie Ihre Wohnung üppig begrünt haben. Zudem drohen vor allem bei unbeheizten Häusern Frostschäden an Wasserrohren. Insbesondere als Mieter sollte man aber nicht zu viel Taschengeld erwarten, denn meist wird bei Mietwohnungen ein Teil der Heizkosten nach Wohnfläche und nicht nach Verbrauch abgerechnet. Ganz direkt lässt sich dagegen bei Wasser- und Stromverbrauch sparen.

Untervermieten oder sogar Wohnungstausch?

Etwas auffüllen kann man die Urlaubskasse auch, indem man Haus oder Wohnung für die Urlaubsdauer untervermietet. Eigentümer sind hier klar im Vorteil. Mieter müssen nämlich zuvor unbedingt die Erlaubnis ihres Vermieters einholen. Haben Sie die in der Tasche, können Sie Ihre Wohnung auf den einschlägigen Portalen inserieren oder eventuell sogar eine Tauschwohnung suchen – vorausgesetzt, irgendwo unter der Sonne sehnt sich irgendwer genau nach dem, was Sie verschmähen. Einen Vorteil hat die Vermietung in jedem Fall: Einbrecher, die in der dunklen Jahreszeit naturgemäß vermehrt auf Beutezug gehen, werden eher einen Bogen um Ihre Wohnung oder Ihr Haus machen.

Schöne neue Arbeitswelt

Viele Urlaubsangebote richten sich direkt an sogenannte Digitale Nomaden, also Menschen, die nicht an einen Arbeitsplatz gebunden sind und online von so ziemlich überall auf der Welt arbeiten können. Vor allem Freiberufler haben diesen Lebensstil für sich entdeckt, und das nicht erst seit Corona. Ihr bevorzugtes Habitat: Coworking-Spaces für Menschen auf Workation. Wer allerdings einen Arbeitgeber hat, sollte vor dem verlängerten Urlaub beim Arbeitgeber nachfragen, ob das Arbeiten vom Ausland aus erlaubt ist.

Auch im Homeoffice hat man als Arbeitnehmer seine Verpflichtungen. Auch bezüglich Sozialversicherung und Steuerpflichtigkeit sollte man sich vorab informieren. Außerdem könnten insbesondere außerhalb der EU eine Arbeits- und/oder Aufenthaltsgenehmigung nötig sein. Das klingt jetzt erst einmal nach viel Organisation. Verlieren Sie dabei aber nicht das Ziel aus den Augen. Nämlich diesen Arbeitstisch vor dem geöffneten Fenster, davor die schaukelnden Palmblätter, durch die Sie das Glitzern der Sonne auf den Wellen beobachten können.

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